Attraktivität: Hässliche Männer überschätzen sich

Hässliche Männer fühlen sich meist unwiderstehlich
Hässliche Männer fühlen sich meist unwiderstehlich © Ryan Christensen

Hässliche Männer überschätzen ihre Attraktivität

Was Frauen schon lange wissen, ist nun auch wissenschaftlich belegt: Unattraktive Männer tendieren dazu, sich unwiderstehlich zu finden. Die besser aussehenden Herren sind dagegen realistischer in ihrer Selbsteinschätzung, das ist das Ergebnis einer Studie amerikanischer Psychologen, aus der sich wichtige Konsequenzen ergeben.

Von Christiane Mitatselis

Welche Frau hat nicht schon etwas Vergleichbares erlebt? Sie sitzt in einem Café, wartet auf ihre Freundin, die wie immer zu spät kommt. Sie schaut sich gelangweilt um und erblickt einen Kerl, der ein scheußlich gemustertes Hemd trägt, das nicht gebügelt ist und über dem Schmerbauch des Herrn auch noch ungünstig spannt. Sie denkt: "O je, o je, hat dieser Mann keinen Spiegel zu Hause?" Und schon ist es geschehen. Der Gemusterte grinst glücklich zurück - und beauftragt den Kellner, die Dame zu fragen, was sie trinken wolle. Natürlich nichts! Es handelt sich um ein Missverständnis! Wie kann dieser hässliche Kerl nur glauben, dass eine Frau wie ich ihn anziehend finden könnte?

Die Antwort lautet: Der arme Bursche kann nichts dafür, er ist ein Opfer der Evolution.

Die 'attraktive' Selbstüberschätzung

Die Psychologin Caren Perilloux leitete am Williams-College in Williamstown/Massachusetts eine Untersuchung, an der 96 Studenten und 103 Studentinnen teilnahmen. Sie sprachen in "Speed Meetings" jeweils drei Minuten mit fünf Probanden des anderen Geschlechts. Danach mussten sie ihren eigenen Attraktivitätsgrad einschätzen und ihre Anziehungskraft auf den Gesprächspartner. Außerdem erklärten sie, wen sie besonders attraktiv fanden.

Man ahnt, wie es ausging: Unattraktive Männer neigten stark dazu, ihre Chancen bei den Frauen zu überschätzen. Wohingegen Männer, die bei den Frauen gut ankamen, realistischer in ihrer Selbsteinschätzung waren. Frauen tendierten dagegen generell dazu, ihre Wirkung auf die Männer zu unterschätzen.

Hässliche Männer müssen sich überschätzen

Das männliche Verhalten lässt sich entwicklungsgeschichtlich erklären. Attraktive Männer können sich Zurückhaltung erlauben, denn sie kommen ohne großen Aufwand bei den Frauen an. Damit aber auch die nicht so hübschen Herren eine Chance auf Fortpflanzung haben, dürfen sie nicht schüchtern sein. Sie müssen vielmehr baggern und baggern und baggern, denn nur so können sie die Wahrscheinlichkeit ihres Erfolgs steigern; heißt: Wenn sie es nur zehnmal probieren, sind die Aussichten schlecht, bei einer Frau anzukommen. Bei 250 Versuchen werden sie aber womöglich einen Treffer landen. Vielleicht bei einer Frau, die ihre Brille vergessen hat. Oder bei einer anderen, deren Geschmack ungewöhnlich ist. Auch das gibt es ja. Die männliche Selbstüberschätzung ist dabei sehr hilfreich. Die 249 Körbe, die solche Männer vorher bekommen, kratzen nicht an ihrem Selbstbewusstsein. Denn sie halten sich ja prinzipiell für prima Kerle.

Die wichtigste Konsequenz aus diesen Erkenntnissen ist diese: Frauen, die es leid sind, Angebote von den falschen Männern zu bekommen, sollten ihre Kommunikation kontrollieren. Ein längerer Blick, eine zu freundliche Konversation - und schon ist das Missverständnis da. "Die steht auf mich", wird der hässliche Herr illusionieren. Und der Dame einen Drink bestellen, ohne sie auch nur einmal zu fragen, ob sie denn auch will.

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