Ärztepfusch: Behandlungsfehler schuld an Behinderung von Kindern?

Mütter machen Arzt für Behinderung ihrer Kinder verantwortlich

Kann es wirklich sein, dass in einem deutschen Krankenhaus gleich reihenweise Kinder so falsch behandelt werden, dass sie anschließend schwerstbehindert sind, oder sogar sterben? Reporterin Wiebke Wittneben hat diese Geschichte recherchiert. Dabei hat sie mit vielen verzweifelten Eltern gesprochen und Erschreckendes aufgedeckt.

Ärztepfusch: Behandlungsfehler schuld an Behinderung von Kindern?
Der Chefarzt einer Nürnberger Klinik soll Kinder falsch behandelt haben und für deren Behinderung verantwortlich sein.

Zoey ist gerade mal drei Monate alt, als ihre Mutter merkt, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt. Sie geht mit ihrem Kind ins Krankenhaus. Der behandelnde Arzt schickt sie jedoch nach Hause. "Er hat gesagt, er nimmt ein Baby mit einem harmlosen Schnupfen nicht auf, weil es viel zu teuer für die Krankenkasse ist", erinnert sich Zoeys Mutter. Kurze Zeit später ist Zoey tot.

Constantin war zwei Jahre alt, als seine Mutter Cornelia wegen eines Infekts mit ihm in die Notaufnahme eilt. Es ist der gleiche Arzt, der die Diagnose stellt. "Die Ärzte haben mir gesagt, ich solle nicht so hysterisch reagieren nur wegen ein paar Grad Fieber", berichtet Constantins Mutter. Heute ist Constantin zwölf Jahre alt - und behindert.

Emilia schließlich ist 13 Monate alt, als ihre Mutter sie wegen Atemnot in die Klinik bringt. Wieder ist es der gleiche Arzt, der sie nach Hause schickt. Heute ist Emilia vier Jahre alt und schwerstbehindert. Kaum eines ihrer Organe funktioniert richtig. Alle drei Kinder waren mit ihren Müttern in derselben Klinik in Nürnberg – sie alle haben Hilfe beim Chefarzt des Krankenhauses gesucht.

Christiane Schuler ist sich sicher, dass ihre Tochter noch leben würde, wenn ihr Kind zumindest untersucht worden wäre. "Er hat gesagt, dass jedes Kind mal einen Erkältungsvirus bekommt und in zehn Tagen ist sie wieder gesund. Zoey lag später mit einer Lungenblutung morgens tot im Bett", berichtet die Mutter.

Falsche Diagnose, fahrlässige Behandlung – dass wirft auch Cornelia Sämann, Mutter von Constantin, dem behandelnden Arzt vor. Seit sechs Jahren klagt sie vor Gericht – bisher ohne Ergebnis. Der Mutter von Zoey hat das Gericht jetzt eine Entschädigung von 3.000 Euro angeboten. Der Preis für ein totes Kind. Bis heute ist Prof. Scheurlen Chefarzt der Klinik in Nürnberg. Er macht weiter Karriere. Anscheinend muss noch mehr passieren, bevor er keine Kinder mehr behandeln darf.

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