Adoption: Zwei Frauen treffen sich zufällig in der Universität und stellen fest, dass sie Schwestern sind

"Ich glaube, wir sind Schwestern"

Als sich Lizzie Valverde und Katy Olson im Januar 2013 in der Columbia University in New York kennengelernt haben, hatten sie ein paar Gemeinsamkeiten: Sie waren beide bereits über 30, als sie ihr Studium begonnen haben und beide studierten 'Kreatives Schreiben'. Doch in der Vorstellungsrunde in ihrem Kurs kamen noch andere Gemeinsamkeiten ans Licht: Die beiden fremden Frauen waren Schwestern.

Am ersten Tag in der Uni sollten sich die Studenten vorstellen. Lizzie Valverde erzählte unter anderem, dass sie adoptiert wurde und selber Mutter einer kleinen Tochter ist. Eine Studentin verlor während ihrer Vorstellung vollkommen die Fassung. "Es sah als, ob sie eine Panikattacke hätte", beschrieb Valverde der 'New York Times'. Diese Studentin war Katy Olson. Denn alles, was Valverde erzählte, passte nämlich zu dem, was sie erst kurz vorher über ihre Adoption und ihre biologische Familie erfahren hatte.

Olson hatte sogar schon versucht, ihre leibliche Schwester online zu kontaktieren, doch ohne Ergebnis. Olson nahm ihren ganzen Mut zusammen und sprach Valverde nach der Vorlesung an. Sie stellte viele persönliche Fragen und kam schließlich zu der Schlussfolgerung: "Ich glaube, wir sind Schwestern." Valverde, die gar nicht wusste, dass sie eine leibliche Schwester hat, war sehr irritiert.

Großes Wiedersehen mit der gemeinsamen Mutter

Die beiden Frauen gingen in eine Bar, bestellten sich Bier, quatschten stundenlang und tauschten sich aus. Valverde, die heute 35 Jahre und damit ein Jahr älter als Olson ist, erzählte ihrer jüngeren Schwester, dass sie ihre leibliche Mutter ausfindig gemacht und sie sogar einmal getroffen hatte. Die beiden Schwestern stellten den Kontakt zu ihrer Mutter Leslie Parker in Florida her. Für sie ging ihr größter Wunsch in Erfüllung: "Ich fühlte mich, als sei wieder alles wie vorher."

Sie war als Teenager zweimal schwanger geworden und hatte sich dazu entschieden, die Babys zur Adoption freizugeben. "Ich war einfach nicht in der richtigen Lage, um sie großzuziehen. Wären sie bei mir geblieben, hätten sie nicht die Möglichkeiten gehabt, die ihre Adoptiveltern ihnen gegeben haben", erklärte Parker im Interview mit der 'New York Times'. "Sie sind großartige, hübsche junge Frauen. Ich sehe in ihnen, was ich hätte werden können. Sie leben beide das Leben, das ich gerne geführt hätte." Die 54-Jährige wäre gern Schriftstellerin geworden, aber sie hatte ein schweres Leben, das von Armut, Drogen und emotionalen Problemen geprägt war. "Ich bin froh, dass sich sie bekommen habe und ihnen eine Chance im Leben gegeben habe."

Die beiden Schwestern wuchsen sehr unterschiedlich auf. Valverde lebte in New Jersey, ihr Vater war Redakteur bei einem Nachrichtensender. Olson wuchs in Florida und Iowa auf. Sie hat eine leichte Form von zerebraler Kinderlähmung, die vor allem in ihrer Kindheit Einschränkungen und medizinische Eingriffe mit sich brachte. Am 18. Mai 2015 wird Lizzie Valverde ihren Bachelor-Abschluss in dem Fach 'Kreatives Schreiben' machen. Ihre Schwester hat diesen Abschluss bereits letztes Jahr gemacht und macht gerade ihren Master. Zu Valverdes Abschlussfeier wird neben ihrer Schwester auch ihre Mutter kommen. "Wenn man nicht an eine höhere Kraft glaubt, tut man es, nachdem man diese Geschichte gehört hat", findet Parker.

Anzeige