SCHWANGERSCHAFT SCHWANGERSCHAFT

Alkohol in der Schwangerschaft: Ist das bald ein Verbrechen?

Alkohol in der Schwangerschaft: Ist das bald ein Verbrechen?
Müssen trinkende Schwangere bald Entschädigungen zahlen? © picture alliance / ZB, Hans Wiedl

Das Baby trinkt bei jedem Glas mit

In England wurde eine Frau verklagt, weil sie während der Schwangerschaft massiv getrunken hatte und ihr Kind lebenslang unter schweren gesundheitlichen Problemen leiden wird. Kann man sie tatsächlich dafür verantwortlich machen? Das britische Berufungsgericht in London muss diese Frage nun beantworten.

Von Jutta Rogge-Strang

Ab wann trägt eine Frau die Verantwortung für das Kind, das in ihrem Körper heranwächst? Ist das Baby schon vor der Geburt eine Person mit Persönlichkeitsrechten? Eine schwierige Frage: Ist verantwortungsloses Verhalten in der Schwangerschaft bald strafbar?

Der Fall ist dramatisch: Das heute siebenjährige Kind, das bei Pflegeeltern lebt, kam mit einem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) zur Welt, seine körperliche und geistige Entwicklung ist schwer gestört. Das ist kein Einzelfall: Auch in Deutschland verzichtet, statistisch gesehen, nur eine von fünf Schwangeren auf Alkohol. Das Gläschen Sekt oder Bier kann ja nicht so schlimm sein. Aber natürlich trinkt auch das Baby jedes Glas mit: Und während sich bei der Mutter der Alkohol bereits abgebaut hat, wirkt er beim Baby noch immer nach, weil seine Leber noch nicht vollständig funktioniert.

Die Fakten: Alkohol ist immer Gift für das Baby, genauso wie Nikotin oder Drogen. Im Mutterleib wirkt Alkohol als Zellgift und kann die Zellteilung, Zell- und Organentwicklung empfindlich stören. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 10.000 Neugeborene mit Alkoholschäden zur Welt gebracht. Etwa 4.000 von ihnen haben das Vollbild des fetalen Alkoholsyndroms und sind lebenslang körperlich und geistig schwerbehindert. Das heißt, dass ihre Mutter in der Schwangerschaft viel und häufig Alkohol getrunken hat.

Die Schäden kann man nicht wieder gut machen

Aber wie viel Alkohol wirkt sich schädigend aus? Wo ist die Grenze? Eine allgemein gültige Regel gibt es nicht, und eine mögliche Schädigung hängt von vielen Faktoren ab. Daher ist die schwere Schädigung - FAS - eher relativ selten, aber die leichteren Schädigungen - FASD (Fetale Alkoholspektrum-Störungen) - relativ häufig. Auf der sicheren Seite ist also nur Diejenige, die in den neun vollen Monaten einfach gar keinen Alkohol trinkt.

Gerade im Land der Biertrinker fällt es oft schwer, der Versuchung zu widerstehen. Das Entspannungs-Bierchen am Abend oder das Gläschen zum Wohle der Gastgeber ist in Deutschland fast Standard. Das Problem für die Schwangere ist: Ihr Verhalten, ob positiv oder negativ, wirkt sich erst nach der Geburt aus. Das sind neun volle Monate, in denen sie nur ahnen kann, was sie bewirkt. Da hilft dann eigentlich nur der gesunde Menschenverstand und Information und Aufklärung.

Ich habe vor einiger Zeit ein Kind mit FAS kennengelernt, eine sehr sympathische Person mit schweren gesundheitlichen Störungen. Das Gemeine ist: Das Kind kann absolut nichts dafür, dass es diese "Krankheit" ein Leben lang mit sich herumträgt. Und ein ganzes langes Leben lang mit körperlichen und auch psychischen Problemen zu kämpfen hat. Wie soll man so etwas wiedergutmachen?

Anzeige