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Auch Babys können trauern - so arbeiten Sie das Thema Tod mit Ihrem Kind auf

Babys reagieren auf Trauer häufig mit andauerndem Schreien.
Auch Babys spüren Trauer. © Claudia Paulussen - Fotolia, CLAUDIA PAULUSSEN

Babys merken die Veränderung

Stirbt ein Familienmitglied, trauern nicht nur Erwachsene, sondern natürlich auch Kinder. Sie reagieren aber anders und müssen von uns liebevoll an die Hand genommen werden. Dabei kommt es in erster Linie auf das Alter des Kindes an. Denn je nach Entwicklungsstand muss das Thema unterschiedlich angegangen werden.

"Gerade kleine Kinder haben zum Tod eine tabulose Beziehung", sagt Sylvia Vogel. Sie ist Leiterin des Kindertrauerzentrums in Berlin und berichtet in der 'Ärztezeitung' von ihrer Arbeit. Sie sagt, um trauernden Kindern helfen zu können, müsse man verstehen, wie sie das Phänomen Tod begreifen.

Babys nehmen Trauer über die Stimme oder Körpertemperatur der Eltern wahr. Ganz kleine Kinder reagieren dann mit andauerndem Weinen und wollen nicht mehr essen. Für Eltern sei es wichtig, auf diese Signale zu achten.

Kinder bis zu drei Jahren haben kaum eine Vorstellung vom Tod. Für sie macht es keinen Unterschied, ob sich jemand nur versteckt oder stirbt. Oft stufen Kinder in diesem Alter die Welt in zwei Lager: gut und böse. In ihrer Welt sterben meist die Bösen. Doch wenn ein geliebter Mensch stirbt, suchen Kinder nach dem Verstorbenen, warten und wollen, dass er wiederkommt. Dann ist es um so wichtiger, dass Eltern liebevoll aufklären und Nachfragen des Kindes nicht einfach abtun. Wer auf Kinder in dieser Trauerphase nicht reagiert, riskiert ein Kind, das sich völlig zurück zieht.

Erst trauern, dann ein Schokoladeneis

Mit fünf Jahren haben Kinder eine Vorstellung davon, was lebendig und nicht lebendig sein bedeutet. Auch in der Welt der Fünfjährigen sterben immer nur die Bösen. Der Tod liegt also völlig außerhalb ihrer Wahrnehmung. Zwischen drei und fünf fangen viele Kinder aber an, den Tod zu erforschen. Tote Tiere werden dann häufig genauer unter die Lupe genommen.

Kinder trauern nicht durchgängig. "Im einen Moment sind sie traurig, im nächsten möchten sie ein Schokoladeneis und denken nur noch daran", erklärt die Trauerexpertin Vogel. Trauer und der Verlust eines geliebten Menschen können auch zu Rückschritten in der Entwicklung von Kindern führen. Beispielsweise machen sie nachts wieder ins Bett.

Gerade in einer Phase, in der Kinder an Zauberer und Feen glauben, überlegen sie auch, ob sie eine Schuld am Tod eines Familienmitglieds haben könnten. Da hilft es nur, zu erklären, dass dem nicht so ist - benennen Sie den wahren Grund für den Verlust!

Zwischen zehn und zwölf Jahren kommt die Erkenntnis, dass auch die Eltern oder das Kind selbst irgendwann sterben. Verstirbt beispielsweise ein Geschwisterkind, reagiert das übrig gebliebene Kind mit Ablehnung, beispielsweise den Friedhof zu besuchen. Das sei aber normal, sagt die Trauerexpertin, denn Kinder können damit nicht umgehen und wollen damit auch nichts zu tun haben.

Im Jugendalter trauern Kinder wieder anders. Sie reagieren dann mit Sprachlosigkeit. Da Gefühle zeigen in diesem Alter total uncool ist, zeigen vor allem Jungen kaum Reaktionen. Eltern sollten wachsam sein, denn in diesem Alter setzen sich Kinder auch mit Suizid auseinander. Dann steht der Selbstmord als Ausweg aus der Trauer.

Wer Unterstützung bei der Trauerarbeit für sein Kind sucht, kann sich an die 'Stiftung Familienbande' oder das Kindertrauerzentrum der Björn Schulz Stiftung wenden.

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