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Angst vor der Schule: Spezielle Therapie hilft Schulverweigerern

Schulphobie muss nicht sein

Viele Jugendliche trauen sich nicht in die Schule, weil sie zu viel Angst vor ihren Mitschülern oder auch vor Lehrern haben. Die Kinder leiden oft lange unter Depressionen oder Mobbing, bevor sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Wir haben zwei Jugendliche getroffen, die wochenlang keinen Fuß mehr auf den Schulhof setzen konnten.

Hilfe bei Schulphobie
Endlich wieder Spaß an der Schule: Spielformen und spezielle Therapien helfen Kindern mit Schulphobie.

Aus Angst. Wegen Problemen mit Schülern und Lehrern. Wegen Versagensängsten. Die Gründe für die Angst vor dem Schulbesuch sind vielfältig. Und die Mauer zwischen den betroffenen Jugendlichen und der Schule wird immer größer. Doch die 17-jährige Nina macht nun den Weg frei. Sie konnte in der Schule nicht sprechen, hatte Angst vor ihren Mitschülern, den Lehrern - einfach vor allen. "Es ging in der fünften Klasse los. Ich hatte immer mehr Fehltage durch Kopfschmerzen, Bauschmerzen, und dann wurden es immer mehr Fehltage", sagt Nina.

Unzählige Arztbesuche und Klinikaufenthalte hat die Schülerin hinter sich. Die 17-Jährige hat emotionale Störungen und soziale Phobien. An einen normalen Schulalltag war nicht mehr zu denken. Wie auch bei Lukas. Der 14-Jährige wurde so sehr von seinen Mitschülern gemobbt, dass er sich sogar im Bad eingeschlossen hat - alles nur, um nicht zum Unterricht zu müssen.

Und das geht vielen Schülern so. Allein in der Fachklinik in Wangen im Allgäu, werden jährlich 300 Jugendliche wie Nina und Lukas ganz individuell therapiert, weil sie sich nicht zur Schule trauen. Dort gehen Sozialpädagogen, Psychologen und Bewegungstherapeuten auf die Probleme der Kinder ein. In einer angeschlossenen Schule sollen die Jugendlichen in kleinen Gruppen lernen, wieder regelmäßig zum Unterricht zu kommen.

"Wir haben Kinder, die sich nicht am Unterricht beteiligen. Wir haben aber auch Kinder, die verlassen den Unterricht - denn sie können am Anfang der Therapie einfach nicht teilnehmen", erklärt Schulleiter Stephan Prändl. In der therapeutischen Begleitung durch die Klinik können die Kinder die Ängste, die Hemmnisse vor dem gemeinsamen Lernen abbauen und sich wieder in die Gemeinschaft einbringen. Sie bekommen wieder Lust und Spaß am gemeinsamen Lernen.

Lukas und Nina sind, wie die meisten im Therapiezentrum, wochenlang zuhause geblieben - haben sich nicht mehr raus getraut. Doch jetzt sitzen sie wieder in einem Klassenraum und das ist für ihr weiteres Leben enorm wichtig. "Wir müssen hier eine Weiche fürs Leben stellen. Wir retten keine Leben im klassischen Sinne, aber wir retten vielleicht Lebensläufe", sagt Dr. Dirk Dammann, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Seitdem Lukas und Nina in der Klinik sind, haben sie keine Angst mehr vor Mitschülern. Sie fühlen sich wohl, auch weil sie so respektiert werden, wie sie sind. Beide haben neues Selbstbewusstsein getankt und freuen sich nun sogar auf ihren neuen Schulalltag. "Ich will auf jeden Fall den Hauptschulabschluss machen und versuchen, eine gute Ausbildung zu bekommen", sagt Lukas. Nina steht inzwischen kurz vor dem Realschulabschluss. Und das macht sie stolz.

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