Alexa Iwan spricht über gesunde Ernährung und Abnehmen im TV

Alexa Iwan ist richtiges Essen sehr wichtig
Alexa Iwan achtet auf eine gesunde Ernährung

"Übergewicht ist nie ein reines "Essproblem""

Das RTL-Format "Alexa - Ich kämpfe gegen Ihre Kilos" geht den Gewichtsproblemen auf den Grund. Ernährungsexpertin Alexa Iwan zieht selbst bei den betroffenen Familien ein und verbringt Tage und Nächte mit ihnen, um ihre Situation hautnah mitzuerleben. Erst dann erstellt sie einen wissenschaftlich fundierten Aktionsplan und kontrolliert dessen Umsetzung. Dabei schreckt sie auch vor Extremfällen nicht zurück. Ihr geht es besonders darum, ein Gefühl gesunder Ernährung zu vermitteln.

Worum geht es genau im neuen Doku-Format?

„Ich versuche als Ernährungswissenschaftlerin und Foodcoach Familien zu helfen, in denen Kinder und möglicherweise auch Eltern übergewichtig sind. Es geht hier aber nicht um maximalen Gewichtsverlust in möglichst kurzer Zeit. Sondern es geht um eine positive Veränderung des Lebensstils: ausgewogenes Essen mit frischen Produkten, Mahlzeitenstruktur, Bewegung, Fernsehverhalten, Körperwahrnehmung und Verantwortung für die eigene Gesundheit erkennen. Solche Umstellungen brauchen Zeit. Und die Schritte dafür können nur so groß sein, wie die Betroffenen in der Lage sind, sie mitzugehen. Wir machen dabei keine Diät und niemand muss hungern. Es geht auch nicht um Charakterbewertung, ich mache niemandem einen Vorwurf, weil er dick ist. Ich versuche den Menschen zu zeigen, dass es Spaß macht und man sich gut fühlt, wenn man sich um sich selbst kümmert und sich gut ernährt.“

Ihr erster Fall führt Sie nach Berlin. Was ist an der Familie Schultheiß so spannend?

„In Berlin geht es um die alleinerziehende Mutter Sandra und ihren Sohn Frank. Sandra ist eine überaus sympathische Person und eine Frohnatur dazu -- aber sie hatte viel Pech und hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Nach zwei Unfällen war sie monatelang ans Bett und die Wohnung gefesselt. Aus Frust, Langeweile und um sich zu trösten, hat sie angefangen immer mehr zu essen und ständig nebenher zu naschen. Und ihr Sohn hat dabei fleißig mitgemacht. Sandra konnte ihm ja schlecht verbieten, was sie selbst vorlebte. Das Ergebnis: Sandra wog am Ende 105 kg und auch Frank war stark übergewichtig. Beide litten sehr unter ihrem Gewicht, haben aber alleine nie die Kurve bekommen, daran etwas zu ändern. Ich habe sehr intensiv mit den beiden gearbeitet und dabei sind auch eine Menge persönliche Dinge hochgekommen. Ich zolle Sandra großen Respekt, denn sie erzählt sehr offen und ehrlich mit welchen Einschränkungen im täglichen Leben adipöse Menschen zu kämpfen haben.“

Sie besuchen insgesamt sieben verschiedene Familien. Sind die Probleme da nicht ähnlich, die Menschen haben doch alle Übergewicht?

„Richtig, das Problem Übergewicht haben alle Familien, die ich besuche. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten dann auch schon auf. Übergewicht ist nie ein reines "Essproblem". Übergewicht kann aus den unterschiedlichsten Gründen entstehen. Und der Grund, warum ein Mensch es mit dem Essen übertreibt, ist nicht immer sofort ersichtlich. Übergewicht kann als Symptom gesehen werden, die wahren Ursachen liegen oft sehr tief und verborgen. Und genau das ist es, was ich zeigen möchte: übergewichtige Menschen sind nicht zwangsläufig willensschwach oder maßlos. Oft haben sie an anderen Stellen Probleme, wissen sich aber nicht zu helfen. Die x-te Diät und der Ratschlag "Iss' halt einfach nicht so viel" nützt diesen Menschen überhaupt nichts. Ich versuche immer, die gesamte Familiensituation zu betrachten. Was läuft schief? Warum fühlt sich jemand traurig, einsam, ungeliebt oder überfordert? Natürlich stelle ich auch die Ernährung in den Familien um, wir kochen viel und ich erzähle viel über gesunde Lebensmittel -- aber wir reden auch viel über ganz andere Dinge. Und deshalb ist jede neue Familie für mich auch immer wieder eine ganz neue Herausforderung.“

Viele Kilos führen oft zu Mobbing

Alexa Iwan im Interview
Alexa Iwan steht Rede und Antwort

Welche Geschichten erwarten die Zuschauer außerdem?

