Alice Schwarzer feiert ihren 70. Geburtstag

Alice Schwarzer feiert ihren 70. Geburtstag
© dpa, Rolf Vennenbernd

Happy Birthday, Alice Schwarzer!

Sie hat sich nie gescheut, ihre Meinung öffentlich kundzutun, auch, wenn sie sich damit bei großen (meist männlichen) Teilen der Bevölkerung unbeliebt machte. Sie stand und steht immer zu dem, was sie für richtig und wichtig hielt. Und sie hat unser Bild von einem gleichberechtigten Frauenleben grundlegend geprägt: Die Grande Dame der Emanzipation, Alice Schwarzer, wird 70. Wir gratulieren!

Von Merle Wuttke

Vielleicht hatte Alice Schwarzer damals, als sie ein kleines Mädchen war und bei ihren Großeltern aufwuchs, irgendein Erlebnis, dass sie unbewusst geprägt hat und dass sie dazu brachte, später als junge Frau, die bisherige Ordnung der Geschlechter auf den Kopf stellen zu wollen. Eine Frau, die sich nicht länger damit abfinden wollte, dass Frauen zwar Pflichten aber längst nicht so viele Rechte wie Männer hatten, und die fand, dass Frauen dasselbe Lebensglück und dieselbe Erfüllung zustand wie dem anderen Geschlecht. Schließlich sammelte sie schon als Mädchen Erfahrung mit der Ungerechtigkeit des Lebens und den Vorurteilen der Anderen – Schwarzer wuchs als nichteheliches Kind auf.

Vielleicht lag es aber auch an ihrer Freundschaft mit Simone de Beauvoir, die sie mit 28 Jahren in Paris kennen lernte, dass sie einfach nicht weiter hinnehmen wollte, dass für Frauen andere Dinge zählen sollten als für Männer. Sie begann, für die Rechte von Prostituierten und gegen Pornografie zu kämpfen. Sie beschwor von nun an Frauen, ihr eigenes Geld zu verdienen, um sich unabhängig zu machen von den Männern. In der Männerrepublik der 70er Jahre und der folgenden Jahrzehnte wollte sie nicht nur etwas bewegen, sondern auch mitbestimmen.

Alice Schwarzer wird 70!

Alice Schwarzer ging immer voran. Um gegen die verstaubte Denke in den Köpfen der etablierten Meinungsmacher anzukommen und eine Stimme zu haben, die in der Öffentlichkeit gehört wird, gründet Schwarzer 1977 die Zeitschrift 'Emma', der sie

bis heute vorsteht.

Das zeigt, dass sie nicht nur über ein ungeheures Durchhaltevermögen verfügt, sondern auch, dass die Wörter „Aufhören“ oder "Aufgeben" nicht zu ihrem Wortschatz gehören. Das ist oft sehr gut, denn dadurch bleibt und ist Alice Schwarzer eine der Wenigen, die in Zeiten, in denen die Menschen gerade mal Kritik üben, wenn die Milch teurer wird, noch eine Haltung bewahrt.

Manchmal aber steht sie sich dadurch selbst im Weg - wie im letzten Jahr, als sie ausgerechnet für die BILD-Zeitung den Prozess um Jörg Kachelmann beobachtete und von Anfang an durch ihre Aussagen klar machte, dass sie diesen Prozess nicht objektiv betrachten kann und würde. Das zehrte an ihrer Glaubwürdigkeit, und einige sahen in ihr nur noch die dogmatische Altfeministin, die nicht von ihren Positionen abrücken will. Schade. Auch, weil ohnehin jüngere Frauen, die den Kampf um Gleichberechtigung nicht mehr selbst erlebt haben, Schwarzers Meinung und Kritik sowieso häufig als missionarisch und nicht mehr zeitgemäß empfinden. Dabei haben sie dieser Frau zu verdanken, dass sie heute so leben können wie sie leben – mit oder ohne Kinder. Mit Mann oder Frau. Als Vorstandsvorsitzende oder als Künstlerin. Als gleichberechtigte Frau. Alice Schwarzer, wir sagen Danke!

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