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"Are you Beach Body ready?" Jede von uns hat eine Bikini-Figur!

Shakes und Smoothies: Der Nährboden für Essstörungen

"Are you Beach Body ready?" – "Hast du schon eine Strandfigur?" fragt die junge Frau von dem Werbeplakat herab. Ihr knapper Bikini, die aufreizende Pose und der laszive Blick lassen zwar vermuten, dass sie eigentlich zu einem ganz anderen Etablissement unterwegs ist, als ins Fitness-Studio, aber tatsächlich wirbt sie für einen Diät-Eiweiß-Shake. Für eines dieser Pülverchen also, die früher als „Sportlernahrung“ in kleinen Nebenstraßenläden an Bodybuilder verkauft wurden, heute aber gerne mal im Supermarkt das Regal neben den Biolebensmitteln okkupieren. Shakes und Smoothies erleben einen Hype, auch angefeuert von Stars wie Gwyneth Paltrow. Wir haben so unsere Zweifel, ob das noch gesund ist…

"Are you Beach Body ready?"
Die Werbekampagne "Are you Beach Body ready?" ging ziemlich daneben © picture alliance / empics, Catherine Wylie

Von Ursula Willimsky

Beim Thema Eiweiß scheiden sich die Geister: Den einen gilt es als supergesund, den anderen als völlig gefährlich. Wie so oft macht anscheinend auch in diesem Fall die Dosis aus einem lebenswichtigen Ernährungsbaustein, ein nicht ganz so gesundes Nahrungsmittel.

Menschen, die körperlich aktiv sind, sollten etwa 10 bis 15 Prozent ihrer Nahrung in Form von Eiweiß zu sich nehmen – tatsächlich isst aber im Durchschnitt jede von uns ohnehin schon das Doppelte der empfohlenen Menge. In Form von tierischen Eiweißen wie Fleisch oder Milchprodukten oder in Form von Hülsenfrüchten.

Und immer mehr holen sich ihre Extra-Portion Protein eben aus Shakes, die sich geschmacklich und von der Verpackung her tatsächlich gewaltig gemausert haben. Die unterstützen angeblich die Diät und helfen auch noch dabei, Muskeln aufzubauen.

Doch in extrem hoher Dosierung – da sind sich viele Experten einigen – kann das Zuviel an Eiweiß eben auch den Körper schädigen: Leber und Nieren werden belasten, eine Forscherteam stellte sogar eine Zusammenhang zwischen (deutlich zu hoher) Eiweiß-Zufuhr und Diabetes- und Krebsmortalität her.

Essen sollte ein befriedigendes Erlebnis sein

Auf jeden Fall sind die Shakes eines: Sie sind weit weg von einer möglichst naturbelassenen Ernährung. Und eine andere Aufgabe der Nahrungsaufnahme erfüllen sie auch nicht: Denn Essen – so finden wir – sollte auch ein sinnliches, befriedigendes Erlebnis sein.

Wer sich nur noch von Shakes und Smoothies ernährt, das Ganze auch noch im Freundeskreis oder in seiner community hypt, dem entgeht zumindest dieser Aspekt.

Das Plakat, das so eindringlich für den Protein-Shake war, ist inzwischen aus der Londoner U-Bahn verschwunden. Aber aus anderen Gründen als gesundheitlichen Aspekten oder der Befürchtung heraus, dass solche Kampagnen zusätzlichen Nährboden für Ess-Störungen schaffen können. Es wurde entfernt, weil sich via Shitstorm und einer eigenen Facebook-Kampagne sehr, sehr viele Frauen über den Sexismus der Werbung echauffierten.

Immerhin deutete das Plakat ja wenig zart an, dass man sich eigentlich nur mit einem mehr als perfekten Körper im Bikini an den Strand wagen sollte.

Womit die Macher des Plakats wohl nicht rechneten, war die Reaktion vieler Frauen: Die inspizierten daheim vor dem Spiegel ihren Körper und beantworteten die Frage "Are you Beach Body ready?" dann für sich und im Netz – gerne auch mit Beweisfoto - mit einem klaren "Yes! Each body is ready!". Lustige Fotos sind da zu sehen, Cartoons oder auch Bilder von Normalo-Frauen, die sich vor dem viel geschmähten Plakat im Bikini ablichten ließen.

Selten haben wir im Netz so viel weibliches Selbstvertrauen und so viel Zufriedenheit mit dem eigenen Körper gesehen. In diesem Sinne kann man sich für die Bikinimädchen-Reklame eigentlich nur bedanken: Thema verfehlt, zum Denken gebracht, gut gemacht!

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