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Alzheimer mit 40: Wenn die bessere Hälfte kein Partner mehr sein kann

Er verlor seine Ehefrau jeden Tag ein Stückchen mehr

Wenn Oma, Opa oder die eigenen Eltern im Alter an Alzheimer erkranken, ist das ein tiefer Einschnitt in das Leben der Betroffenen und der Angehörigen. Wie schlimm muss es sein, wenn die Krankheit des Vergessens bei der eigenen Ehefrau mit gerade einmal 40 Jahren ausbricht. Für Hans Herber ist dieser Alptraum wahr geworden.

Alzheimer mit 40: Wenn die bessere Hälfte kein Partner mehr sein kann

Tag für Tag verschwand er ein Stückchen mehr aus ihrem Leben, doch er hielt an seinem Versprechen fest - bis zu ihrem Tod war er für sie da.

Es fing mit kleinen Vergesslichkeiten bei der Arbeit und zu Hause an. Dann erlitt Yvonne Herber aus Frankfurt einen Nervenzusammenbruch, der ihr Leben und das ihres Ehemanns und Sohnes für immer veränderte - Diagnose Alzheimer. Ärzte erkannten bei der damals Anfang 40-Jährigen eine Mutation im PSEN1-Gen, die einen verfrühten Ausbruch von Alzheimer bei ihr auslöste. In Deutschland leiden etwa eine Millionen Menschen an Alzheimer, jeder Hundertste bekommt die Krankheit sehr früh. Über Medikamente lässt sich der Verlauf der Krankheit zeitweise aufhalten. Dass sie Stück für Stück aus dem Leben ausscheiden, bekommen Patienten wie Yvonne allerdings trotzdem mit.

Wie soll man bloß damit umgehen, einen geliebten Menschen jeden Tag ausweglos leiden zu sehen? - Hilflos wie ein kleines Kind, das sich nicht einmal mehr alleine anziehen kann. Alles, was in der Partnerschaft an Liebe und Zuneigung einmal da war, kommt nie wieder zurück. Was bleibt, ist die tägliche Pflege eines Menschen, der schon lange nicht mehr Partner sein kann. Diese Herausforderung zu meistern, wurde für Hans Herbert zur Lebensaufgabe. Besonders schmerzlich empfand er allerdings nicht die Vergesslichkeit seiner Frau, sondern dass sie sich immer weiter in ihre eigene Welt zurückzog - weg von ihm und ihrem Sohn.

Fünf Jahre Pflege, Kampf und endlose Tiefpunkte

Auf der Suche nach Geborgenheit und Normalität lernte Herber noch zu Lebzeiten seiner Frau seine jetzige Lebenspartnerin kennen. Gefangen in seiner Aussichtslosigkeit, war sie der Anker, die ihn zurück in ein normales Leben holte. Ohne Sandra, die ihn bei der Pflege von Yvonne unterstützte, sagt Hans Herber, hätte er den Alltag zwischen Vaterrolle, Pfleger und Arbeit nicht mehr stemmen können.

Und so wurde aus Freundschaft Liebe. Anfangs war es schwierig, damit umzugehen, doch letztlich haben Sandra und ihre zwei Kinder Hans Herber und seinem Sohn Marc dabei geholfen, ein Stück Normalität in die Familie zurück zu bringen. Das alles änderte allerdings nichts daran, dass Herber rund um die Uhr für Yvonne da war.

Nach fünf Jahren Pflege, Kampf und endloser Tiefpunkten, starb Yvonne Herber Anfang 2015 an den Folgen ihrer Krankheit. Jetzt hat ihr Ehemann die bewegende Geschichte der Familie aufgeschrieben. 'Der lange Abschied - Als meine Frau mit 40 an Alzheimer erkrankte' beschreibt, wie er den Mut gefunden hat durchzuhalten, weiterzumachen und wieder zu lieben.

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