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ADHS: Schlafstörungen werden oft falsch als ADHS diagnostiziert

Kein ADHS? Jedes 5. Kind leidet unter Schlafstörungen

Immer mehr Kinder sind hyperaktiv, zappeln herum und können sich kaum konzentrieren. Und immer häufiger wird von Ärzten die Diagnose ADHS ausgesprochen. Oft zu Unrecht. Denn die Hyperaktivität bei Kindern kann auch einen ganz anderen Grund haben: Schlafmangel. Darunter leidet bereits jedes 5. Kind in Deutschland.

ADHS und Schlafstörungen - oft kein Zusammenhang
ADHS: Schlafstörungen hat jedes 5. Kind - doch nicht immer kann die Diagnose ADHS ausgesprochen werden. © LVDESIGN - Fotolia

Ärzte warnen, dass die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS oft, aber noch lange nicht immer Ursache für das rastlose, aufgekratzte Verhalten von Kindern und Jugendlichen ist. So sei bei etwa 20-25 Prozent der Kleinen vielmehr Schlafmangel die Ursache für ihre Hyperaktivität.

Schlafstörungen bei Kindern äußern sich im Alltag anders als bei Erwachsenen, weswegen sie häufig gar nicht erkannt werden. Für eine Studie der Uni Köln wurden etwa 13.000 Eltern und deren Kinder über einen Zeitraum von vier Jahren beobachtet. Etwa ein Drittel der Eltern hatte die Schlafstörungen ihrer Kinder überhaupt nicht wahrgenommen.

Während Erwachsene nach einer unruhigen Nacht mit wenig Schlaf tagsüber nämlich abgeschlagen und müde sind, drehen viele übermüdete Kinder am Tag erst so richtig auf. Die Kinder laufen ständig von A nach B, weil sie sich eben nicht lange auf eine Sache konzentrieren können.

ADHS - bitte keine vorschnelle Diagnose!

Um organische Ursachen für den Schlafmangel und die dadurch bedingte Hyperaktiviät auszuschließen, sollten Eltern für ihre Kinder einen Termin beim Kieferorthopäden und/oder Hals-Nasen-Ohrenarzt vereinbaren. Denn häufig sind vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln (Polypen) oder ein Überbiss durch eine Kieferfehlstellung die Ursache. Dadurch bekommen die Kinder nachts schlechter Luft, wachen häufiger auf oder schnarchen. Das alles stört den Schlaf. Und je früher die Symptome behandelt werden, umso besser.

Aber neben den körperlichen sind es oft psychische Probleme, die Kindern den Schlaf rauben. Etwa 40 Prozent aller Grundschulkinder leiden unter Alpträumen. Viele können die zahlreichen Eindrücke des Tages noch nicht verarbeiten, haben Probleme in der Schule oder leiden unter Mobbing durch Mitschüler. Vor allem in sich gekehrte Kinder verarbeiten die Eindrücke in der Nacht und reagieren auf den Stress mit Zähneknirschen. Aber auch Schlafwandeln ist ein Phänomen, das häufig auftritt.

Eltern sollten darauf achten, dass ihr Kind möglichst jeden Abend um die gleiche Zeit ins Bett geht. Der Fernseher, PC oder die Spielekonsole sollten nach Möglichkeit schon mindestens zwei Stunden zuvor abgestellt werden. Stattdessen sollten Eltern ihre Kinder fragen, wie ihr Tag war, gegebenenfalls versuchen, vorausgegangene Streitigkeiten zu klären und für eine ruhige Atmosphäre sorgen. Eltern können ihren Kindern beispielsweise auch etwas vorlesen, gemeinsam singen oder aber den Kindern ein Hörspiel einlegen. Das alles hilft beim Ein- und Durchschlafen der Kleinen.

Erst wenn Schlafmangel als Ursache für die Hyperaktivität ausgeschlossen werden kann, ist eine Untersuchung auf ADHS sinnvoll.

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