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Angst vor sexuellen Übergriffen: "Mädels, verteidigt eure Freiheit!"

Ängstliche Frau, umgeben von vielen Menschen.
Die Angst vor sexuellen Übergriffen steigt.

Verunsicherung vieler Frauen steigt

In den vergangenen Tagen wurde in Darmstadt das Schlossgrabenfestival veranstaltet, vier Tage lange feierten ungefähr 400.000 Leute die Musik. Darunter auch viele junge Frauen. Doch kam es hier offenbar erneut zu ähnlichen sexuellen Übergriffen wie in der Silvesternacht – bei der Polizei gingen 14 Anzeigen von jungen Frauen ein, die von Gruppen junger Männer umzingelt und dann begrapscht worden sein sollen.

Von Merle Wuttke

Mit solchen Vorfällen steigt wieder die Verunsicherung und viele Mädchen und Frauen fragen sich, ob sie unbeschwert zu Großveranstaltungen wie etwa demnächst zum Public Viewing während der Fußball-EM gehen können, und wie sie sich am besten gegen Grabsch-Attacken schützen können. Denn eins steht fest: Seit der Silvesternacht, in der in mehreren Städten Frauen Opfer sexueller Gewalt wurden, hat sich das Sicherheitsgefühl verändert. Das zeigt zum einen die stark angestiegene Zahl beim „Kleinen Waffenschein“ und auch die Nachfrage nach Blend-Taschenlampen, Pfefferspray und Schreckschusspistolen nahm rasant zu. Ebenso nach Selbstverteidigungskursen. Was aber können wir tun, wenn wir uns als Frauen draußen nach wie vor frei bewegen möchten, ohne äußerlich und innerlich aufzurüsten?

Erst einmal sollte man sich vielleicht klar machen, dass es diese Art von Übergriffen in abgeschwächter Form schon immer gab, diese meist aber im Gegensatz zu jetzt nur selten oder gar nicht zur Anzeige gebracht wurden. Dass sich das nach Silvester verändert hat und Frauen heute bereit sind, viel schneller zur Polizei zu gehen und Delikte zu melden, ist – so traumatisch die Nacht von Köln war – eine positive Folge. Denn nur so steigt die Sensibilität überall in der Gesellschaft für Vorfälle dieser Art. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass einem andere (Fremde) helfen, wenn sie solche Situationen beobachten.

Gemeinsam sind wir stark

Zweitens: Wir sollten uns nicht kleinmachen lassen, sondern mit Stärke und Selbstbewusstsein auftreten. Und: Was die anderen können, können wir schon lange. Sprich: Gemeinsam und in Gruppen auftreten. Zu zweit wird man eher hilflos sein, wenn einem zehn Typen gegenüberstehen. Also lieber mit Freundinnen losziehen und vorher unbedingt besprechen, wie man im Fall eines Übergriffs reagiert (die eine macht Bilder vom Täter, die andere ruft die Polizei, der Rest hilft und holt Hilfe).

Und vor allem sollten wir uns nicht länger von der Angst und Unsicherheit „auffressen“ lassen. Der kann man nur entgegentreten, wenn man sich nicht von ihr beherrschen lässt. Das hier ist unsere Freiheit, und die muss verteidigt werden – und das geht bestimmt auch ohne Pfefferspray.

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