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Attest-Pflicht: Erst nach sieben statt drei Tagen?

Müssen wir bald erst später zum Arzt gehen?
Müssen wir bald erst später zum Arzt gehen? Eine Woche ohne Krankenschein 00:02:17
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Eine Woche ohne Krankenschein

Die Grippewelle rollt wieder und Ärzte sehen sich vor dem regelmäßig wiederkehrenden Problem, des überfüllten Wartezimmers. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Arbeitnehmer nach dem dritten Krankheitstag ein Attest abholen müssen. Eine Stresssituation für überforderter Ärzte und kranke Patienten, die sich oftmals noch im Anfangsstadium ihrer Krankheit in die Praxis schleppen müssen.

Attest-Pflicht: Erst nach sieben statt drei Tagen?
Arbeitnehmer sollten sich für die Dauer von bis zu einer Woche selbst krankmelden können, schlagen Experten vor. © dpa, Jens Büttner

Bereits letztes Jahr hatten Mediziner der Universität Magdeburg vorgeschlagen, die Regeln für Krankschreibungen zu lockern.

Beschäftigte sollten sich für die Dauer von bis zu einer Woche selbst krankmelden können, sagte Wolfram Herrmann, Leiter des Magdeburger Forscherteams, der 'Welt am Sonntag'. Eine Studie habe ergeben, dass viele Arztbesuche nur erfolgten, um die ärztliche Bescheinigung zur Krankschreibung zu erhalten. Falle ein Teil davon weg, würden die Hausärzte entlastet und könnten sich besser um die Behandlung von Patienten mit langwierigen Erkrankungen kümmern.

Arbeitgeber verlangen in der Regel ab dem vierten Tag der Krankheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Drei Tage kann ein Beschäftigter also nach eigener Entscheidung ohne 'Krankenschein' zu Hause bleiben. Hermann schlug vor, eine Ausweitung auf fünf Tage in Pilotprojekten auszuprobieren. "Dass durch eine eigenständige Krankmeldung der Beschäftigten die Zahl der Fehltage nicht nach oben schnellt, zeigen Erfahrungen aus Norwegen", sagte der Arzt. Dort dürfen sich Arbeitnehmer in den meisten Unternehmen bis zu sieben Tage am Stück selbst krankmelden. Erst dann wird ein Attest benötigt. Dort sind die Jahresfehltage pro Arbeitnehmer seit Jahren rückläufig.

Zukünftig auch Attests per Video-Chat?

Die Arbeitgeber sehen dagegen keinen Handlungsbedarf. "Die gesetzlichen Regelungen zu Krankschreibungen haben sich in Deutschland insgesamt bewährt", erklärte der Arbeitgeberverband BDA.

Eine weitere Alternative könnte das Attest per Video-Chat werden. Das Projekt 'Medgate' aus der Schweiz lässt Patienten in einer Apotheke per Videochat mit einem Arzt sprechen und so ohne Arztbesuch an ein Rezept für ein verschreibungspflichtiges Medikament kommen. Bisher ist die Ferndiagnose in Deutschland aber nicht erlaubt. Nachuntersuchungen und Beratungen per Telefon oder Chat dürfen aber durchgeführt werden. Vor allem bei Hautärzte bei denen es durchgehend schwierig ist, einen Termin ohne monatelange Wartezeit zu bekommen, führen schon entsprechende Pilotprojekte durch.

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