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Alkoholkonsum bei Frauen: Sie trinken fast genauso viel wie Männer

Riskante Art der Gleichberechtigung

Bis vor etwa 50 Jahren war es so, dass Saufen vor allem Männersache war. Das hat sich jedoch geändert. Laut einer Studie, in der vor allem Untersuchungen aus Europa und Nordamerika ausgewertet wurden, haben Frauen aufgeholt: Sie trinken heute fast genauso viel wie Männer. Fatal ist: In diesem Punkt hätten Frauen besser auf Gleichberechtigung verzichtet. Sie vertragen Alkohol nämlich deutlich schlechter als Männer.

Von Christiane Mitatselis

Fatale Folgen für Frauen

Man sieht es oft in alten Filmen: Die Dame des Hauses serviert den Herren, die in lustiger Runde zusammensitzen, alkoholische Getränke und Häppchen. Sie selbst säuft jedoch nicht mit. Höchstens gönnt sie sich ein kleines Likörchen – und hat ganz schnell einen Schwips.
Diese Zeiten sind vorbei. Forscher der australischen Universität New South Wales, die 70 zwischen 1980 und 2015 erstellte Studien auswerteten, fanden heraus: Nach dem Geburtsjahr 1966 hat sich der Alkohol-Konsum von Frauen und Männern in der westlichen Welt kontinuierlich angeglichen. Bei den zwischen 1891 und 1910 Geborenen war die Wahrscheinlichkeit, dass Alkohol getrunken wurde, bei Männern noch doppelt so hoch wie bei Frauen. In der jungen Generation (1991 bis 2000) ist sie fast angeglichen und liegt bei 1,2. Hinzu kommt: Alkoholkonsum im problematischen Bereich kam Anfang des 20. Jahrhunderts bei Männer dreimal häufiger als bei Frauen. Ende des 20. Jahrhunderts lag der Faktor nur noch bei 1,3.
Das Robert-Koch-Institut teilte 2015 für Deutschland mit, dass riskanter Alkoholkonsum bei 13 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer vorkommt.

Frauen saufen fast wie Männer, allerdings bekommt es ihnen viel schlechter. Einerseits körperlich: Sie vertragen weniger, werden schneller abhängig und sind doppelt so anfällig wie Männer, einen alkoholbedingten Leberschaden zu erleiden. Die Bundeszentrale für Gesundheit empfiehlt, dass Frauen nicht mehr als ein kleines Bier (0,2 Liter) oder einen kleinen Wein (0,1) am Tag trinken sollten – und zwei Tage pro Woche gar nichts. Männer können dagegen ungefähr das Doppelte vertragen.
Andererseits sind für Frauen die sozialen Folgen von Alkoholismus schlimmer als für Männer. Denn in diesem Punkt gibt es keine Gleichberechtigung: Männer, die ordentlich etwas vertragen können, gelten als coole Hechte. Wer ein echter Mann ist, der kann halt saufen und darf sich auch einmal daneben benehmen. Frauen hingegen, die ein Problem mit dem Alkohol haben, werden schnell als Schlampen abgestempelt, als das Allerletzte. Viele trinken deshalb oft heimlich.
Frauen früherer Generationen machten es also richtig, als sie das Trinken den Männern überließen. Man sollte sich an ihnen ein Beispiel nehmen. Natürlich müssen sich die Herren das Bier heute aber selbst aus dem Kühlschrank holen.

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