Angela Merkel: Darum wurde sie wieder zur mächtigsten Frau der Welt gekürt

Angela Merkel spricht zum Publikum.
Angela Merkel ist laut dem 'Forbes'-Magazin die mächtigste Frau der Welt. © dpa, Gregor Fischer

So viele einflussreiche Politikerinnen wie nie

Angela Merkel ist mal wieder und immer noch die mächtigste Frau der Welt. Zum sechsten Mal in Folge hat 'Forbes' sie auf Platz eins der Liste "The World´s Most Powerful Women" gewählt. Irgendwie erstaunt uns das wenig: Wer sonst hätte in diesem Jahr die Spitzenposition einnehmen sollen? Hillary Clinton (noch Platz 2)? Schon mal prophylaktisch-schwarzmalerisch Melania Trump? Hmmm. Sagen wir mal so: Noch freut es uns, dass wir die mächtigste Frau der Welt als Chefin haben.

Von Ursula Willimsky

Nächstes Jahr hätten wir dann aber nicht unbedingt etwas dagegen, wenn Hillary Clinton diesen Platz einnehmen würde. Denn das schafft sie vermutlich nur, wenn sie US-Präsidentin wird. Als die Frau, die gegen Donald Trump verloren hat, wird sie Angie nicht von Platz eins kicken.

Im Vorfeld war Clinton bereits in diesem Jahr häufig als künftige Nummer eins der Powerfrauen dieser Welt gehandelt worden. Angela Merkels erneuter Spitzenplatz kam für manche ein bisschen überraschend.

Der Joker „Ich bin eine der wenigen Frauen, die ein Land regieren“ allein zieht nicht mehr:

Seit 2005 hat sich die Zahl der Frauen in Regierungsverantwortung mehr als verdoppelt. Allein im letzten Jahr entschieden sich sechs Staaten - Taiwan, Myanmar, Nepal, Kroatien, Mauritius und Litauen – dafür, lieber von einem Menschen im Business-Kostüm als im grauen Anzug regiert zu werden. Inzwischen tragen sogar so viele Frauen politische Verantwortung, dass 'Forbes' sich gezwungen sah, seine Auswahlkriterien zu ändern. Um Platz für all die einflussreichen Politikerinnen zu schaffen, kickte das Magazin die komplette Celebrity-Kategorie (Angelina Jolie, Taylor Swift) aus seiner Liste.

Nicht schlecht, oder? Diese Neugestaltung ist ja auch ein Zeichen dafür, dass die Welt sich ändert und in immer mehr Schaltzentralen der Macht – egal ob nun politisch oder wirtschaftlich - Frauen das Sagen haben. Und an deren Spitze wiederum steht, zumindest nach Meinung des 'Forbes'-Magazins, unsere Angela.

Hinter ihr tummeln sich auf der Liste wichtige Persönlichkeiten wie Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank (Platz 3), Melinda Gates (Platz 4), Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (Platz 6) oder auch Facebook-CEO Sheryl Sandberg (Platz 7). Ernstzunehmende Konkurrenz für Frau Merkel gab es also durchaus.

Nicht jedem wird die Begründung gefallen

Aber 'Forbes' blieb Fan von Mrs Chancellor. Das hatte sich bereits im November 2015 gezeigt: Da verdrängte Merkel in der geschlechtsunabhängigen Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt sogar US-Präsident Barack Obama von Platz zwei. Zu Platz eins hat es aber nicht gereicht: Den behauptet Vladimier Putin für sich.

Bleibt die Frage: Was genau finden die 'Forbes'-Experten an Angela so amazing? Schon 2015 und auch jetzt ist es ein ganzes Bündel an politischen Maßnahmen, für die diese Frau steht.

Ein kleiner Auszug aus der langen Liste, die 'Forbes' an Merkel so toll findet: „Wenn es eine Führungspersönlichkeit gibt, die fähig ist, den existenziellen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen zu trotzen, mit denen sich die Europäische Union an den Rädern und im Kern konfrontiert sieht, dann ist es die deutsche Kanzlerin Angela Merkel“, schreibt das Wirtschaft-Magazin auf seiner Web-Site. Als Stichworte nennt 'Forbes' Merkels Griechenland- und Spanienpolitik. Dazu kommen Konjunkturpakete und Subventionen im eigenen Land aber auch militärische Einsätze. Und nicht zuletzt und vor allem: Merkels Flüchtlingspolitik. In der sieht das Magazin gar ihren „kühnsten Akt“. Sie habe Deutschlands Grenzen für über eine Million Einwanderer aus Syrien und anderen muslimischen Ländern geöffnet – und so ihre Macht mit der ungewöhnlichsten aller geopolitischen Strategien ausgeübt: Mit purem Humanismus.

Schon klar: Viele dieser hochgelobten Entscheidungen sind umstritten. Sie gefallen nicht jeder. Nicht jede mag darin eine wirklich große Tat sehen, manche wünscht sich vielleicht, Merkel hätte sich beim ein oder anderen Punkt für eine andere Vorgehensweise entschieden. Aber unabhängig davon, wie man Merkels Politik persönlich beurteilt, eines muss man wohl wertneutral zugeben: Diese Frau steht für große Weichenstellungen und hat damit durchaus den Platz an der Spitze der „Most Powerful Women“ verdient. Wie gesagt: Bis nächstes Jahr. Dann könnten wir uns durchaus wünschen, dass das bisherige Führungs-Duo die Plätze tauscht…

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