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Analytische Psychotherapie: Ursachen, Ablauf, Dauer

Analytische Psychotherapie: Ursachen, Ablauf, Dauer
Bei der analytischen Psychotherapie liegt man auf der Couch. © emiliau - Fotolia, EmiliaU

Was ist eine analytische Psychotherapie?

Die analytische Psychotherapie basiert auf Sigmund Freuds Theorie der Psychoanalyse und deren Entwicklung in den folgenden Jahren. Dazu gehören vor allem die Lehre von Carl Gustav Jung oder Albert Adler. Bei dieser Form der Psychotherapie handelt es sich um eine Langzeittherapie, die tatsächlich auf der berühmten Couch stattfindet. Der fehlende Blickkontakt mit dem Psychotherapeuten und die Entspannung sollen den Patienten dazu ermutigen, besonders offen und frei von sich zu erzählen.

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass dem Inneren eines Menschen Konflikte zugrunde liegen. Dass jeder Mensch beispielsweise eine ganze Reihe an verdrängten Ängsten, Gefühlen und Lebensereignissen in sich trägt, die ihn an gewissen Prozessen im Leben hindern, ihn blockieren. Dabei kann es sich zum Beispiel um verdrängte Schuldgefühle wegen eines Ereignisses in der Vergangenheit handeln oder um Schamgefühl, welches wir in unser Unterbewusstsein verdrängt und vergessen haben. All die verdrängten und unbewussten Emotionen und Erinnerungen, die wir in uns tragen, können zu psychischen Störungen, zu Depressionen, psychosomatischen Beschwerden oder Ängsten führen – und deshalb gilt es, sie in der analytischen Psychotherapie aufzudecken.

Ziel der Psychotherapie ist es, dass der Patient durch offenes Erzählen von seinen intimsten Gedanken oder Träumen von selbst diese Konflikte in seinem Inneren aufdeckt und aufarbeitet. Der Therapeut lenkt die Erzählung des Patienten nur, er verkündet keine Lösung oder eine Anleitung, die es zu befolgen gilt, um am Ende eine heile Psyche zu erlangen und ein harmonisches Leben zu führen.

Während der Aufarbeitung kommt es im Idealfall zu einem speziellen Verhältnis zwischen dem Patienten und dem Psychoanalytiker. Der Patient entwickelt plötzlich Gefühle für den Therapeuten, manchmal ist es auch das Gefühl von Verliebtheit. Das nennt man Übertragung. Der Analytiker ist dann eine Art leere Leinwand, auf die der Patient auf der Couch seine Emotionen projiziert. Das können Gefühle sein wie Angst, Wut, aber auch Liebe. Wichtig ist jedoch, diese nicht mit Gefühlen für den Analytiker als „Privatmensch“ zu verwechseln, denn sie gelten nicht ihm persönlich, sondern meist nur in seiner Funktion als Therapeut. Sie werden also lediglich in der Psychoanalyse aus dem Inneren nach außen gekehrt und erneut erlebt. Der Analytiker übernimmt dann emotional die Rolle des Vaters, der Mutter, des Traummannes, zumindest auf reiner Gefühlsebene – weil der Patient Situationen mit diesen Menschen mithilfe des Therapeuten noch einmal durchlebt.

Analytische Psychotherapie soll aufdecken

Damit wir den Analytiker als Projektionsfläche wahrnehmen können und nicht als Menschen wie du und ich, erzählt er nichts von sich. Im Idealfall ist er auch über Jahre ein anonymer Mensch, dessen Privatleben wir nicht kennen und uns so auch kein Bild von ihm machen können. Natürlich ist er aber ebenso ein konfliktreicher Mensch wie seine Patienten, aber er muss sich mit seinen Gefühlen komplett zurückhalten, um uns die beste Behandlung zu bieten. Gerade in Übertragungssituationen kann es aber auch auf der Seite des Analytikers passieren, dass er Gefühle für seine Patienten entwickelt, auch Liebesgefühle. Das nennt man Gegenübertragung. Zum Schutz des Patienten wird er in solch einem Fall seinen Supervisor aufsuchen, um sich bei ihm Rat zu holen. Wie man sieht, ist die Psychoanalyse eine hochemotionale Sache – für beide Seiten.

Das Verdrängen und Vergessen im Unterbewusstsein lässt sich an einem schönen Bild erläutern: Stellen Sie sich die Entstehung einer Stadt vor. Über Jahrzehnte entwickelt sie sich, es kommen Gebäude hinzu, sie bekommt von allen Seiten, auch von Oben nach und nach Zuwachs. Und dann baut man eine U-Bahn-Linie. Man bohrt sich also durch das Fundament, durch die untersten und tiefsten Schichten. Dort entdeckt man oft allerhand, was das Herz des Archäologen hüpfen lässt: Längst Vergessene Bauten aus alten Zeiten, über die Jahre vergessen und verdrängt. Vielleicht sind einige davon auch die Ursache für ein nicht funktionierendes Abwassersystem der Stadt? Wer weiß das schon? Die Restauration beginnt und das Alte erscheint wieder im neuen Glanz, es wird sichtbar, kommt ans Licht. Das Wassersystem funktioniert plötzlich wieder, die Störungen sind behoben! Wäre das nicht ein perfektes Ergebnis einer Psychoanalyse?

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