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Altersdiskriminierung: Mit 43 Jahren zu alt für den Job?

Mit 43 Jahren zu alt für einen neuen Job?

Eine Frau, die top ausgebildet ist, bekommt trotz intensiver Suche keinen Job - weil sie den Chefs mit 43 Jahren zu alt ist. Eine ältere Bankkundin muss für einen Kredit dreimal so hohe Zinsen zahlen wie ein junger Mensch - und all das, obwohl Diskriminierung wegen des Alters in Deutschland verboten ist. Auf diese krassen Fälle ist RTL-Reporter Robert Keckeis bei seinen Recherchen gestoßen. Welche Rolle spielt das Alter im Alltag tatsächlich?

Cornelia Knitter ist gut ausgebildet, attraktiv und hat eine Menge Berufserfahrung. Sie bringt alles mit, was man für ihren Beruf als Uhren-Fachverkäuferin benötigt. Dennoch sucht die 43-Jährige seit Jahren vergeblich nach einem Job. Reporter Robert Keckeis besucht die dreifache Mutter in der Eifel. Die verzweifelte Frau erzählt ihm, dass sich einige Firmen noch nicht einmal mehr die Mühe machen, ihre Absagen zu kaschieren. „Ich habe oft zu hören bekommen, dass ich zu alt bin und dass sie gerne 'etwas Jüngeres' im Unternehmen hätten.“ Von einer anderen Firma habe sie gehört, dass generell keine Über-Vierzigjährigen mehr eingestellt würden.

Seit acht Jahren gibt es das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG. Politik und Wirtschaft versprachen damals, dass dadurch vieles besser werden sollte. Benachteiligungen wie zum Beispiel durch das Alter, sollte es nicht mehr geben. Doch die Realtiät scheint anders auszusehen, wie der Fall Knitter zeigt.

Wie kann es sein, dass es in Deutschland einen Fachkräftemangel gibt, gleichzeitig Menschen über 40 aber oft keinen Job mehr finden? Bei dem Großteil der angefragten Personalchefs stößt Keckeis auf verschlossene Türen. Einige bestätigen jedoch die Wahrnehmung, dass junge, billige Fachkräfte aus dem Ausland älteren, erfahrenen Kollegen vorgezogen werden.

In Köln spricht Keckeis mit Hanne Schweitzer, der Vorsitzenden des Büros gegen Altersdiskriminierung. Sie kämpft für das Recht der älteren Menschen und sammelt seit zwei Jahren mit einigen Mitstreitern Stellenangebote, in denen eine offene Altersdiskriminierung stattfindet. Pro Jahr gehen über 1.000 Anzeigen ein, die Dunkelziffer schätzt Schweitzer jedoch deutlich höher ein: „Ich denke mal, die Dunkelziffer ist mindestens fünfmal so hoch. Sie können ja auch sprechen mit wem sie wollen: Jeder kann ihnen so einen Fall von Altersdiskriminierung nennen.“

Doch nicht nur in der Arbeitswelt, auch in der Werbung scheinen Menschen jenseits der 50 ausgeblendet zu werden. Dort finden ältere Menschen scheinbar nicht mehr statt. Dabei wird ihr Anteil in der Bevölkerung immer größer. Grund dafür ist der demografische Wandel.

Auch bei Banken beziehungsweise der Kreditvergabe scheinen ältere Menschen diskriminiert zu werden. Gudrun Schneider ist 66 Jahre alt. Sie gibt vor, einen Kredit über 5.000 Euro für eine Waschmaschine und Kleinstmöbel zu benötigen. Also ähnliche Bedingungen, wie sie auch junge Menschen haben, wenn sie ihre ersten eigenen vier Wände einrichten. Doch was junge Kreditnehmer kaum brauchen, soll mein Lockvogel in dieser Bank abschließen - eine extra Versicherung für 1.600 Euro. Fast alle getesteten Banken wollten ihr aus Altersgründen eine Zusatzversicherung verkaufen - und ganz nebenbei bis zu 12 Prozent Zinsen kassieren - üblich sind derzeit rund vier Prozent.

Am Ende seiner Recherche scheint der Reporter auf dem Boden der Tatsachen angekommen: „Bei der Arbeit für diesen Bericht habe ich vieles gehört und erlebt, was ich in Deutschland nicht für möglich gehalten habe.“ Er appelliert an die Entscheider in den Chefsesseln: „Ihr werdet auch nicht jünger! Und wenn ihr weiterhin auf so gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte verzichtet, nur weil sie über 40 sind, sehen eure Unternehmen möglicherweise bald ganz schön alt aus.“ Bleibt zu hoffen, dass dieser Appell die richtigen Menschen erreicht.

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