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Am Partner nörgeln: Feedback geben statt zu kritisieren

Birgit Ehrenberg
Birgit Ehrenberg gibt Tipps in Sachen Liebe

Kritik schadet der Beziehung - Feedback lautet das Zauberwort!

In der Diskussion über die die bestmögliche Harmonie in Liebes-Beziehungen kursiert ein merkwürdiges Gerücht, das meiner Meinung nach viel zu selten hinterfragt wird. Es geht um die These, dass man seinem geliebten Gegenüber wirklich immer und jederzeit radikal und schonungslos sagen kann, was einem nicht passt an diesem angeblich heiß geliebten Gegenüber.

Der Grad der Liebe dokumentiert sich demnach im Volumen der Kritik, die man ausüben kann, ohne dass der kritisierte Mensch einem wegläuft. Frei interpretiert hieße das: Nicht, wer sich neckt, der liebt sich, sondern wer sich ständig kritisiert, der liebt sich wirklich.

Wie Ihr Euch denken könnt, habe ich nicht zufällig davon gesprochen, dass es sich hierbei um ein „merkwürdiges Gerücht“ handelt. Denn: Die These ist falsch! Das sagen auch renommierte Psychologen und Paar-Therapeuten. Es verhält sich sogar gegenteilig so, dass Kritik eine Beziehung am schnellsten und effektivsten zerstört. Jeder hasst es, kritisiert zu werden.

Kritik wertet das Verhalten des anderen ab und fordert ihn dazu auf, sich den Vorstellungen des Partners zu unterwerfen. Frauen und Männer sehnen sich aber enorm danach, so geliebt zu werden, wie sie sind und nicht erst dann, wenn sie sich tüchtig geändert haben. Das bedeutet nicht, dass man sich gehen lässt oder dergleichen, es bedeutet vielmehr, dass man quasi in seinem natürlichen Zustand liebend angenommen werden möchte.

Ist doch nachvollziehbar – oder? Bloße Kritik kann noch so milde daherkommen, sie ist immer zersetzend, sie erzeugt beim anderen Wut, Enttäuschung und Fluchtgedanken. Oft bleibt es nicht beim Denken...

Was macht man, wenn man jemanden aufrichtig liebt, es aber wirklich etwas Profundes gibt, dessen Beseitigung und/oder Korrektur der Beziehung zu mehr Glück verhelfen würde? Nehmen wir ein gutes Beispiel: Der Partner hört nicht zu. Und man ist sicher, es wäre für die Liebe wunderbar, wenn der Partner sich in Gesprächen aufmerksamer und konzentrierter verhielte. Mit welcher Strategie bringe ich ihn dazu, etwas an seinem Verhalten zu ändern?

Kritik wertet ab, Feedback ermutigt

Es ist eine alte Weisheit: Menschen mögen die Freiheit, sie wollen sich nicht unterordnen, aber in der Regel kooperieren sie gern. Wer sich von seinem Liebsten oder von seiner Liebsten nicht abgewertet fühlt, lässt auf alle Fälle mit sich reden. Wer das Gefühl hat, nichts zu verlieren, wenn er etwas ändert, nicht seinen Stolz und nicht seine Prinzipien, der hat keinen Grund, weiterhin etwas zu tun, das den anderen verletzt oder verärgert.

Die wirkungsvollste Strategie, jemanden konstruktiv darauf hinzuweisen, dass einem etwas zuwider läuft, ist, ihm quasi einen Spiegel vorzuhalten. Ein anderes Wort dafür: Feedback. Während Kritik sich darauf konzentriert, was falsch läuft, konzentriert sich das Geben von Feedback darauf, wie man zusammen erarbeitet, was besser funktionieren könnte.

Die Betonung liegt auf „zusammen“. Während Kritik die Person des anderen ins Visier nimmt ("Du hörst nicht zu!"), konzentriert sich Feedback auf ein konkretes Verhalten ("Wie wäre es, wenn wir das einmal gemeinsam ausprobieren, dass Du Dich in einem Gespräch auf mich einlässt?“).

Kritik wertet ab, Feedback ermutigt. Kritik beschuldigt und erpresst, Feedback strebt auf eine Lösung hin und verharrt nicht in Schuldzuweisungen. Kritik kontrolliert, Feedback respektiert die Autonomie und Eigenständigkeit des anderen. Auf dieses aussagekräftige Fazit bringt es der amerikanische Psychologe Steven Stosny, der sich auf Gewalt (gerade in der Kommunikation!) in Beziehungen spezialisiert hat.

Wer sich also die Liebe leicht machen möchte, ohne dass sie dabei seicht und flach wird, wer die Tiefe der Liebe erhalten möchte, ohne sie zu belasten, der möge einfach liebevoll im Modus des Feedbacks bleiben, wenn ihn etwas stört. Damit erreicht man zum einen, dass der andere einem eben nicht wegläuft – und überdies noch die Bereitschaft entwickelt, an sich zu arbeiten.

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