Adidas stoppt Verkauf von sexistischen WM-Shirts

Adidas stoppt Verkauf von sexistischen WM-Shirts
© picture alliance / dpa, Peter Maiden

Fördern WM-Shirts wirklich den Sex-Tourismus?

Eigentlich müsste man sich jetzt wahnsinnig darüber aufregen: Ein großer fränkischer Sportartikel-Hersteller (nebenher auch einer der Hauptsponsoren der nahenden Fußball-WM) hat Fan-T-Shirts entworfen, die deutlich unter die Gürtellinie gehen. Das eine zeigt ein Bikini-Mädchen, über dem der Schriftzug 'Lookin to score' prangt - 'Ich will ihn reinmachen'. Ha! Ha! Ha! Auf dem anderen T-Shirt: 'I Love Brazil'. Nur, dass da nicht love steht, sondern ein Herzchen gemalt ist - eindeutig in Form eines Pos. Ha! Ha! Aber andererseits können wir uns auch freuen: Der Verkauf der T-Shirts wurde nämlich wegen Sexismus-Vorwürfen gestoppt. Das brasilianische Fremdenverkehrsamt bat den wichtigen Sponsor, die T-Shirts einzustampfen. Begründung: Sie würden den Sex-Tourismus fördern.

Von Ursula Willimsky

Und diese Form von Tourismus will man nicht in Brasilien. Im letzten Jahrzehnt wurde das Land von allein reisenden Herren als lohnendes Ziel entdeckt. Bei 'TourismWatch', einer Seite des Evangelischen Entwicklungsdienstes, ist nachzulesen, was die Alleinreisenden in Brasilien häufig suchen: Junge Frauen, die sich ihnen als "Reisebegleiterinnen" anbieten. Aus Armut, aus Perspektivlosigkeit. Und vielleicht auch aus der Hoffnung heraus, dass einer der blonden Prinzen sie mitnimmt ins reiche Europa. Und sie dort auch leben dürfen, wenn das dreimonatige Tourismus-Visum abgelaufen ist.

Brasilien ist zwar inzwischen die sechststärkste Wirtschaftsmacht der Welt. Aber dass es in diesem Schwellenland große Armut gibt mit gravierenden Folgen für die Menschen, auch das dürfte bekannt sein. Da war doch was, zum Beispiel mit Massenprotesten gegen überteuerte Bauten… Oder über Lebensbedingungen in Favelas und armen ländlichen Regionen.

Naja, kann man schon mal überlesen. Das Fremdenverkehrsamt jedenfalls hat seinen Unmut über die T-Shirts laut geäußert - auch auf die Gefahr hin, einen großen Geldgeber zu verärgern. "Nationale Symbole" würden "mit Zeichnungen, die sexuelle Konnotationen haben" verbunden. Wobei man sich streng genommen ja auch über die Zeichnungen echauffieren dürfte, wenn sie nicht mit nationalen Symbolen verbunden wären. Sexismus ist ja international und länderunabhängig. Und die Empörung darüber auch. Aber jetzt geht’s nun mal um das Land der endlosen Strände und wichtigen Fußballspiele.

Eine Botschaft muss man nicht immer hinnehmen

Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rouseff twitterte: "Brasilien empfängt gerne Touristen zur WM, ist aber auch bereit, gegen Sextourismus vorzugehen." Die Franken scorten mit schneller Einsicht: Adidas zog das T-Shirt wenige Stunden später zurück. Es habe sich ohnehin nur um eine limitierte Auflage gehandelt. Und die wäre auch nur in den USA erhältlich gewesen.

Das wiederum bringt jetzt uns ins Grübeln: Wären die T-Shirts anders zu beurteilen, wenn sie für den europäischen Markt bestimmt gewesen wären? Hat man wegen all der europäischen Zicken - und zu befürchtenden Shitstorms - von vorneherein darauf verzichtet, die Leibchen hierzulande anzubieten?

Vielleicht hat man sich aber auch in der zuständigen Design-Abteilung über so etwas überhaupt keine Gedanken gemacht, und ist unbeschwert vom Ballast aktueller gesellschaftlicher Debatten einfach mal frisch ans Werk gegangen. Subba Shirt! Voll lustig!

Dabei hätte man spätestens nach einem Shitstorm gegen ein pinkes Mädchen-T-Shirt mit dem lustigen Aufdruck 'In Mathe bin ich nur Deko' wissen können, dass manche Menschen Botschaften auf T-Shirts als solches sehen: Als Botschaften nämlich. Die man nicht immer einfach so hinnehmen muss.

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