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Adoption ohne Liebe: Adoption rückgängig machen

Adoption: Eine Frau gibt ihr Kind zurück
Wenn eine Adoption zum Problem wird. © Damir Cudic

Adoption: Eine Frau gibt ihr Kind zurück

Angesichts des Elends und der Hoffnungslosigkeit vieler verwaister Kinder denken viele Menschen über eine mögliche Adoption nach. Sie wollen helfen, Chancen bieten, Liebe schenken. Aber nicht immer endet eine Adoption mit dem Glück, das man durch sie ermöglichen wollte - wie im Fall der Amerikanerin Anita Tedaldi.

Von Merle Wuttke

Anita Tedaldi wirkt nicht wie eine Frau, die Dinge überstürzt angeht. Im Gegenteil, die US-Journalistin arbeitet, hat fünf leibliche Töchter zu versorgen und einen Soldaten zum Mann, der die meiste Zeit auf Auslandseinsätzen ist. Wer solch einen Alltag zu bewältigen hat, der kann nur überlegt und gewissenhaft sein. Deswegen glaubt man Anita Tedaldi, die einen eigenen Blog führt, sofort, wenn sie sagt, dass sie sich die Adoption ihres Sohnes "D." gut überlegt hat. Und man bleibt umso verstörter zurück, wenn man erfährt, dass sie das Kind nach 18 Monaten im Alter von zweieinhalb Jahren in eine fremde Familie abgab, weil sie es nicht schaffte, ihn voll und ganz anzunehmen.

Eine Adoption kann Probleme verursachen

"D.", wie der kleine Junge zu seinem eigenen Schutz in den Texten genannt wird, kommt mit einem knappen Jahr in die siebenköpfige Familie Tedaldi. Er stammt aus Südamerika, wurde am Straßenrand gefunden, ist unterernährt und hat kaum Kraft in den Beinen, sein Hinterkopf ist flach vom ständigen Liegen. Und der Kleine isst seine eigenen Fäkalien - eine Folge der Vernachlässigung durch die leiblichen Eltern. Anita Tedaldi schrecken diese Probleme nicht. Sie hat viel über Adoptivkinder und ihre Bedürfnisse gelesen. Sie holt sich Unterstützung durch eine Sozialarbeiterin, den Kinderarzt und einen Therapeuten.

Sie versucht alles, um "D." ein liebevolles Zuhause zu geben. Sie ist jedoch mit ihm und seinen Problemen heillos überfordert. Hinzu kommt, dass der Junge weder zu seinem Adoptivvater (der kaum zu Hause ist) noch zu seinen Stiefschwestern eine emotionale Bindung aufbaut - diese umgekehrt aber auch nicht zu ihm. Als er an seinem letzten Tag das Haus verlässt, schauen die Mädchen lieber "Sponge-Bob" im Fernsehen.

Heute gibt es im Haus Tedaldi kein einziges Zeichen mehr dafür, dass hier mal ein kleiner Junge lebte. Seine Fotos und seine Kleidung wurden verstaut, bzw. gespendet. Lediglich Anita Tedaldi trägt ein Bild von "D." in ihrem Portemonaie. Es wird sie immer daran erinnern, dass egal, wie sehr man sich bemüht, Liebe und Glück nicht erzwingen lassen.

Kommentieren Sie: Darf man eine Adoption einfach beenden?

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