„Ich treffe zum Beispiel eine Familie, deren 12-jährige Tochter aufgrund ihres Übergewichts in der Schule massiv gemobbt wird. So etwas habe ich persönlich zuvor noch nie erlebt, das war wirklich ganz, ganz schlimm. Das Mädchen wäre an dieser Situation fast zerbrochen. Außerdem besuche ich eine Mutter, deren zwei Töchter sehr unter der Trennung vom Vater leiden und ihren Kummer mit Süßem ersticken. Eine Situation, die es wahrscheinlich tausendfach in Deutschland gibt. Und ich habe auch einen Fall, in dem die Mutter extrem adipös -- was für die beiden Zwillingstöchter sehr schwer ist. Natürlich lieben die Kinder ihre Mama, aber als Vorbild im Essverhalten taugt sie nicht und so zieht sie zumindest eine der Töchter mit in die Fettleibigkeit.“

Das Thema Abnehmen ist im TV sehr beliebt. Was unterscheidet Ihre Sendung von anderen Shows?

"Diese Sendung ist keine Show, sondern der ernsthafte Versuch Menschen mit starkem Übergewicht zu helfen. Vor allem Kindern. Wir haben mit der Produktion der Sendung vor gut einem Jahr begonnen. Ich arbeite bereits seit mehreren Monaten mit den Familien. Es geht nicht um einen maximalen Gewichtsverlust in möglichst kurzer Zeit, sondern um echte Verhaltensänderungen. Und das braucht Zeit."

Ist die Fettleibigkeit bei Kindern generell ein Problem in Deutschland?

„Ja, ein großes. Nach der KIGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig, 800.000 von ihnen sind adipös (fettleibig). Ein sehr großer Teil dieser Kinder wird zu übergewichtigen Erwachsenen heranwachsen mit allen gesundheitlichen Folgen wie Diabetes Typ 2, wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder orthopädischen Problemen. Nicht zu vergessen auch die seelischen Probleme, mit denen übergewichtige Kinder häufig zu kämpfen haben. All diese Kinder und Jugendlichen brauchen unbedingt Hilfe.“

Was machen die meisten Menschen falsch in der Ernährung?

„Häufig wird nur über Kalorien nachgedacht, aber zu wenig über das, was qualitätsmäßig auf dem Teller landet. Dabei ist eine vernünftige Ernährung die beste Investition in sich selbst! Ich wünschte, es würde genauso intensiv über Essen diskutiert wie über Fußballspiele... Klar ist, dass die Menschen heute weniger Zeit für die Mahlzeitenzubereitung haben als früher, und wir werden das Rad der Geschichte auch nicht zurück drehen. Aber ich bin kein Freund des immer größer werdenden Angebots an Fertigprodukten. Viele Verbraucher können im Supermarkt nicht mehr zwischen "gut" und "schlecht" unterscheiden, weil alle Packungen behaupten, ihr Inhalt sei gesund. Und damit sind wir genau bei der Frage, über die es sich nachzudenken lohnt: Wollen wir unsere Ernährung - und damit unsere Gesundheit - wirklich aus der Hand geben? Ich finde: Ab und zu ist das okay - aber nicht ständig und nicht bei jeder Mahlzeit.“

Gab es in Ihrem Leben ein Schlüsselerlebnis, oder warum liegt Ihnen dieses Thema so am Herzen?

„Mein Interesse für Kochen und Küche hat sich als Schülerin entwickelt. Die Freundin meines Klassenlehrers arbeitete damals in der Versuchsküche der Zeitschrift "essen & trinken". Das fand ich toll. Ich selbst habe damals schon leidenschaftlich gern gebacken und zwar so viel, dass unsere Familie gar nicht alles essen konnte. Also habe ich die Kuchen in der Nachbarschaft verkauft und so mein Taschengeld aufgebessert. Mit 16 habe ich dann die Bücher von Dr. Bruker entdeckt, ein Vollwert-Pionier, und 'gefressen'. Ab dem Zeitpunkt war klar, dass ich Ernährungswissenschaft studieren würde.“

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