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ADHS: Immer mehr Grundschüler betroffen

21.10.14 14:31
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Besonders junge Erstklässler sind von ADHS betroffen

Die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Kindern hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt. Besonders betroffen sind die jüngeren Erstklässler. Und die Anzahl der Schulkinder, die mit Psychopharmaka behandelt werden, steigt mit dem Schulstart deutlich an.

ADHS zählt zu den am häufigsten diagnostizierten Entwicklungsstörungen bei Kindern. Das berichtet die 'Welt' unter Berufung auf eine bislang unveröffentlichte Studie der AOK. Bei rund 3,5 Millionen Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren, die bei der AOK versichert sind, wurde ADHS diagnostiziert. Damit hat sich die Anzahl der ADHS-Diagnosen in den letzten sechs Jahren verdoppelt: 2006 erhielten 2,3 Prozent der Kinder eine ADHS-Diagnose, 2012 waren es schon 4,6 Prozent.

Bei den Zahlen der AOK-Studie handelt es sich ausschließlich um handfeste Befunde, die der Arzt mindestens in zwei Quartalen pro Jahr gestellt hat. Verdachtsdiagnosen sind nicht mitgerechnet.
Besonders alarmierend: Die Zahlen betreffen vor allem die Jüngsten, die gerade in die Schule gekommen sind: Die Studie belegt erstmals, dass unter den Erstklässlern besonders die Jüngeren das höchste Risiko einer ADHS-Diagnose tragen - also gerade die Kinder, die aufgrund ihres geringeren Alters häufig auch einen geringeren Entwicklungsstand aufweisen als ihre älteren Mitschüler. "Wenn Kinder im Schulunterricht andauernd aufstehen, herumlaufen und auf die Ermahnungen der Lehrer nicht reagieren, kann das verschiedene Ursachen haben", zitiert die 'Welt' Helmut Schröder, den Autor der Studie und stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. "Es liegt entweder daran, dass das Kind noch besonders jung im Vergleich zu seinen Mitschülerinnen und Mitschülern ist und lediglich seinem üblichen altersgerechten Spieltrieb folgt. Oder es liegt daran, dass das Kind tatsächlich ADHS hat."

Mit dem Schulstart steigt der Medikamentenkonsum

Und so laufen diese Kinder Gefahr, dass bei ihnen voreilig ADHS diagnostiziert wird und möglicherweise auch Medikamente eingesetzt werden. Denn das Risiko von Fehldiagnosen bei ADHS ist hoch. Bislang gibt es keinen allgemeingültigen Test zur eindeutigen Diagnose der Aufmerksamkeitsstörung. Und die Bereitschaft, Medikamente zur Therapie von ADHS einzusetzen wächst mit zunehmenden Alter der Kinder. AOK-versicherte Kinder mit ADHS-Diagnose bekamen im Vorschulalter hauptsächlich Ergotherapie und Sprecherziehung. Bei den Grundschulkindern steigt dann der Anteil der Patienten, die Wirkstoffe zur Konzentrationsförderung einnehmen, auf 34 Prozent, so die 'Welt'.

"Lehrer, Eltern und Ärzte sollten sich zusammensetzen und gründlich Ursachenforschung betreiben", fordert AOK-Studienautor Schröder. "Hilfreich kann es auch sein, möglichst frühzeitig vor dem Schulstart die Erzieherinnen hinzuzuziehen, um zu klären, ob das Kind schulreif ist."

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