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Angst vor Terror: Warum empfinden wir dieses dumpfe Gefühl der Überforderung?

Angst vor Terror - was macht das mit uns?

Was macht die Angst mit uns? Und was machen wir mit unserer Angst?

Ein zarter Raureif hat sich auf unsere Gemüter gelegt. Kaum wahrnehmbar. Dünn genug, um den Alltag weiterzuleben, sich über den Chef zu ärgern, mit der Freundin zu lachen und zu lästern und im Lieblings-Café eine leckere Chai Latte zu genießen. Und dennoch dicht genug, um spürbar zu bleiben. Die Staatsoberhäupter, die Sicherheitskräfte, die Vorsitzenden von Sportverbänden oder auch die Veranstalter großer Events stehen in diesen Tagen vor schwerwiegenden Entscheidungen. Wir müssen mit dem Eishauch auf unseren Herzen leben.

Ursula Willimsky

Der Eishauch begleitet uns. Wenn wir mit einem Becher Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt stehen. Durch die Fußgängerzone bummeln. In den Zug steigen, um an einer Konferenz teilzunehmen oder die Oma zu besuchen. Oder wenn wir mit der Clique zum lange geplanten Wochenend-Trip in die angesagte Großstadt aufbrechen. Sollen wir zulassen, dass ein latentes Gefühl einer möglichen Bedrohung uns daran hindert, all diese liebgewonnenen Dinge und Rituale weiter zu genießen? Weil die Welt eine andere ist als noch vor zwei Wochen? Oder jetzt erst recht das machen, was bisher auch zu unserem Leben gehörte?

Trend zum 'Cocooning'

Unsere Empfindungen pendeln zwischen diesen beiden Polen. Was macht die Angst mit uns? Was sollen wir mit unserer Angst machen? Wohl jede beantwortet diese Frage für sich ein bisschen anders. Manche verfolgen auf dem Handy parallel mehrere News-Blogs. Andere vermeiden jede Nachrichtensendung, weil sie all die Details gar nicht wissen, ertragen wollen. Mit der Angst oder der Nachrichtenlage umzugehen ist eine sehr private, persönliche Entscheidung.

In Zeiten der Krise oder nach schweren Anschlägen nehmen Forscher oft einen verstärkten Trend zum Cocooning wahr. Man igelt sich zu Hause ein, besinnt sich auf traditionelle Werte, sagt ein Stück weit der Schnelllebigkeit und dem Wandel da draußen ade. Niemand weiß, wie die Gesellschaft – und damit jede von uns – auf längere Sicht auf die Ereignisse dieses Novembers reagieren wird. Trotz. Ohnmacht. Überforderung. Mut. Engagement. Rückzug. So vieles ist möglich und denkbar.

Wir wünschen uns, dass jede ihren Weg findet, mit ihrer großen Angst umzugehen – und auch mit all den kleinen Ängsten, die schon immer zum Leben gehörten. Denn eines hat sich unserer Meinung nach auch in den letzten Tagen nicht verändert: Die Welt da draußen und das Leben mögen uns mit vielen erschreckenden, verstörenden, beängstigenden Ereignissen konfrontieren. Vor allem aber sind sie eines: Sie sind wunderschön.

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