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Anti-Baby-Pille als Lifestyle-Produkt: Risiken werden häufig unterschätzt

So funktioniert die Antibabypille!
So funktioniert die Antibabypille! Das passiert bei der Einnahme im Körper 00:03:12
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Anti-Baby-Pille als Schönheitsprodukt: gefährlicher Trend

Die Anti-Baby-Pillen der so genannten neuen Generation sind schon seit einigen Jahren in der Kritik. Sie werden von den Pharma-Unternehmen als Schönmacher und Lifestyle-Produkte angepriesen, versprechen den Frauen glänzendere Haare und schönere Haut, sind aber wegen ihrer erhöhten Nebenwirkungen umstritten. Dennoch werden sie in Deutschland häufiger verschrieben als die älteren Produkte.

Von Christiane Mitatselis

Eine Studie der Techniker-Krankenkasse namens „Pillenreport“ kommt zu dem Ergebnis, dass „Präparate der sogenannten dritten und vierten Generation häufig ein wesentlich größeres Risiko für die Bildung von Thrombosen (Blutgerinnseln) haben als die Pillen der zweiten Generation.“

Unterscheidung der Pillen

In Anti-Baby-Pillen hemmt Östrogen die Follikelreifung, Gestagen verhindert die Befruchtung und das Einnisten der Eizelle. In der ersten Generation enthielten Pillen einen höheren Anteil des synthetischen Östrogens Ethinylestradiol. Es wurde in der zweiten Pillen-Generation gesenkt, um das Thrombose-Risiko zu mindern. In der der dritten und vierten Generation werden künstliche Gestagene wie Gestoden oder Desogestrel und Drospirenon verwendet, die nachweislich mit höherem Thrombose-Risiko behaftet sind als die Medikamente mit dem älteren Gestagen Levonorgestrel.

Sie versprechen Frauen, sozusagen als erwünschte Nebenwirkung, schönere Haut und Haare. Dabei wurde schon vor zehn Jahren von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA nachgewiesen, dass die Präparate mit den neuen Gestagenen häufiger als die Vorgänger zum Verschluss der Lungen-Blutgefäße führen. Trotz der gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen werden diese Pillen von deutschen Ärzten häufiger verordnet als die älteren Präparate, die genauso sichere Verhütungsmittel sind.

Die Anti-Baby-Pille als Lifestyle-Produkt

Das Perfide an der Sache: Bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres werden die Kosten für die Pille von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Laut „Techniker Krankenkasse“ bleiben junge Frauen der einmal ausgewählten Pille in der Regel über viele Jahre treu. Sie sind also sehr begehrte Konsumentinnen. Das Marketing der Pharmaindustrie richtet sich deshalb besonders an sehr junge Kundinnen.

Da für verschreibungspflichtige Medikamente nicht geworben werden darf, bringen die Firmen ihre Produkt-Botschaften gern über Informationsportale an die junge Frau. Oder über Facebook-Seiten wie „Liebesleben“, die von Jenapharm stammt. Es wird auf das Thrombose-Risiko zwar hingewiesen, im Vordergrund stehen aber die positiven Effekte.

Schönheit vor Gesundheit?

Ist Schönheit wichtiger als die Gesundheit? Lieber ein Blutgerinnsel, das, wenn es im Gehirn auftritt, zu einem Schlaganfall führen kann, als fettige Haare und ein paar Pickel? Wenn junge Patientinnen schon nicht so weit denken, müssten es doch die Ärzte tun. Und auch Eltern, die bei unter 18-Jährigen ein Mitsprache-Recht bei verschreibungspflichtigen Medikamenten haben, sollten aufmerksam sein. Schon mit 13 oder 14 Jahren fangen Teenagerinnen schließlich an, die Pille zu nehmen.

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