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Angelina Kirsch und Co.: Brauchen Best-Age- und Curvy-Models einen Extra-Applaus?

Angelina Kirsch startet als Curvy-Model durch
Angelina Kirsch startet als Curvy-Model durch Show-Star auf der 'Berlin Fashion Week' 00:02:50
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Die Modeszene durchläuft einen Wandel

Tosender Applaus, als Angelina Kirsch bei der 'Minx'-Show auf der 'Berlin Fashion Week' über den Laufsteg läuft. Der gilt nicht dem Outfit, das die 27-Jährige trägt, sondern ihr selbst. Denn das Model ist nicht nur sehr hübsch, sondern trägt Kleidergröße 42/44 - und hat damit Kurven wie eine ganz normale Frau. Endlich, sagen die einen. Warum, fragen sich die anderen.

Von Maike Nagelschmitz

Dass die Laufstege dieser Welt viele Jahre nur von Magermodels bevölkert wurden, ist die eine Wahrheit. Dass hier aber seit einiger Zeit ein Wandel sichtbar ist, die andere. Endlich! Aber eben auch: Warum? Dass während einer Fashion-Show, bei der eigentlich die Mode im Mittelpunkt stehen sollte, Applaus ertönt, nur weil eine kurvige Frau den Laufsteg betrifft, hat nämlich auch einen etwas kuriosen Touch. Es ist aber gleichzeitig natürlich kein Wunder.

Denn Curvy-Models sind dank Plus-Size-Größen wie Ashley Graham und Robyn Lawley zwar in der Werbung immer öfter vertreten, aber auf dem Laufsteg noch ein eher seltener Anblick. Genau wie Best-Age-Models, mit denen Modeketten wie 'H&M' auf Plakaten und in Katalogen werben, die aber auf Laufstegen eher selten zu finden sind. Noch!

"Hier sind auch WIR gefragt, wir alle!"

Die momentane Entwicklung macht deutlich, dass Schönheit eben nichts mit dem Alter oder der Konfektionsgröße zu tun hat. Ebenso wie Stil. Es geht um Charakter. Darum, sich in seiner Haut wohlzufühlen und seine Persönlichkeit mit dem eigenen Kleidungsstil zu unterstreichen.

Labels wie 'Minx' oder 'Riani' haben das schon vor einiger Zeit erkannt. So gehört Angelina Kirsch nicht erst seit dieser Saison zur Stammbesetzung von Eva Lutz‘ 'Minx'-Show. "Minx ist so vielfältig wie die Frauen, die uns tragen, und das wollen wir auch hier in Berlin immer zeigen", so die Designerin. Auch das deutsche Modelabel 'Riani', das im Januar schon mit Models wie Olivia Jones die Einzigartigkeit feierte, schickte jetzt zwei Best-Age-Models über den Laufsteg. Die Folge: Tosender Applaus für und positive Berichte über diese tollen Models - natürlich auch von uns.

Ich würde mir wünschen, dass in naher Zukunft bei Fashion-Shows geklatscht wird, weil einem die Kreationen gefallen. Denn zum jetzigen Zeitpunkt richtet sich das Augenmerk doch sehr stark darauf, WER die Mode präsentiert.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Auch ich freue mich über diese Entwicklung - und ich denke auch, dass es sogar nötig ist, den Fokus auf die 'neuen' Models zu legen. Aber nur für eine gewisse Zeit. Sonst kippt aus meiner Sicht das Gleichgewicht. Denn nicht nur kurvige und ältere Models sind normal, sondern eben auch eher androgyne Frauen, 19-Jährige Mädchen oder Models mit Durchschnittsgröße 38.

Wünschenswert wäre, dass irgendwann gar nicht mehr darüber berichtet werden muss, dass bei der einen Show Curvy-Models über den Laufsteg geschickt werden und bei der anderen ältere Models, weil es dann eben nichts Besonderes mehr ist. Einfach über Mode, die Spaß macht - präsentiert von Models unterschiedlichen Alters und verschiedener Konfektionsgrößen.

Und hier sind auch WIR gefragt, wir alle. Die Berichterstattung der Medien, die Darstellung in der Werbung, aber auch unser privater Umgang mit anderen Menschen. Denn wie Mahatma Gandhi schon treffend sagte: "Wir selbst müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen."

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