Als Baby ausgesetzt: Tochter findet nach 46 Jahren leibliche Mutter

Als Baby ausgesetzt: Tochter findet nach 46 Jahren leibliche Mutter
Mutter Angie Smith (70) und als Baby ausgesetzte Tochter Michelle Rooney (46) wieder vereint.

Als Säugling landete die heute 46-jährige Michelle Rooney im Müll

Jahrzehntelang suchte Michelle Rooney verzweifelt nach ihrer leiblichen Mutter, nachdem sie im Alter von 21 Jahren erfuhr, dass sie als Säugling im Müll gefunden wurde. 25 Jahre später lernt sie die Frau, die sie ausgesetzt hat, endlich kennen, wie der 'Mirror' berichtet.

Von Schuldgefühlen geplagt fragte sich Angie Smith (70) 46 lange Jahre, was aus ihrer neugeborenen Tochter, die sie 1968 in großer Verzweiflung in einem Wäschebeutel im Flur eines Londoner Mehrfamilienhauses ablegte, wohl geworden sei. Denn dorthin brachte sie das Baby in der Hoffnung, dass es jemand finden und sich darum kümmern werde. Doch der Wäschebeutel mit der kleinen Michelle landete im Müll. Erst 24 Stunden später hörte ein Hausbewohner die Schreie des Babys. Danach wurde Michelle adoptiert. Somit wendete sich für das Baby glücklicherweise alles zum Guten.

Angie Smith hingegen las im November 1968 mit Entsetzen die Schlagzeilen im 'Mirror' und, dass ihr Baby im Müll gefunden wurde. Auf die Appelle in der Zeitung, sich als Mutter zu melden, reagierte sie nicht. Zu groß war die Scham nach einer gescheiterten Ehe und als Mutter eines drei- und eines vierjährigen Sohnes, von dem Milchmann, John Good, schwanger geworden zu sein. Getrennt von ihrem Ehemann, den sie jung geheiratet hatte, lebte Angie Smith mit ihren Kindern wieder bei ihren Eltern, wo sie in einem Schuppen - ganz allein und heimlich - Michelle zur Welt brachte und sie anschließend aus dem Haus schmuggelte.

Sie habe ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter gehabt, erzählt die heute 70-Jährige ihrer Tochter Michelle bei ihrem Treffen nach 46 Jahren. Ihre Eltern hätten ihr damit gedroht, ihr die Söhne wegzunehmen, sollte sie nach der misslungenen Ehe noch einmal Schande über die Familie bringen. Angie Smith sah nur die Möglichkeit, entweder ihre beiden geliebten Söhne zu verlieren oder das Mädchen, das sie noch gar nicht kannte und lieben gelernt hatte, verschwinden zu lassen. Sie entschied sich gegen Michelle und hoffte - naiv wie sie war -, der Tochter würde es woanders gut gehen. Sie selbst habe sehr gelitten und viele heimliche Tränen geweint. Nach außen hin habe sie aber so getan, als sei nichts gewesen. Michelle wurde schließlich von einem netten Ehepaar adoptiert.

Mit 21 Jahren entdeckte Michelle Rooney die Wahrheit über ihre Herkunft und, dass sie das 'Müllbaby' war, über das 1968 in den Nachrichten berichtet wurde. Doch sie war nicht wütend auf die Frau, die sie ausgesetzt hatte, sondern fühlte, dass sie sich in einer großen Not befunden haben und nun von Schuldgefühlen geplagt und traumatisiert sein musste. Michelle begann nach ihr zu suchen. Doch trotz eines Aufrufs im 'Mirror' vor vier Jahren fand sie ihre leibliche Mutter nicht.

Stattdessen konnte mithilfe eines DNA-Tests ihr leiblicher Vater, John Good, der nichts von ihr wusste, ermittelt werden. Kurz vor seinem Krebstod konnte Michelle den 84-Jährige noch kennenlernen und eine liebevolle Beziehung zu ihm aufbauen.

Michelle gab jedoch nicht auf, ihre Mutter zu suchen und appellierte erneut an diese, sich zu melden. Und endlich bekam sie ein Lebenszeichen.

Happy End nach 46 Jahren

Angie Smith las Michelles Appelle und erfuhr, wie wichtig ihr ein Treffen

war. Ihre Befürchtungen, dass die Tochter nichts mit ihr zu tun haben wolle, verflüchtigten sich. Sie war überwältigt und gerührt und meldete sich per E-Mail und mit Foto bei Michelle.

Als Michelle das Foto sah, kam ihr die ältere, nette Dame mit dem gelockten weißen Haar sofort vertraut vor. Sie hatte keine Zweifel, dass Angie Smith ihre leibliche Mutter war. Michelle rief sie an. Mutter und Tochter telefonierten zwei Stunden miteinander. In den kommenden Wochen schrieben sie mehrere Mails und telefonierten viel.

In einem DNA-Test wurde ihre Verwandtschaft bestätigt, obwohl er eigentlich nicht nötig gewesen wäre – so verbunden fühlten sie sich schon nach kurzer Zeit.

Doch eine Hürde musste Angie noch überwinden: Sie hatte ihren Söhnen, Tim (50), Chris (49) und Martin (40) nichts von Michelle erzählt und schon gar nicht, dass sie sie ausgesetzt hatte und sie das 'Müllbaby' von 1968 war. Glücklicherweise hatten die drei Verständnis für das Handeln ihrer Mutter und freuten sich, ihre Schwester Michelle kennenzulernen.

Schließlich kam es zu einem großen Familientreffen in Martins Haus in Kent, zu dem Michelle auch ihre Söhne Oliver (15) und Conor (12) mitnahm.

Angie ist nun dankbar, dass Michelles Adoptiveltern ihr so viel Liebe gegeben haben – und ein besseres Leben als sie ihr hätte bieten können. Doch das Wichtigste ist: Michelle ist sich sicher, dass ihre leibliche Mutter sie - auch wenn sie das 'Müllbaby' war – niemals wegwerfen wollte.

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