Anzügliche Fotos: Ariane Friedrich wehrt sich gegen Belästigung

Ariane Friedrich veröffentlicht Stalker-Namen bei Facebook
Ariane Friedrich veröffentlicht Stalker-Namen bei Facebook © dpa, Boris Roessler

Ariane Friedrich wehrt sich öffentlich gegen Belästigung

Hochleistungs-Sportlerin Ariane Friedrich ist 28 Jahre alt, blond und attraktiv. Nun hat ein Mann der Hochspringerin eine anzügliche Email mit dem Foto seiner Genitalien geschickt. Daraufhin wehrte sich die Leichtathletin bei Facebook und postete seinen Namen und den Wohnort. Darf sie das?

Von Jutta Rogge-Strang

"Willst du mal einen schönen Schw*** sehen? Gerade geduscht und frisch rasiert." So lautete der Text zu der Mail, die Ariane Friedrich erhielt, im Anhang wohl das dazu passende Foto. Die Sportlerin trat die Flucht nach vorne an und antwortete öffentlich auf die Mail: "Nein Herr D*****, ich möchte weder ihr Geschlechtsteil noch die Geschlechtsteile anderer Fans sehen!" Verständlich eigentlich. Allerdings gibt es viele Menschen, die Ariane Friedrichs Reaktion kritisch sehen. Vielleicht war es gar nicht Herr D., der die Email geschickt hat. Vielleicht war es ein Hacker? Vielleicht hat jemand einen falschen Account angelegt? Aber vielleicht war es eben auch doch Herr D.!

Natürlich hat Ariane Friedrich, die im bürgerlichen Beruf Polizeikommissarin ist, auch Anzeige erstattet. Nun wird untersucht, wer die anzügliche Mail geschickt hat. Kritiker vergleichen die Veröffentlichung des Namens allerdings schon mit dem 17Jährigen aus Emden, der als Täter in einem Mädchenmord verdächtigt wurde und beinahe von der Menge gelyncht worden wäre. Der Mörder war er aber nicht. Wer muss also geschützt werden? Das Opfer, der Täter, der Verdächtige?

Ariane Friedrich ist es schlicht leid: "Ich bin nicht mehr bereit, mich doppelt zum Opfer zu machen und stets zu schweigen." Die meisten Kommentare der Fans unterstützen Frau Friedrich bei ihrer Aktion. In Deutschland wird allerdings gerne mehr über die Täter als über die Opfer nachgedacht. Und wer schon einmal von einem Stalker verfolgt oder belästigt wurde, kann leicht nachvollziehen, dass sich das Objekt der Begierde aktiv wehren will. Mehr als 2.000 Usern gefällt die Facebook-Aktion der Sportlerin, mehr als 1.000 Menschen diskutieren auf der Internet-Plattform darüber.

Ist Selbstjustiz hier angebracht?

Da sind alle Argumente vertreten – von Mut machenden Weiter so-Kommentaren bis hin zu Nazi-Vergleichen und Selbstjustiz-Vorwürfen. In der Tat wäre es dramatisch, wenn ein Falscher verdächtigt würde. Welche Macht das Internet hat, wurde ja bereits auf einer Mobbing-Seite deutlich, wo sich Jugendliche und Schüler gegenseitig angepöbelt haben – bis hin zur Selbstmord-Gefahr.

Dass sich allerdings jemand aktiv wehren möchte, ist verständlich. Eine schwache Frau nutzt das Internet, um einen Mann, der sie belästigt, anzugreifen – eigentlich alles richtig gemacht! Ob es allerdings wirklich der Richtige ist, wird sich erst noch zeigen. Falls nicht, dürfte es die betreffende Familie künftig schwer haben. Falls es der Richtige ist, ebenfalls. Im Schutze der vermeintlichen Anonymität perverse Mails verschicken ist weder mutig noch schlau. Aber vielleicht ist der kurze Gedanke und der schnelle Klick lustvoll. Da Frau Friedrich offenbar schon öfter ähnliche Mail bekommen hat, ist ihr wohl einfach mal der Kragen geplatzt.

Auch andere weibliche Promis berichten von solchen Emails. Aber hinter dem Promi steht immer der Mensch, der dermaßen attackiert wird und der irgendwann die Reißleine zieht. Auch Ariane Friedrich hatte einfach die Nase voll.

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