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Aneurysma: Symptome und Behandlung

Während der Operation eines Aneurysmas war es bei Sportmoderatorin Monica Lierhaus zu Komplikationen gekommen.
© dpa, A2902 Achim Scheidemann

Was ist ein Aneurysma?

Während der Operation eines Hirn-Aneurysmas war es im Januar 2009 bei Sportmoderatorin Monica Lierhaus zu Komplikationen gekommen. Die Sportmoderatorin erlitt eine Hirnblutung, die so schwere Folgen hatte, dass die beliebte Moderatorin monatelang in ein künstliches Koma versetzt werden und alltägliche Dinge wie Laufen oder Sprechen wieder von Grund auf neu lernen musste. Aber wie entsteht ein Aneurysma? Was sind die typischen Symptome? Und welches ist die richtige Behandlungsmethode?

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Viele Menschen haben den Begriff Aneurysma schon einmal gehört, aber die wenigsten wissen, was genau sich dahinter verbirgt. Ein Aneurysma ist eine sackartige Gefäßerweiterung einer Arterie. Ursache dafür ist eine angeborene Schwäche der Zellen der Gefäßinnenwand. Da eine solche Ausbuchtung der Arterie nicht über die normale Muskelschicht der Arterienwand verfügt, stellt sie eine Schwachstelle der entsprechenden Arterie dar. Daher besteht die Gefahr, dass das Aneurysma reißt.

Die Größe der Aneurysmen liegt zwischen 5 und 30 Millimetern. Bei etwa einem Fünftel der Betroffenen bildet sich mehr als ein Aneurysma. Bei größeren Aneurysmen, etwa ab 10 Millimetern, ist die Gefahr, dass die Gefäßwand aufreißt, größer als bei kleineren Aneurysmen.

Besonders riskant sind Aneurysmen in herznahen Blutgefäßen oder auch im Gehirn. Wenn sie reißen, können sie zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen. Je größer der Durchmesser des Aneurysmas ist, desto größer ist dieses Risiko: Der Druck auf die Gefäßwand nimmt nämlich mit dem Durchmesser ebenfalls zu. Aneurysmen der vom Herzen weiter entfernten Gefäße sind teilweise mit Blutgerinnseln gefüllt. Diese Gerinnsel können sich durch bestimmte Bewegungen lösen und zu Gefäßverschlüssen führen (Embolie). Am häufigsten treten Aortenaneurysmen auf. Dabei handelt es sich um die Ausweitung der

Hauptschlagader. Darunter leiden etwa drei Prozent aller Menschen.

Was sind die Ursachen? Und was sind typische Symptome?

Aneurysmen treten meist bei älteren Menschen auf. Als Risikofaktoren und häufigste Ursache gelten Bluthochdruck und Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Seltener können aber auch Infektionen der Auslöser sein. Dazu zählen so unterschiedliche Erkrankungen wie Grippe, rheumatisches Fieber oder Eiterherde im Körper. Denn Infektionen und

Entzündungen an der Arterie können eine Erweiterung der Gefäße nach sich ziehen. Aneurysmen können familiär gehäuft auftreten.

Aneurysmen der Herzwand entstehen in der Regel durch Herzinfarkte. Aber auch Parasiten-Erkrankungen, wie beispielsweise die Chagas-Krankheit, kann zur Zerstörung der Herzmuskelzellen führen, in deren Folge ein Aneurysma enstehen kann.

Über 90 Prozent der Hirn-Aneurysmen kommen im Bereich der Hirnbasis-Gefäße des Circulus arteriosus cerebri (oder Circulus arteriosus Willisii) vor. Meistens werden Hirnaneurysmen erst festgestellt, wenn sie geplatzt sind. Vorher machen sie häufig keine Beschwerden.

Als frühes Zeichen für ein Aneurysma treten oft wiederkehrende Kopf- und Gesichtsschmerzen auf, die sich auf einen begrenzten Bereich beschränken. Wenn das Aneurysma noch nicht geplatzt ist, kann es durch seine Größe auf Hirnnerven drücken. Dabei kommt es insbesondere zu Seheinschränkungen, Augenmuskellähmungen, Sehen von Doppelbildern und Gesichtsfeldausfällen.

