Ananda Marchildon erklagt sich Recht auf Hüftspeck

Ananda Marchildon hatte zu viel Hüftumfang

Es ist eine hübsche Nachricht zum heutigen Weltfrauentag. 92 Zentimeter Hüftumfang müssen auch in der Model-Welt nicht zu viel sein – so urteilte jedenfalls ein Gericht in Den Haag. Der Hintergrund: Ananda Marchildon (25), Siegerin einer niederländischen Model-Show, hatte die Agentur Elite verklagt, die ihr keine Aufträge mehr zukommen ließ, da sie mit ihrem Hüftumfang mit 92 Zentimetern angeblich nicht vermittelbar war – bei einer Größe von 1,80 Meter.

Ananda Marchildon erklagt sich Recht auf Hüftspeck
© picture-alliance / Robert Stroy, ANP Photomania

Von Christiane Mitatselis

Marchildon erhält nun 65.000 Euro von der Agentur. Sie hatte einen mit garantierten 75.000 Euro dotierten Vertrag gewonnen, wegen ihres „fetten Hinterns“ bekam sie aber nur Jobs für 10.000 Euro. Und wurde dann gekündigt. Nun kriegt sie nicht nur Geld, sondern auch frische Publicity, die ihre Karriere sicher ankurbeln wird. Zumal sie für eine Unterwäsche-Firma posiert, auf den Fotos ist eindeutig zu erkennen: Ihr Hinterteil ist ganz bestimmt nicht zu fett, aber immerhin überhaupt vorhanden. Und das unterscheidet sie erfreulich von der Mehrheit der sehr knabenhaften Laufsteg-Models.

Ananda Marchildon Fall macht Mut

Das Urteil aus Den Haag wird sicher nicht dazu führen, dass fortan rudelweise Frauen mit runden Hüften über die Laufstege in Paris, Mailand oder New York stolzieren. Diese Models leben in einer Parallel-Welt – Lichtjahre entfernt, von der normalen Frau, die in Deutschland im Schnitt 1,67 Meter groß ist, einen Hüftumfang von fast 103 Zentimetern hat und Größe 40 bis 42 trägt.

Die Designer wünschen sich für ihre Präsentationen genormte, wandelnde Kleiderständer, denen in Größe 34 alles passt, bei denen an keiner Stelle etwas zwackt. Es ist einfacher, Klamotten schnell ein bisschen enger zu nähen oder zu stecken, als sie weiter zu machen. Auf dem Laufsteg wird somit 90/60/90 die magische Formel bleiben, mindestens 1,75 Meter müssen die Damen zudem messen, besser ein paar Zentimeter mehr.

Man kann nun ausführlich darüber jammern, dass die dürren Klappergestelle zwar in der Minderheit sind, trotzdem das Schönheitsideal bestimmen – und normale Frauen in den Schlankheitswahn treiben. Man kann es aber sein lassen, sich gönnerhaft zurücklehnen und es so sehen: Lange, dürre Mädchen sind nicht per se schöner als Frauen mit mehr Form. Im Gegenteil: Im normalen Leben sehen sie oft unscheinbar aus. Sie werden in der Schule als Giraffen oder Bohnenstangen gehänselt, bekommen keine guten Jungs ab und haben deshalb oft Komplexe. Und es ist doch schön, dass es auch für sie ein Betätigungsfeld gibt, in dem sie Anerkennung finden können.

Ähnlich wie Basketballspieler. Was wäre wohl aus dem 2,13-Meter-Mann Dirk Nowitzki ohne seinen Sport geworden? Vermutlich hätte er sich Leben lang unter seiner übertriebenen Länge gelitten. Muss er aber nicht, er ist in seiner Parallel-Welt ein bewunderter Star geworden. Genauso können die dürren Mädchen glücklich über die Laufstege klappern. Und es ist schön, dass das Gericht in Den Haag entschieden hat, dass ihre Maßstäbe nicht von allgemeiner Gültigkeit sind. 92 Zentimeter Hüftumfang sind ganz bestimmt nicht zuviel.

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