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Angst um das Baby: Hilfe, ich bin ein Helikopter-Daddy

Angst um das Baby: Hilfe, ich bin ein Helikopter-Daddy
© dpa, Patrick Pleul

Wann ist endlich der nächste Ultraschall-Termin?

Vater zu werden macht erfinderisch. Seit vorletzter Woche tüftle ich an einer Baby-Alarm-App. Und die funktioniert so: Mutti in spe trägt einen Babybauchgurt, der die Herzfrequenz des Embryos auf das Smartphone überträgt. So sehen wir immer, ob unser Baby noch am Leben ist. Es macht sich ja nicht bemerkbar. Keine Tritte, keine Boxhiebe gegen die Bauchwand, nicht einmal Sodbrennen. Zumindest noch nicht, denn wir - meine Freundin Tini und ich - sind erst in der 17. Schwangerschaftswoche.

Von Sebastian Priggemeier

Auf die Idee zu der App bin ich gekommen, als Tini neulich mitten in der Nacht über fürchterliche Bauchkrämpfe in Kombination mit Übelkeit klagte. Sofort war ich hellwach. In meinem Kopf ploppten schlimme Begriffe auf: Schwangerschaftsvergiftung, Blutungen, Not-OP, Fehlgeburt. Mitten im ‚Kopfkarussell des Horrors’ erwischte ich mich bei dem Gedanken „Komm schon, Tini - die paar Krämpfe wirst DU locker überleben, aber was ist mit dem Baby? Hauptsache dem Kind geht es gut.“ Schlimm. Ganz schlimm. Fünf schlaflose Stunden später, gegen 7.30 Uhr, riefen wir die Frauenärztin an - mit der drängelnden Bitte um einen Blitz-Termin. Doch daraus wurde nichts. Frau Doktor reagierte gelassen: „Vielleicht ein Virus oder ein Infekt, jedenfalls kein Grund zur Sorge. Wir sehen uns in zwei Wochen zur nächsten Ultraschalluntersuchung.“

Zwei Wochen. Es ratterte in meinem Kopf. Das waren 14 Tage voller Sorgen. 336 Stunden Angst um das Ungeborene. 20.160 Minuten Ungewissheit. Schlägt das kleine Herzchen noch? Fuchtelt es noch munter mit den Armen? Trinkt es noch fleißig Fruchtwasser? Bitte, bitte. Die Ungewissheit machte mich fertig. Ich musste mit jemandem sprechen. Also vertraute ich mich Kollegin Camilla an. Sie reagierte verständnisvoll, aber anders als erwartet: Ja, für „supernervöse Eltern“ sei die Zeit zwischen den Vorsorgeuntersuchungen sicher ein Problem. Bäääm, Tiefschlag.

Nervös? Ich?! Das machte mich nachdenklich. Aus der Yellow Press erfuhr ich, dass ich nicht der einzige Mann bin, der sich mit solchen Gedanken herumschlägt: Hollywood-Star Tom Cruise hat sich einst ein Ultraschallgerät gekauft, um im Bauch von Katie Holmes regelmäßig nach Suri zu schauen. Ein Mann der Tat. Wow. Hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich in unserer Wohnung auch direkt eine Untersuchungsecke einrichten. Habe ich aber nicht. Bei mir reicht’s maximal zum Herztonmessgerät von Ebay. Oder eben zur kostengünstigen App.

Ultraschallbild mit #allesgut direkt zu Facebook

Zusammen mit Kumpel Paul - seines Zeichens werdender Vater im 7. Monat - verfeinerte ich die App-Idee beim Feierabendbier. In Gedanken reibe ich Tinis kugelrunden Babybauch jetzt schon mit kühlem Ultraschallgel ein, um mein iPhone wie einen Scanner darüber gleiten zu lassen - mit einem eigens entwickelten Ultraschall-Aufsatz. Auf dem Handy-Display zeichnen sich die Umrisse des Embryos ab. Per Screenshot geht das Bild zu Instagram und Facebook, Hashtag #allesgut. Der Bauchgurt funkt die Herztöne. Marktreif ist noch nix - ich tüftle noch.

Inzwischen ist klar, dass es dem Baby blendend geht. Die zwei Wochen bis zum Termin gingen doch schneller rum, als gedacht. Und die Frauenärztin hatte Recht. Camilla wohl auch. Es ist die Angst um das Baby, die erfinderisch macht. Ich bin ein Helikopter-Daddy, obwohl das Baby noch gar nicht auf der Welt ist. Wie soll das erst werden, wenn das Kind sein erstes Date hat? Moment, da müsste es doch eine App geben...

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