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Alkohol, Pillen, Zigaretten: Sollte man seinen Kindern das Probieren von Drogen erlauben?

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Die Erziehungsmethoden der Eltern sind unterschiedlich. © Getty Images/iStockphoto, pixdeluxe

Promi-Mutter Ute Lemper gerät mit Erziehungsmethode in die Kritik

Sie tränke auch mal ein Glas Wein mit ihren großen Kindern oder erlaube ihnen eine Zigarette. Um ihrer Tochter den Einlass in einen Club zu ermöglichen, gab sie ihr sogar einen gefälschten Ausweis mit (in den USA darf man in den meisten Fällen erst mit 21 in einen Club): Ute Lemper plädiert in Sachen Suchtmittel für einen offenen Umgang mit dem Thema. Sie hält nichts von umfassenden Verboten, weil gerade Teenager eigene Erfahrungen machen müssen, etwa wie viel Alkohol sie vertragen, und weil diese Erfahrungen für sie zum Erwachsenenwerden dazugehören. Gleichzeitig ist es ihr wichtig, dass diese Dinge maßvoll geschehen und auch immer wieder hinterfragt werden. Das klingt alles vernünftig und nachvollziehbar, aber ist das tatsächlich der richtige Weg? 

Von Merle Wuttke

Jugendliche brauchen eine klare Position

Kinder- und Jugendpsychiater sind der Meinung, dass Eltern in Sachen Alkohol, Zigaretten und Drogen zunächst eine klare Position brauchen (und das beinhaltet auch, dass man sein eigenes Konsumverhalten hinterfragt) und erste Versuche mit Suchtmitteln auf gar keinen Fall ignorieren sollten. Gerade dann sei der Kontakt und Austausch zum und mit dem Kind wichtig. Meistens steht ja Alkohol an erster Stelle, wenn es darum geht, seine Grenzen auszutesten. Da der Konsum von Wein, Bier und Drinks in unserer Gesellschaft aber als völlig normal angesehen wird, kommt es gerade hier besonders auf uns Eltern an. Welche Art von Alkoholkonsum leben wir unseren Kindern vor? Welche Bedeutung nimmt dieses Rauschmittel in unserem Leben ein? Wenn man sich selbst klar darüber ist, kann man auch dem Kind gegenüber eindeutiger Stellung beziehen und es – im angemessenen Alter – an einen kontrollierten Umgang mit Alkohol heranführen. Komplettverbote führen eher zu Komasaufen oder Trinken im Geheimen, so Experten. Und Eltern, die rauchen, sollten daraus keine geschönte Sache machen, sondern offen sagen, was das Rauchen für sie bedeutet: nämlich eine schädliche Sucht, die sie selbst sehr bedauern. 

Baby empört: Diese Reaktion ist zu herrlich!
Baby empört: Diese Reaktion ist zu herrlich! Mama hat Broccoli in den Brei geschmuggelt 00:00:36
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Eltern sollten illegale Drogen ganz klar verbieten

Auch das Ausprobieren illegaler Drogen gehört für viele Jugendliche zum Erwachsenwerden dazu. So hat jeder dreizehnte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren bereits einmal gekifft. Gerade in Sachen Cannabis hält sich die Legende, dass das Konsumieren nicht so schlimm sei. Dabei haben sich die Wirkstoffe in Pflanze durch Hochzüchtungen und gentechnische Veränderungen so stark potenziert, dass ein Joint heutzutage eine ganz andere Wirkung hat als noch vor 20 Jahren. Und Untersuchungen zeigten, dass Cannabiskonsum Gehirnstrukturen von Jugendlichen dauerhaft verändern kann.

All dies sollte Grund genug sein hier eben keine liberale Haltung einzunehmen, sondern als Eltern ganz klar zu sagen: "Das ist illegal. Das ist gefährlich. Das ist verboten.“ Doch genau davor scheuen sich viele Eltern heute, da sie selbst in ihrer Jugend Erfahrungen mit Cannabis gemacht und nicht die konkrete Gefahr darin sehen. Außerdem, so die Meinung von Suchtexperten, scheuen sie oft den Konflikt mit den Kindern. Doch: Eltern sind verantwortlich für ihre Kinder und müssen sie aufklären – über jede Art von Drogen. Dazu gehört auch, mit ihnen über die Gefährlichkeit sogenannter 'Legal Highs', Kräutermischungen, die man im Internet bestellen kann, zu sprechen. Experten sind jedenfalls der Meinung, dass bei illegalen Drogen null Toleranz gelten sollte und man nicht früh genug anfangen könne, über die Gefahr des Drogenkonsums zu sprechen: Mit elf sind die Kinder noch offen und empfänglich genug, sich die Erklärungen anzuhören, mit 13 lachen sie uns aus. Also, nutzen wir die Chance!

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