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ADHS, Hypoaktiv oder Hyperaktiv? Das sind die Unterschiede

ADHS, Hypoaktiv oder Hyperaktiv?
Hat mein Kind ADHS, ist es hypoaktiv oder hyperaktiv? © dpa-Zentralbild, Z6068 Hansjürgen Wiedl

ADHS oder Hypoaktiv - was hat mein Kind?

Ihr Kind ist temperamentvoll, unruhig, nervös und kann sich schlecht konzentrieren. Wahrscheinlich werden Sie immer wieder von anderen mit der Nase darauf gestoßen. Was ist aber wirklich los mit Ihrem Kind? Hat es ADHS, ist es hypoaktiv oder hyperaktiv? Drei Fragen, zu denen sich der Erziehungsratgeber '300 Fragen zur Erziehung' von Sybille Herold klar und verständlich widmet.

Hyperaktivität sieht man heute als Kernsymptom einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung mit Hyperaktivität (ADHS). Diese Störung geht einher mit einer Veränderung des Hirnstoffwechsels. Derzeit geht man von einer genetischen Veranlagung für dieses Verhalten aus.

Wie bei allen psychotischen Auffälligkeiten haben Umwelteinflüsse zumindest eine stark modifizierende Wirkung. Das heißt, die Umwelt wird stark gefordert. Hyperaktive Kinder sind für Eltern, Lehrer und Mitschüler oft auch eine Belastung. Gelingt es, sie gut in die Gemeinschaft zu integrieren, statt sie in eine Sündenbockposition zu drängen, können Sie auch eine Bereicherung für alle sein. Sie schenken in großem Maße Offenheit, Gerechtigkeitssinn, Hilfsbereitschaft, Natürlichkeit und Kreativität.

Kinder mit einem ADHS sind erstens hyperaktiv, also extrem zappelig. Sie sind zweitens impulsiv, sie handeln und sprechen, bevor sie denken und sind äußerst spontan. Und sie haben drittens Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme. Umweltreize lenken sie sehr schnell ab und sie können selten lange bei einer Beschäftigung bleiben. Ausnahmen sind Game-Boy und Computerspiele.

Die drei genannten Leitsymptome müssen über mindestens sechs Monate und in allen Lebensbereichen zu beobachten sein (Schule, Freizeit oder Familie). Sie müssen bereits vor der Einschulung aufgetreten und deutlich intensiver als bei Kindern in der gleichen Altersgruppe sein.

Doch genau hier liegt das Problem: Ob ein Kind besonders temperamentvoll und lebhaft ist oder als hyperaktiv eingeschätzt wird, ist immer hochgradig subjektiv.

Hypoaktiv – wie können Eltern helfen?

Hypoaktive Kinder leiden unter der gleichen Störung von Aufmerksamkeit, Konzentration und Verhaltenssteuerung wie in der letzten Frage beschrieben, nur eben ohne körperliche Unruhe. Sie sind in Gedanken immer woanders, vergessen viel, sind zur falschen Zeit am falschen Ort und können die Geduld ihrer Mitmenschen mit ihrer Langsamkeit und Umständlichkeit ganz schön strapazieren. Trotzdem sind sie weniger auffällig als die Hyperaktiven.

Ein hypoaktives Kind gilt schnell als lernschwach und wenig helle. Damit wird es manchmal völlig verkannt. Strukturen, Regeln und Rituale geben diesen Kindern Halt. Bei einem Leistungstest, zum Beispiel in einer schulpsychologischen Beratungsstelle, können Stärken und Schwächen hypoaktiver Kinderdarüber hinaus objektiv beurteilt werden. Die Ergebnisse sind die Grundlage für das weitere therapeutische Vorgehen, denn ein hypoaktives Kind braucht ebenso professionelle und liebevolle Hilfe wie ein hyperaktives.

Über die Ursachen von Hypoaktivität weiß man noch wenig Definitives, vermutet aber zugleich eine genetische Veranlagung sowie die Wirkung bestimmter Lebensumstände auf das Kind. Auch Ernährungsfaktoren stehen mittlerweile im Verdacht. Nur gibt es noch keine wissenschaftlichen Belege, wenn auch Familien berichten, dass eine Ernährungsumstellung gelegentlich positiv wirkt.

Nervös? So können Sie Ihrem Kind helfen, ruhiger zu werden

Achten Sie auf einen möglichst ruhigen und strukturierten Alltag. In welchen Situationen entsteht Stress und Hektik? Was könnte man dagegen tun? Sorgen Sie mit Ruhepausen mit Entspannungsmusik, einer Vorlesegeschichte, einer Streichelmassage. Manchen Kindern hilft es, sich dabei in eine Kuscheldecke einzurollen. Führen Sie Entspannungszeremonien ein: einen speziellen Entspannungstee bei Kerzenschein, ein duftendes Bad.

Vielleicht kann Ihr Kind in einem Kinderkurs Entspannungsübungen wie Autogenes Training, oder Yoga lernen, vielleicht sogar mit Ihnen gemeinsam. Fragen Sie Ihre Krankenkasse, ob sie die Kosten übernimmt. Achten Sie auch darauf, dass Ihr Kind Ventile für den Energieüberschuss hat: Sorgen Sie für frische Luft und ausreichend Bewegung.

Fachmännischen Rat sollten Sie einholen, wenn:

- das Kind nervöse Zuckungen und Tics entwickelt

- das Kind ansonsten unglücklich wirkt

- das Kind mit seiner Unruhe alle anderen ansteckt

- das Kind vor lauter Hektik und Nervosität nicht mehr richtig zum Spielen und konzentrierten Lernen kommt

- alle Tipps oben nicht helfen

Quelle: 300 Fragen zur Erziehung von Sybille Herold, erschienen im GU Verlag, ISBN: 978-3-8338-1455-6

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