HAUTPFLEGE

Anti-Aging-Creme: Wer zu früh cremt, schädigt die Haut

Das Beauty-ABC: So wirken Antioxidantien
Das Beauty-ABC: So wirken Antioxidantien Kleine Moleküle mit großer Anti-Aging-Wirkung 00:02:10
00:00 | 00:02:10

Wenn 20-Jährige gegen Falten cremen

Anti-Aging-Kosmetik liegt voll im Trend. Mit speziellen Wirkstoffen will sie die sichtbaren Zeichen der Hautalterung bekämpfen. Gezieltes Gegen-Cremen könnte man das nenen - und damit kann man nicht früh genug anfangen, oder? Falsch! Wissenschaftler warnen: Wer schon in jungen Jahren zu Anti-Aging-Cremes greift, wirft nicht nur Geld zum Fenster hinaus, sondern schädigt unter Umständen sogar seine Haut! Frauenzimmer.de hat nachgefragt: Wann sind Anti-Aging Cremes schädlich?    

Anzeige
Anti-Aging-Creme
Nicht immer tut man sich mit der Anti-Aging-Creme etwas Gutes © Lars Zahner - Fotolia, Lars Zahner

Von Heike Elisabeth Schmidt

Immer mehr junge Frauen greifen heute zu Cremes, deren Wirkstoffe eigentlich die Krähenfüße und schlaffen Wangen reifer Haut bekämpfen sollen. Einer Studie zufolge verwendet ein Drittel der Frauen unter 25 Jahren Produkte, die eigentlich für 40-Jährige entwickelt wurden. Dabei setzt die natürliche Hautalterung frühestens ab dem 30. Lebensjahr ein. Und erst dann hat aktives Anti-Aging mittels Kosmetik überhaupt Sinn.

Scarlett Johansson ist eine prominente Vertreterin der jungen Anti-Ager. Im zarten Alter von 20 Jahren gestand sie: "Ich verwende bereits Anti-Aging-Produkte. Es fällt mir schwer, mich selbst nicht unter Druck zu setzen. Jeder in Hollywood ist einfach so verdammt schön."

Falsche Cremes lassen die Haut altern

Wie der bildhübschen Schauspielerin geht es vielen jungen Frauen. Schon allein der Gedanke an die ersten Fältchen lässt sie in aktionistisches Cremen verfallen. Schließlich kann man wohl kaum zu früh damit anfangen, den Alterungsprozess der Haut zu verlangsamen. Denn sind sie erstmal da, die Falten, ist es zu spät, oder? Dieser Gedanke ist nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich für die Gesundheit unserer Haut.   

Bestenfalls sorgen Anti-Aging-Cremes auf junger Haut dafür, dass das Portemonnaie an Spannkraft verliert. Im schlimmsten Fall aber kann der Wunsch, die Jugendlichkeit der Haut schon möglichst früh durch spezielle Anti-Aging-Wirkstoffe zu konservieren, dazu führen, dass sie nicht langsamer, sondern schneller altert. Die Gründe dafür sind unterschiedlich:

Junge Haut: Sperrzone für Retinoide und AHAs

Zunächst einmal sind Cremes, die für ältere Haut entwickelt wurden, meist sehr reichhaltig. Sie enthalten Öle oder Fette, die auf der Haut einer jungen Frau bewirken, dass der Schweiß nicht mehr aus den Poren treten kann. Die verstopften Schweißdrüsen entzünden sich dann und häßliche, juckende Pickelchen sind die Folge.

Während diese Art von Infektion nur vorübergehend ist und normalerweise durch ein Antibiotikum kuriert werden kann, können die Auswirkungen anderer Anti-Aging-Wirkstoffe auf junge Haut viel schwerwiegender sein. Der englische Dermatologe Dr. Nick Lowe warnt vor Cremes, die eine hohe Konzentration von Retinoiden (einer Vitamin A-Form) und Alpha-Hydroxy-Säuren (kurz: AHAs) enthalten. Diese Substanzen sind in vielen Anti-Aging-Produkten enthalten, weil sie die Zellerneuerung beschleunigen, so der Mediziner in einem Interview. Ein Prozess, der mit zunehmendem Alter immer langsamer abläuft. Deshalb haben diese Stoffe in Cremes für ältere Haut durchaus ihre Berechtigung.  

Doch junge Haut braucht diese "Zell-Beschleuniger" nicht. Ihre Zellen erneuern sich schnell genug. Zudem ist sie wesentlich empfindlicher als ältere. Substanzen wie Retinoide oder AHAs können die natürliche Fähigkeit der Haut, Wasser zu speichern, empfindlich stören. Rötungen, Juckreiz und schuppige Stellen sind dann die Folge. Meist verschwinden diese Symptome wieder, sobald die Creme abgesetzt wird. Doch manchmal muss die junge Verwenderin mit anderen Cremes dagegen angehen. Das heißt, sie gibt noch mehr Geld aus, um die Haut wieder in ihren Normalzustand zu versetzen.

Gefahr: Langfristige Sonnenschäden

Doch neben diesen unangehmen Auswirkungen auf die Oberfläche der Haut, kann falsch verstandene Hautpflege auch die tieferen Schichten der Haut schädigen. Durch AHAs und Retinoide wird die äußere Hautschicht dünner und damit lichtempfindlicher. Da junge Haut naturgemäß schon dünner ist als ältere, kann dies dazu führen, dass selbst normale Sonneneinstrahlung die Zellen schädigt. Dadurch handelt man sich dann genau das ein, was man eigentlich verhindern wollte: Vorzeitige Hautalterung! Altersflecken, unregelmäßige Pigmentierung und sogar Falten können die Folge sein.

   

Erfolgreiches Anti-Aging für junge Frauen kommt sehr gut ohne chemische Substanzen wie Retinoide und AHAs aus. Dermatologen raten: Verzichten Sie auf das Solarium, rauchen Sie nicht und verwenden Sie eine Tagescreme mit Lichtschutzfaktor 15 aufwärts. Darüber freut sich Ihre Haut viel mehr als über eine Creme, die eigentlich für Ihre Mutter entwickelt wurde!