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Altersarmut bei Frauen: Mit 140 Euro Rente überleben?

Altersarmut bei Frauen: Mit 140 Euro Rente überleben?
© dpa, Jens Büttner

Altersarmut ist meist weiblich

3,11 Euro. So hoch ist der Rentenanspruch, wenn man ein Jahr als Mini-Jobberin gearbeitet hat. Das ist wenig. Auf ein Arbeitsleben mit 45 Versicherungsjahren hochgerechnet ergibt das gerade einmal 139,95 Euro Rente. So meldet es die 'Süddeutsche Zeitung'. Ohne andere Einkünfte werden diese gering verdienenden Frauen - und Männer - im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen sein - „obwohl sie arbeiten“.

Von Ursula Willimsky

Zwar gebe es die Möglichkeit, die Rentenbeiträge aus eigener Tasche aufzustocken – dann käme man auf über vier Euro pro Jahr, oder 182,70 Euro. Aber diese Möglichkeit nähmen nur 6,9 Prozent der Frauen wahr, die in einem Minijob arbeiten. Insgesamt verdienen derzeit etwa 7,4 Millionen Menschen in Deutschland ihr Geld auf 400-Euro-Basis, knapp 4,65 Millionen davon sind Frauen. Ausgerechnet hat diese Zahlen die Bundesregierung, als Reaktion auf eine Anfrage der Linken. Das Thema „Altersarmut“ und vor allem „Altersarmut bei Frauen“ bestimmt derzeit ohnehin wieder die Schlagzeilen. Unter anderem, weil Ursula von der Leyen jüngst einen Gesetzesentwurf zum Kampf gegen Altersarmut auf den Weg gebracht hat. Einer der Kernpunkte betrifft die sogenannte „Zuschussrente“, die mehr Gerechtigkeit für Frauen bringen solle, die Kinder erzogen und nur Teilzeit gearbeitet haben.

Kann man Altersarmut vermeiden?

„Bisher stehen Niedrigverdiener, die ihr Leben lang gearbeitet und vorgesorgt haben, im Alter nicht besser da als diejenigen, die wenig gearbeitet und sich nicht um ihre Alterssicherung gekümmert haben. In gleicher Weise betroffen sind auch Menschen, die gesellschaftlich relevante Leistungen, wie die Erziehung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen, erbracht haben. Alle erhalten Grundsicherung im Alter in gleicher Höhe, unabhängig von ihrer Vorleistung in der Erwerbsphase und von ihrem Beitrag für die Gesellschaft“, heißt es in einer Presseinformation des Ministerium für Arbeit und Soziales.

Ursula von der Leyen will nun mit einer „Zuschussrente“ Anreize schaffen, zu arbeiten – und fürs Alter vorzusorgen. Die „Zuschussrente“ soll ab 2013 Geringverdiener im Alter stärker finanziell absichern. Ganz vereinfacht gesagt: Wer lange Jahre gearbeitet hat und daneben auch privat vorgesorgt hat, soll im Alter mehr als die staatliche Grundsicherung bekommen - statt 680 bis zu 850 Euro.

Derzeit stehen laut „Alterssicherungsbericht 2008“ Frauen im Westen im Schnitt 1.198, im Osten 1.151 zur Verfügung. Die Männer können im Westen auf 1.513 Euro, im Osten auf 1182 Euro zurückgreifen. Wie gesagt: Im Schnitt. Viele ältere Frauen, die Witwen wurden und die vielleicht auf nur wenige Jahre eigener Erwerbstätigkeit zurückblicken können, beklagen ja häufig, dass sie jetzt jeden Cent umdrehen müssen. Die Witwenrente fällt oft bescheiden aus – Strom und Wasser, Miete und Heizung, die Müllabfuhr und all die anderen laufenden Kosten bleiben aber oft genauso hoch wie in den Zeiten, als man noch zu zweit in der Wohnung lebte.

Aus diesen und vielen anderen Überlegungen heraus (derzeit sind etwa 400.000 ältere Menschen in Deutschland auf die Grundsicherung angewiesen, jedes Jahr kommen etwa 18.000 dazu) sollte gerade uns Frauen die immer mal wiederkehrenden Schlagzeilen wie „Millionen Frauen droht Altersarmut“ zum Nachdenken anregen. Und zum Handeln. Vielleicht auch dazu, mal bei den eigenen Finanzen Kassensturz zu machen. Das ist lästig, mit viel Rechnerei verbunden, eventuell auch mit Rennerei, mit Bank- und Beratungsterminen.

Man muss sich Gedanken machen. Sollte ich doch wieder in den Job einsteigen? Wie viele Stunden kann und will ich arbeiten? Wäre es vielleicht wieder an der Zeit, statt eines Minijobs eine andere Stelle zu suchen? Man muss entscheiden, wie viel Geld man zusätzlich überhaupt für eine Altersvorsorge zur Seite legen könnte. Renteninformationen durchsehen, sich über Zusatzmöglichkeiten wie „Riester“ informieren. Und so versuchen, für sich ein Model für die Zukunft zu erarbeiten, das einen Lebensabend in relativer finanzieller Sicherheit zu bieten scheint.

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