Afghanistan: Vergewaltigte Frau muss Peiniger heiraten!

Afghanistan: Vergewaltigte Frau muss Peiniger heiraten!
???? © dpa, EVERT-JAN DANIELS

Frau in Afghanistan muss Vergewaltiger heiraten

"Frau heiratet ihren Vergewaltiger!" Das hört sich schon unglaublich an. Die Geschichte hinter diesem Satz ist allerdings so unfassbar, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das wirklich so passiert! Und je mehr man darüber erfährt, umso schlimmer wird es. Eine junge Afghanin wurde von einem Verwandten vergewaltigt. Und nicht er, sondern sie wurde dafür ins Gefängnis gesperrt!

Von Dagmar Baumgarten

Der Grund: Sie habe Ehebruch begangen. Es war der Ehemann ihrer Cousine, der sie als 19-Jährige vergewaltigt hat. Und in einem Land, wo Frauen gar nichts wert sind, darf man eine Frau nicht nur vergewaltigen, sondern auch noch dafür bestrafen! Zwölf Jahre Haft lautete damals das Urteil des natürlich rein männlichen Gerichts! Die junge Frau wurde schwanger, und bekam im Gefängnis eine Tochter. Weil der Fall ungewollte Aufmerksamkeit erregte, wollte man sich gnädig zeigen. Der jungen Mutter wurde die Freilassung in Aussicht gestellt. Allerdings unter einer absurden Bedingung: Sie muss ihren einstigen Vergewaltiger heiraten. Dann wäre auch ihre Tochter endlich rehabilitiert. Denn das Baby, das als Mädchen ja ohnehin nicht so viel wert ist, gilt als Schandfleck.

Dieser Fall ist kein abstruses Einzelschicksal. Er wurde nur bekannt, weil die Frau für eine Dokumentation gedreht worden ist. In diesem von der EU geförderten Projekt sollte das Schicksal von weiblichen Häftlingen beleuchtet werden, die wegen sogenannter "moralischen Vergehen" in Gefängnissen sitzen. Der Film wurde mittlerweile zurückgezogen, weil die EU sich Sorgen um die Sicherheit der porträtierten Frauen macht. Eine Entscheidung, die Menschenrechtler heftig kritisieren. Ohne internationale Aufmerksamkeit haben die selbstherrlichen Hüter der menschenverachtenden Moral überhaupt keinen Grund irgendetwas zu ändern.

Zwangsheirat nach Vergewaltigung in Afghanistan

Denn nur, weil es plötzlich internationale Reaktionen gab, hat sich der afghanische Präsident Karzaj plötzlich persönlich um den Fall gekümmert. Aus den ursprünglichen 12 Jahren Haft wurde deshalb Begnadigung. Allerdings eben unter der absurden Anordnung, ihren Vergewaltiger zu heiraten. Schließlich will die "Justiz" ja nicht ihr Gesicht verlieren. Offiziell gibt es natürlich keine Ehe-Erpressung! Der Sprecher des Präsidenten behauptet natürlich, dass die Frau dieser Hochzeit freiwillig zustimmen würde. Eine Lüge! Denn der Anwältin Kimberly Motley hat die mittlerweile 21-Jährige wohl gesagt, dass sie ihren Peiniger niemals heiraten würde, wenn sie die Wahl hätte. Allerdings haben Frauen in einem solchen Land mit einer solchen Rechtsprechung keine Wahl. Und so stimmte die Frau wohl zu, allerdings unter der Bedingung, dass ihr eigener Bruder die Schwester ihres Vergewaltigers heiratet. Nur so sieht sie wohl eine Chance, dass sie keinen weiteren Angriffen mehr ausgesetzt ist.

Gewalt gegen Frauen ist in der afghanischen Gesellschaft immer noch weit verbreitet. Alleine für das zweite Quartal hat die unabhängige Menschenrechtskommission übe 1.000 Fälle verzeichnet. Fälle wie der de 17-jährigen Mumta. Bewaffnete Täter drangen in das Haus ihrer Familie ein, und verprügelten ihre Familie. Anschließend verätzten sie ihr Gesicht und das ihrer Mutter mit Säure. Der Hintergrund: Sie hat den Heiratsantrag eines ehemaligen Milizkommandeurs abgewiesen. In diesem Land hat sich offensichtlich nicht viel verändert, seitdem die Taliban nicht mehr an der Macht sind. Nicht nur die Deutschen haben sich militärisch sehr in diesem Land engagiert. Einem Land, das aufgrund seiner Rohstoffe sehr interessant ist. Wieso mischen wir uns nicht viel mehr in die dringendsten Menschenrechtsfragen ein?

Anzeige