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ADHS: Was ist das eigentlich?

AD/HS-Kinder ADS ADHS
Kein Hirnschaden, aber eine kleine Störung zweier Regelkreise im Gehirn, so sehen Forscher heute AD/HS. © picture-alliance / dpa, Matthias_Hiekel

Warum ADHS-Kinder einfach nicht anders können.

Warum ist mein Kind eigentlich so anders, so schwierig und so anstrengend, wird manche Mutter und mancher Vater sich öfter einmal fragen. Warum kann es nicht so sein wie andere Kinder?

Ruhig, aufmerksam, konzentriert und geschickt, so wünschen sich Eltern ihre Kinder und deshalb stellen AD/HS-Kinder ihre Eltern immer wieder auf eine harte Probe.

Der aktuelle Stand der Wissenschaft ordnet AD/HS in die Krankheiten mit sogenannter striatofrontaler Dysfunktion ein. Auf Deutsch: Betroffen sind Regelkreise im Gehirn, die das Zusammenwirken von Motivation, Gefühlen, Wahrnehmung und dem Bewegungsverhalten auf Ebene der Nerven organisieren und steuern.

Es handelt sich aber nicht um eine Hirnschädigung, sondern um eine Funktionsstörung. Die Verständigung zwischen den einzelnen Bereichen ist bei AD/HS-Patienten nicht gut ausbalanciert.

Regelkreis-Steuerung aus dem Ruder

Vereinfacht ausgedrückt geht es um zwei betroffene Regelkreise: Einen, der ‚Gas gibt‘ und einen, der bremst. Im Idealfall entscheidet bei uns Menschen der Wille oder die Erfahrung, wann und wie sehr gebremst oder Gas gegeben wird. Dass das selbst gesunden Menschen nicht immer gelingt, dass wir kleine und größere Dummheiten begehen oder uns nicht zu etwas aufraffen können, diese Erfahrung muss jeder von uns fast täglich machen.

Diese beiden Regelkreise sind sehr komplex. Es heißt nicht einfach ‚GO!‘ und ‚STOPP!‘ . Ein Beispiel: der ‚GO!‘ -Regelkreis wendet sich zunächst an eine Bremse, die auf einen Hemmer-Botenstoff wirkt, der durch eingeschränkte Produktion endlich einem ‚GO!‘-Botenstoff die Oberhand überlässt. Beim bremsenden Regelkreis sind sogar noch drei weitere Zwischenstationen eingeschaltet. Um das Ganze komplett unübersichtlich zu machen, wirken beide Regelkreise auch noch direkt aufeinander ein. Jetzt wird klar, wieso es schwierig ist, AD/HS mit Medikamenten in den Griff zu kriegen und wieso Betroffene einfach nicht anders können.

AD/HS-Kinder haben meist eine sehr genaue Einsicht, dass ihr Verhalten nicht angemessen ist oder dass es die Mitmenschen nervt. Leider können sie es nicht so einfach ändern. Das führt dazu, dass AD/HS-Patienten, die nicht gut betreut und behandelt werden, oft psychisch erkranken. Sie können Depressionen, Angststörungen und soziale Phobien entwickeln.

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