Amazon-Streik: Kommen die Geschenke pünktlich an?

Weihnachtspost bloß nicht zu spät bestellen

Ausgerechnet jetzt! Kurz vor Weihnachten wird bei Amazon erneut gestreikt. An gleich sechs von neun Standorten in Deutschland haben Amazon-Angestellte die Arbeit für die kommenden drei Tage niedergelegt. Sie fordern Tarife, wie sie im Einzelhandel üblich sind. Amazon zahlt aber nur die niedrigeren Tarife der Logistikbranche und lehnt Verhandlungen ab. Ob Kunden dennoch pünktlich zum Fest ihre Lieferungen bekommen?

Amazon-Streik kurz vor Weihnachten
Kommt das Paket mit dem Weihnachtsgeschenk noch rechtzeitig? Der Amazon-Streik besorgt viele Menschen, die ihre Geschenke online kaufen. © dpa, Henning Kaiser

Der Online-Versandhändler verspricht, dass die Weihnachtspost pünktlich ankommt - auch wenn es wegen des Streiks durchaus zu Verzögerungen kommen könne. Unternehmenssprecherin Anette Nachbar versicherte den Kunden, sie könnten sich trotz des Ausstands auf eine pünktliche Auslieferung bestellter Artikel verlassen. Dass Amazon trotz der Beeinträchtigungen pünktlich liefert, begründet das Unternehmen mit seinem europaweiten Netzwerk von 28 Logistikzentren in sieben Ländern. Robert Gottfried Marhan, der Standortleiter des größten Versandzentrums in Bad Hersfeld, erklärte zuletzt: "Streiks sind ein Szenario, auf das wir vorbereitet sind."

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger betonte dagegen, dass "Lieferverzögerungen wegen der Streiks nicht ausgeschlossen werden" könnten. Bestellungen sollten nicht allzu kurzfristig aufgegeben werden. Die Streiks richteten sich Nutzenberger zufolge nicht gegen die Kunden, sondern gegen Amazon als Arbeitgeber. Die Gewerkschaft Verdi will mit dem Streik kurz vor Weihnachten den Druck auf Amazon erhöhen. Den Auftakt machte der größte Standort in Bad Hersfeld am Montag. Mitarbeiter in Leipzig (Sachsen), Graben (Bayern), Rheinberg und Werne (beide NRW) folgten mit Beginn der Frühschicht. Am Dienstag stieg auch das Versandlager in Koblenz in den Streik ein.

Amazon lehnt Verhandlungen ab

Die Gewerkschaft versucht seit mehr als einem Jahr, den Versandhändler zu Tarifgesprächen zu Bedingungen des Einzelhandels zu überreden. Amazon lehnt das strikt ab und sieht sich selbst als Logistiker. Deswegen kommt es seit Mai 2013 immer wieder zu Streiks. Das Unternehmen beschäftigt in bundesweit neun Warenlagern knapp 10.000 Mitarbeiter. Hinzu kommen noch einige Tausend Aushilfen, die für das Weihnachtsgeschäft angestellt wurden.

"Wir machen so lange weiter, bis wir denken, dass ein gerechtes Niveau für die Mitarbeiter von Amazon erreicht ist", sagte Gewerkschaftssekretär Heiner Reimann. Verdi-Sprecher Thomas Schneider erklärte: "Amazon bewegt sich nicht und muss deshalb bewegt werden."

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