Akif Pirinçci pöbelt: "Selbstverwirklichung funktioniert beim Weibe nun mal nicht“

Akif Pirinçci pöbelt: "Selbstverwirklichung funktioniert beim Weibe nun mal nicht“
© picture-alliance/ dpa, Ursula Düren

Kritik an Akif Pirinçcis Thesen

Wenn alternde Männer unzufrieden sind und Bücher schreiben, wird es gefährlich. Oft verzapfen sie schlimmen Unfug. Wie der deutsch-türkische Autor Akif Pirinçcis der eine hirnlose Polemik gegen Frauen, Homosexuelle und Migranten verfasst hat, die sich leider gut verkauft.

Von Christiane Mitatselis

Akif Pirinçci (54) ist ein türkischstämmiger deutscher Autor, der sich mit Katzenkrimis einen Namen gemacht hat. Leider hat er das Metier gewechselt und eine Kampfschrift verfasst. Er scheint von Unzufriedenheit so sehr zerfressen zu sein, dass er seinen Frust einmal rauslassen musste. Anstatt Klowände mit seinen Parolen zu bekritzeln, schrieb er aber ein Buch – und fand dafür trotz dessen bedenklich hetzerischen Inhalts einen Verleger.

In "Deutschland von Sinnen" pöbelt Pirinçci in erster Linie gegen Feminismus, Homosexuelle und renitente Migranten. Sein Tenor, den er über weite Strecken in Fäkalsprache vorträgt: Frauen hätten zu viele Rechte und seien keine echten Frauen mehr Zitat: "Selbstverwirklichung funktioniert beim Weibe nun mal nicht." Schwule und Lesben wollten andere Menschen dadurch verderben, dass sie ihnen ihre Sexualität aufdrängten, Migranten würden gern kriminell und nutzten die Weichei-Toleranz des deutschen Staates nur aus. Außerdem breite sich der Islam aus. Und dann gibt es seiner Meinung nach noch eine linke Mainstream-Presse, die dies unterstütze und einen gute Normal-Bürger wie den Autor daran hindere, normal zu sein.

Pirinçci gibt den Thilo Sarrazin für Besoffene

Pirinçci ist völlig von Sinnen und gibt den Thilo Sarrazin für Besoffene. Besonders ausfällig wird der Schreiber gegen taz-Redakteurinnen, denen er empfiehlt, sein (angeblich überdimensionales) Genital zu lutschen.

Das Buch ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde, leider verkauft es sich. Bei Amazon liegt es weit oben in der Bestsellerliste und bekommt dort auch viele positive Kritiken. In rechtslastigen Foren wird dazu aufgefordert, sich bei Amazon einzuloggen und das Buch zu loben.

Das ist bedenklich, denn was sind die Konsequenzen aus diesen Pöbeleien? Frauen per Dekret wieder an den Herd, Wiedereinführung des Mutterordens? Homosexualität zur Straftat erklären? Vielleicht sollte man zudem nicht alle Menschen gleich behandeln und Migranten härter bestrafen, wenn sie mit dem Gesetz in Konflikt geraten? Aber hatten wir das nicht alles schon einmal in Deutschland? Sollten wir nicht vor allem froh sein, dass wir uns eine einigermaßen tolerante Sozialordnung erkämpft und erarbeitet haben?

Im Grunde müsste das deutsche Nazireich das Paradies des Autors sein. Oder vielleicht ein Land wie Saudi-Arabien, in dem Frauen noch nicht einmal Autofahren dürfen und Homosexualität streng verboten ist.

Der Autor differenziert nicht, er schreit einfach nur seinen Hass hinaus. Es ist hilfloses Gebrüll eines frustrierten, alternden Mannes, der gern ein kerniger Macho wäre, das aber offensichtlich nicht hinbekommt. Anstatt sich anzustrengen und sich vielleicht im Fitness-Studio ein paar Muskeln anzutrainieren, schlägt er verbal um sich. Es muss ihm sehr schlecht gehen. Wie er schreibt, hat ihn seine Frau verlassen. Sie wird ihre Gründe gehabt haben.

Anzeige