Ägyptischer TV-Sender zeigt nur vollverschleierte Frauen

Maria-TV: Frauen nur im Vollschleier
Maria-TV: Frauen nur im Vollschleier © REUTERS, MOHAMED ABD EL GHANY

Fernsehbilder nur mit Vollschleier 'Niqab'

Man könnte meinen, es sei ein Witz: In Ägypten gibt es einen privaten Fernsehsender, in dem ausschließlich voll verschleierte Frauen arbeiten - vor und hinter der Kamera. Sechs Stunden täglich sendet Maria-TV aus einem Kairoer Studio.

Von Christiane Mitatselis

Die Frauen, die bei dem Sender angestellt sind, tragen einen so genannten Niqab. Einen schwarzen Schleier, der nur einen Schlitz für die Augen freilässt. Zudem hüllen sie sich in ein weites Gewand, das ihre Körperformen nicht einmal andeutet. Maria-TV ist reine Frauensache. Männer dürfen sich im Studio nicht blicken lassen und noch nicht einmal bei Telefonaktionen anrufen.

Das Fernsehstudio befindet sich in einem kleinen Apartment in Kairo, die vollverschleierten Moderatorinnen lesen an einem hölzernen Wohnzimmertisch sitzend ihre Nachrichten vor - im Hintergrund gemusterte Gardinen. Das Ganze ist ein sehr komischer Anblick, der aus einem Monty-Python-Film stammen könnte. Doch es ist bitterer Ernst.

Vollschleier als Symbol für die neue Religionsfreiheit?

Nach dem Sturz des Potentaten Mubarak im Februar 2011 befinden sich die religiös-konservativen Kräfte im Land am Nil im Aufwind. Der neue Präsident Mohammed Mursi gehört zu den Muslimbrüdern, die unter Mubarak in der Opposition waren.

Die Predigerin El-Sheikha Safaa Refai, die das Maria-TV-Studio leitet, meint, allein die Existenz des Senders zeige, wie weit das Land schon gekommen sei. "Auch Frauen, die einen Niqab tragen, können erfolgreich sein", jubiliert sie. Unter Mubarak wäre Maria-TV nicht möglich gewesen, er verbot sogar den Stewardessen von Egypt Air, das in Ägypten weiter verbreitete Kopftuch zu tragen.

Der Niqab ist dagegen bisher nicht sehr populär. Bis in die 90er Jahre war er fast unbekannt. Er stammt aus den Golfstaaten, aus Ländern wie Saudi-Arabien, in dem Frauen keine Rechte haben und noch nicht einmal Autofahren dürfen. Ägyptische Gastarbeiter, die mit saudischen Frauen an den Nil zurückkehrten, brachten das Kleidungsstück nach Ägypten.

Es gibt sogar streng Religiöse, die ihn ablehnen. So forderte der Scheich Muhammad Tantawi, eine der größten Rechtsautoritäten des sumnitischen Islam, im Jahr 2009 eine Studentin der Kairoer Al-Azhar-Universität auf, den Niqab abzulegen. Diese Art der Verschleierung sei eine Tradition und stelle für gläubige Muslime keine Pflicht dar, sagte er.

Die Muslimbrüder finden den Niqab dagegen toll, denn sie sehen in ihm - wie sich auch in den Worten Studioleiterin andeutet - ein Symbol der neuen Religionsfreiheit.

Wie es in Ägypten weitergeht, weiß niemand. Man kann nur hoffen, dass die Muslimbrüder auch die Freiheit des Individuums respektieren und Frauen nicht wie in Saudi-Arabien dazu zwingen, sich von Kopf bis Fuß zu verschleiern.

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