Wie kann ein Aneurysma diagnostiziert werden?

Häufig werden Aneurysmen bei Routine-Untersuchungen entdeckt
© deutsche presse agentur

Vielfach werden Aneurysmen zufällig im Rahmen einer Routine-Untersuchung diagnostiziert. Das liegt daran, dass in vielen Fällen keine Beschwerden bestehen, die den Betroffenen dazu veranlassen, einen Arzt aufzusuchen. Bei entsprechenden Symptomen kann das Vorliegen eines Aneurysmas aber auch gezielt untersucht werden. Der direkte Nachweis eines Aneurysmas mit Hilfe eines Computertomogramms gelingt nur, wenn das Aneurysma sehr groß ist. Deshalb wird häufiger eine Magnetresonanztomographie (MRT) angewandt. Dieses Verfahren ist empfindlicher und kann auch kleinere Aneurysmen darstellen.

Eine Angiographie zeigt auch kleine Aneurysmen. Vor einer Operation, die in jedem Fall bei einer Ruptur (Reißen) erforderlich ist, muss eine Angiographie aller Hirngefäße durchgeführt werden. Das ist notwendig, damit auch sehr kleine Aneurysmen gefunden werden. Auch, wenn mehrere Aneurysmen vorliegen, ist eine Angiographie das wichtigste diagnostische Mittel.

Was ist die richtige Therapie?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Aneurysma zu behandeln: Hat ein Aortenaneurysma einen kleinen Durchmesser oder ist ein mögliches Operationsrisiko zu hoch, kann der Arzt das Aneurysma konservativ (also ohne Operation) behandeln.

Bei einem großen Durchmesser und wenn die Gefahr besteht, dass es sich vergrößert, muss ein Aneurysma operativ behandelt werden. Hierbei ersetzt der Chirurg den erweiterten Gefäßabschnitt durch eine Gefäßprothese.

Für die Behandlung von Aneurysmen der Hirngefäße stehen zwei verschiedene operative Eingriffe zur Verfügung, das Clipping und die Platin-Coils. Eine andere Möglichkeit, ein Aneurysma sicher "auszuschalten", gibt es nicht. Ziel einer Operation ist es, die Gefäßaussackung aus dem Blutkreislauf herauszunehmen.

Die herkömmliche Methode einer Operation bestand darin, bei einer offenen Gehirnoperation auf den Hals des Aneurysmas einen Clip auszusetzen, der den Blutzustrom in die Aussackung vollständig unterbindet. Dieser Clip funktioniert ungefähr so wie eine Klammer und ist, wenn es gelingt, die richtige Stelle am Hals des Aneurysmas zu treffen, eine sichere Methode, ein Aneurysma auszuschalten.

Nachteil der Methode ist, dass Aneurysmen, die schlecht zugänglich sind, nicht erreicht werden. Außerdem müssen beim Clipping häufig kleine Gefäße, die sich in der näheren Umgebung des Aneurysmahalses befinden, mit abgeclippt werden. In diesem Fall wird das Gehirngewebe, das durch diese kleinen Gefäße versorgt wurde, von der Blutzirkulation abgeschlossen.

Und um an das betroffene Hirngebiet heranzukommen, braucht der Chirurg ein offenes Operationsfeld. Dazu muß ein Teil des Gehirns mit Hilfe von Spateln zur Seite gehalten werden. Das bedeutet eine erhebliche Belastung, die das Operationsrisiko erhöht. Dies alles macht deutlich, wie kompliziert eine solche Operation ist und wie viele Komplikationsrisiken sie birgt.

Einem Aneurysma können Sie nur bedingt vorbeugen. Da Rauchen das Risiko einer Arteriosklerose erhöht und zu viel Alkohol den Blutdruck steigen lässt, sollten Sie auf Nikotin und Alkohol nach Möglichkeit verzichten. Auch Übergewicht und zu hohe Blutfettwerte bergen ein Risiko.

Generell trägt aber ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung dazu bei, Gefäßerkrankungen wie ein Aneurysma zu verhindern. Zudem sollten Sie Bluthochdruck rechtzeitig behandeln.