ABNEHMEN ABNEHMEN

All-you-can-eat-Diät im Test: Sattessen und glücklich sein, aber...

Diese Lebensmittel sind wahre Fettkiller
Diese Lebensmittel sind wahre Fettkiller Die Top 5 von Prof. Froböse 00:01:53
00:00 | 00:01:53

Die All-you-can-eat-Diät verspricht viel

Schon vor einigen Wochen lag Marion Grillparzers Buch ‚Die All you can eat Diät‘ auf meinem Tisch. Ihr Versprechen: „Immer satt, immer glücklich, immer schlank“. Damals ging es um die Theorie, eine Buchbesprechung – jetzt folgte die Praxis. Auch wenn die Begriffe „all you can eat“ und „Diät“ auf Anhieb nicht ganz zusammen passen mögen, klingt das Motto amerikanischer Restaurant-Ketten doch erst einmal ganz vielversprechend. Wenn, ja wenn das Wörtchen „aber“ nicht wäre…

All-you-can-eat-Diät im Test: Sattessen und glücklich sein, aber...
Redakteurin Lara Schwarzkamp hat die 'All-you-can-eat'-Diät getestet. Hält die Diät, was sie verspricht?

Lara Schwarzkamp

Zunächst noch einmal kurz erklärt, worum es bei dieser Diät geht. Marion Grillparzer ist es wichtig, dass sich nicht alles um den ständigen Verzicht dreht - weil der nämlich auf Dauer nicht durchzuhalten ist und eher demotivierend wirkt. Also gilt die Regel: Essen bis man satt ist und Spaß dabei haben. Wie man dennoch schlank bleiben soll? Indem man sich an die 1-2-3-Regel hält. Dafür stellt man sich den Teller als eine Art Kuchen mit sechs Teilen vor, bei dem jeder nach einer bestimmten Regel befüllt werden darf: Ein Teil Kohlenhydrate (z.B. Dinkelreis, Pellkartoffeln), zwei Teile Eiweiß (z.B. Fisch, Hähnchenfilet) und drei Teile Vitalstoffe (z.B. Gemüse, Nüsse). Hinzu kommen außerdem jede Menge Tipps und Tricks, wie man den Abnehmerfolg steigern, Sünden ausgleichen oder die Ernährungsgewohnheiten verbessern kann.

Wer wirklich will, dass die Kilos purzeln, der beginnt mit ein paar Detox-Tagen, an denen lediglich Suppen und Säfte erlaubt sind. Die spare ich mir, da es mir vor allem um die täglichen Essgewohnheiten und eine gute Umsetzung im Alltag geht. Das Frühstück lässt sich relativ problemlos mit leckeren Mahlzeiten aus gesüßtem Quark (ja, man darf sogar einen Löffel Honig nehmen), Beeren und Nüsschen oder einer Schnitte Dinkelbrot mit selbstgemachtem Nussmus bewerkstelligen. Das macht tatsächlich gut satt und hält meist bis zur Mittagspause vor.

Rezepte, die Spaß machen

All-you-can-eat-Diät im Test: Sattessen und glücklich sein, aber...
© Principal, unknown, Fotolia

Doch dann knurrt der Magen und die erste größere Herausforderung des Tages wartet auf mich. Mein Leitfaden für die Kantine ist also die 1-2-3-Formel. Deshalb werden die Kartoffeln zum Fisch der Einfachheit halber durch Gemüsebeilage oder Salat ersetzt. Das macht satt, aber nicht voll. Und siehe da: Ausnahmsweise gibt‘s mal nicht den großen Durchhänger am Nachmittag, der sonst regelmäßig mit einem unbändigen Völlegefühl und dem Wunsch nach Jogginghose und Sofa einhergeht.

Was hier noch relativ einfach ist, wird beim Besuch des Lieblingsitalieners am Abend schon schwieriger. Also 1/6 darf aus (am besten weizenfreien) Kohlenhydraten bestehen. Ich schätze, die Rechnung geht bei Pizza und Nudeln nicht auf. Und auch Saltimbocca und der Fisch des Tages kommen mit einer ordentlichen Sättigungsbeilage daher. Welche Möglichkeiten habe ich also? Die Hälfte der Gnocchis auf dem Teller lassen? Da appelliert mein Gewissen an mich - das gab‘s in meiner Kindheit nicht und auch heute wird in der Regel aufgegessen, was auf dem Teller liegt. Option zwei: Einer der mäkeligen Gäste sein, die stundenlang mit dem Kellner über eine alternative Beilage diskutieren? No way! Ich will weder den Kellner herausfordern, noch meine Begleitung mit Diät-Gefasel belästigen. Dann am Ende also doch zum Insalata mista greifen, weil man da noch am wenigsten falsch machen kann? Ich entscheide mich für Möglichkeit vier: Ich ziehe den Joker. Also reinhauen und dafür am nächsten Morgen mit einer Detox-Mahlzeit Vorlieb nehmen. Dafür genieße ich jeden Bissen und habe tatsächlich kein schlechtes Gewissen... also fast.

Das kommt erst, als ein großes Glas ‚Greenie‘ vor mir steht. Die leuchtendgrüne Farbe ist nicht das Problem – sieht erfrischend aus. Problematisch ist das Wissen darum, was drin steckt: Leinsamen, Apfel, Gurke, Chicorée (ja, das war der bittere Salat!), Brennnessel, Chinakohl, Koriander, Zitrone, Kurkuma, Zimt, Salz und Pfeffer. Man möchte nun sagen, dass das unerwartet gut schmeckt – tut es aber nicht. Mal ganz abgesehen davon, dass man so einen Haufen Brennnessel auch nicht jeden Tag im Kühlschrank hat, geschweige denn im Supermarkt findet und den vom Straßenrand, den will nun wirklich niemand essen. Und Koriander zum Frühstück?

Nach einigem Rumprobieren und lästigem Spülen des Mixers finde ich allerdings dann doch noch den Zellstoffcocktail, der jedes Stück Pizza aus Francos Holzkohleofen wert ist. Und die vielen anderen Rezepte, die das Buch zur All-you-can-eat-Diät bereit hält, sind dann auch gar nicht mehr so schlimm. Im Gegenteil: Endlich hatte ich mal die Gelegenheit mein Brot selbst zu backen, das Gemüsehähnchen kommt mittlerweile regelmäßig auf den Tisch und das Feigen-Erdbeer-Carpaccio gehört zu meinen absoluten Dessert-Favoriten.

Schließlich blicke ich auf drei Wochen mit der All-you-can-eat-Diät zurück. Obwohl sich die Zahl auf der Waage sogar nach unten bewegt hat, ist das Buch nicht zwingend etwas für die schnelle Diät. Vielmehr gibt Marion Grillparzer einem das nötige Wissen und gute Tipps mit auf den Weg, um sich auf Dauer gesund und ausgewogen zu ernähren. Die 1-2-3-Formel hilft dabei, sein Essverhalten etwas im Blick zu behalten und einen vor dem voreiligen Griff zu kalorienreichen Fett-Kohlenhydrat-Kombinationen zu bewahren – ohne einem jeden Spaß am Essen zu verderben. In Alltagssituationen bedeutet das allerdings, auch mal ein Auge zuzudrücken. Fazit: Ein toller Ratgeber für eine langfristig bewusste Ernährung.

Anzeige