TIERE TIERE

Albtraum beim Waldspaziergang: Jäger erschießt Therapiehund Ildiko

Gejagt habe Ildiko auf keinen Fall

Bettina Lübbers geht mit ihrem Hund Ildiko, einem ausgebildeten Therapiehund, im Wald spazieren - da fallen plötzlich Schüsse. Das Tier bricht vor den Augen seines Frauchens tot zusammen. Ein Jäger hat den Hund erschossen, weil der Vierbeiner Wild gejagt haben soll. Krankenschwester Bettina Lübbers wiederspricht dieser Darstellung.

Fast täglich besucht sie mit ihrem neuen Hund Trudys die Stelle, an der ihre Schäferhündin Ildiko gestorben ist: "Wir hatten sie kurz nicht im Blick, dann hörten wir einen Schuss und dann fiel fast unmittelbar der zweite Schuss. Ildiko brach zusammen und hat sich noch ein paar Meter zu uns geschleppt", erinnert sich die Krankenschwester. Ildiko war ein Alzheimer und Demenztherapie-Hund. Ausgebildet von seinem Frauchen konnte er älteren Menschen zum Beispiel im Alltag helfen. Die Hündin hört stets aufs Wort. Dass sie Wildtiere gejagt haben soll und deshalb sterben musste, kann Bettina Lübbers bis heute nicht verstehen.

"Das war für mich und meinen Sohn ein traumatisches Erlebnis, ganz schlimm. Das hat sich für mich angefühlt wie Krieg - nur wir standen auf der Verliererseite. Er hat ein Familienmitglied von uns getötet und er hat es ganz klar ausgenutzt, dass er die Macht hatte, uns weiter zu bedrohen", sagt Bettina Lübbers. Der Mann zwingt Bettina Lübbers und ihren damals 12-jährigen Sohn, den Hund vor Ort zu begraben. Laut Gesetz ist es Jägern erlaubt, auf Haustiere zu schießen. Doch nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. "Der Abschuss eines wildernden Hundes ist sozusagen die Ultima Ratio. Die letzte Möglichkeit, den Hund vom Wildern abzuhalten, wenn nicht bekannt ist, wem der Hund gehört", sagt Jürgen Thies vom Landesjagdverband NRW.

Der Jäger wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern. Das Amtsgericht Neuss sprach ihn schuldig wegen Verstoßes gegen das Jagdgesetz. 1.600 Euro musste er zahlen. Seinen Jagdschein darf er aber behalten. "Die Tötung eines Hundes ist bei uns Sachbeschädigung und bei einer Sachbeschädigung ist es nicht möglich, als Nebenkläger aufzutreten", sagt Bettina Lübbers‘ Rechtsanwalt Christian Genzow.

Bettina Lübbers will sich jetzt dafür einsetzen, dass man gar nicht mehr auf Hunde und Katzen schießen darf oder - wie in ihrem Fall - härtere Strafen ausgesprochen werden. Das wäre nur ein kleiner Trost dafür, dass ihre geliebte Hündin nicht mehr an ihrer Seite ist.

Anzeige