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Als Frau wahrgenommen werden: Zählt Kopf oder Körper?

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Unfeministisch, wenn man als Frau wahrgenommen werden will?

Insgeheim finden die meisten von uns – selbst, wenn sie sich in die Kategorie "emanzipiert" einsortieren würden – es doch ganz schön, wenn Männer uns nicht nur als gute Gesprächspartnerin schätzen, sondern auch anerkennend mal einen Blick auf den Rest von uns werfen oder wir ein Kompliment bekommen. Ist das unreif und unfeministisch oder einfach nur menschlich?

Barbara Schöneberger
Barbara Schöneberger: "Wenn Männer mein Dekolleté loben, freue ich mich" © imago/Future Image, imago stock&people

von Merle Wuttke

Schauen wir uns doch mal das Paradebeispiel einer schönen UND klugen Frau an: Fernsehmoderatorin Barbara Schöneberger. Im Fernsehen oder auf ihren Konzerten zeigt sie, was sie hat, und – was sie kann. Die Frau ist schlagfertig, witzig und verfügt über die richtige Portion Scharfzüngigkeit bei passenden Gelegenheiten. Barbara Schöneberger ist also quasi die perfekte Inkarnation einer (Männer)- Fantasie. Weiblich, sexy, klug, und trotzdem kann sie auch mütterlich. Dazu ist sie immer fröhlich und selbstbewusst. Ob ihre pralles Frau-Sein irgendwie "falsch" ankommen oder sie dadurch auf eine bestimmte Rolle festgelegt werden könnte – darüber scheint sich eine Barbara Schöneberger jedenfalls keine großen Gedanken zu machen.

Jetzt, ein paar Wochen vor dem Erscheinen ihres ersten eigenen Magazins, spielt sie mit ihrer Rolle ganz bewusst in der Öffentlichkeit: In der Werbe-Kampagne für die Zeitschrift 'Barbara' gibt es dieses Zitat von ihr: "Wenn Männer mein Dekolleté loben, freue ich mich. Denn sonst werde ich zu sehr auf meine inneren Werte reduziert." Das ist lustig, selbstironisch, und – sehr cleveres Marketing. Es zeigt: Hey, ich weiß wie ich als Frau wirke und – ich mag das. Außerdem wäre ich schön blöd, das nicht zu nutzen. Denn heiligt der Zweck nicht schließlich die Mittel?

Jetzt könnte man kritisch einwerfen: So ein Quatsch. Seit wann müssen Frauen wieder Männerfantasien bedienen. Über diesen Punkt sind wir doch lange hinaus, wir wollen für das wahrgenommen werden, was wir sind – nicht für unseren Busen. Wir wollen und sollten uns nicht einreihen, in diese Tausenden von Fotos, die Frauen aller Altersklassen auf Facebook und Instagram von sich, ihren Bikinifiguren und Kussmündern posten. Wir wollen nicht dafür gelobt werden, dass wir ein Dirndl gut ausfüllen. Wir sind mehr und können mehr.

Spiel mit allen Facetten der Weiblichkeit ist ein netter Zeitvertreib

Stimmt. Sind wir. Können wir. Genau deshalb sollten wir aber so selbstbewusst sein wie wir es normalerweise auch sind und uns nicht vor lauter politischen Korrektheit nun auch vor dem Spiegel verrückt machen: Wenn wir Bock darauf haben, aufgerüscht und mit roten Lippen ins Büro zu gehen – na und? Dann ist das so. Und wenn uns auf dem Weg dahin ein paar mehr Türen offen gehalten werden oder uns mehr bewundernde Blicke streifen, als wenn wir in Jeans und Shirt unterwegs sind, freuen wir uns daran – ohne das Ganze überzubewerten. Denn natürlich hat das erst einmal nichts mit uns als Mensch zu tun, sondern mit der Person, die wir in diesem Moment nach außen zeigen. Und wenn diese Person nun mal mehr Aufmerksamkeit bekommt als sonst, tut das gut. Mehr nicht. Es bedeutet nicht, dass einen die anderen sonst weniger attraktiv finden, sondern nur, dass wir ihre Blicke ein wenig gezielter auf uns lenken. Es heißt auch nicht, dass wir erwachsene Möchtegern-GNTMs sind. Und: Wir schauen uns doch eher den schmucken Typen im gutsitzenden Anzug und coolem Vollbart an als den mit dem Null-Acht-Fünfzehn-Shirt und Labberhose.

Zum Problem wird das Ganze doch erst, wenn wir uns selbst als Frau und Mensch nicht mögen. Jedenfalls nicht ohne uns vor mit Rock, Ausschnitt, High Heels und Lippenstift eine Rüstung anzulegen. Wenn wir uns nicht trauen ungeschminkt den Müll runter zu bringen. Doch so lang wir selbst wissen, wer wir sind, wie wir wirken oder wirken könnten, so lang, sollten wir das Spiel mit allen Facetten unserer Weiblichkeit als netten Zeitvertreib sehen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Unser Selbstbewusstsein bekommt einen Boost und auch das ein oder andere Ziel lässt sich mit roten Lippen und Bleistiftrock schneller erreichen. Wir haben es in der Hand. Nicht die anderen. So einfach ist das.

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