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Aggressive Kinder: Wenn Mütter Angst vor dem eigenen Kind haben

"Er macht das ganze Haus kaputt"

Trotzige Kinder sind vielen Eltern ein Begriff. Doch was, wenn das eigene Kind an unkontrollierbaren Wutausbrüchen leidet und sogar gewalttätig wird? So geht es dieser Familie, deren Haus in Preston nahe Manchester einer Abriss-Bude gleicht. Aber es zu renovieren macht für die Eltern Tracey und Steve keinen Sinn. Denn täglich kommen neue Löcher in den Wänden hinzu. "Er macht das ganze Haus kaputt, er schmeißt Sachen durch die Gegend und bedroht mich mit Messern." Die Rede ist von einem zehn Jahre alte Jungen. Robert ist gewalttätig. Und zwar nicht nur den Wänden gegenüber.

Als Robert drei Jahre alt war, begannen seine Wutausbrüche. "Es fühlt sich an, als ob jemand anderes in meinem Körper ist und die Kontrolle übernimmt. Und dann werde ich wütend", sagt er. "Ich beschimpfe Menschen und werfe Sachen nach ihnen, manchmal fühle ich mich deswegen schlecht, manchmal nicht." Seit Robert seine Mutter sogar einmal mit einem Messer bedrohte, hat Tracey Angst. Angst vor ihrem eigenen Kind.

Die Therapie schlägt an

"Das ist meine Schlafzimmertür. Wir haben Schlösser angebracht, damit ich mich schützen kann, falls er gewalttätig wird." Und das passiert fast täglich. Roberts Mutter und sein Stiefvater sind so verzweifelt, dass sie sich Hilfe suchen. Gemeinsam mit einer Therapeutin wollen sie herausfinden, warum der Junge so aggressiv ist.

Schon beim Ausfüllen des Fragebogens wird klar, mit welchen Problemen der Zehnjährige zu kämpfen hat. Er wurde offenbar von seinem leiblichen Vater missbraucht, geschlagen. Die Therapeutin Ann Ramsden sagt: "Kinder machen das nach, was sie sehen. Sie lernen von den Menschen um sich herum, wie sie sich verhalten sollen."

Und da Robert von seinem Vater schon früh geschlagen wurde, hat er dieses Verhalten übernommen. Die beiden müssen jetzt wieder lernen, Vertrauen aufzubauen. Gemeinsame Aktivitäten sind wichtig.

Die zwei Monate dauernde Therapie zeigt Wirkung: Roberts Aggressionen sind weniger geworden. Der Stiefvater unternimmt mehr mit ihm. Der Zehnjährige wirkt ausgeglichener. "Ich bin glücklich, dass wir mehr zusammen machen. Ich denke, er versteht mich und mein Verhalten auch besser".

Der Stiefvater blickt einigermaßen optimistisch in die Zukunft: "Wir haben die große Hoffnung, dass es immer besser wird."

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