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ADHS bei Jungen und Mädchen: Jungen sind viel anfälliger

ADHS ist unter Jungen und Mädchen ungerecht verteilt
ADHS kommt bei Jungen und Mädchen unterschiedlich häufig vor.

ADHS bei Jungen und Mädchen - 'Zappelphilipp-Syndrom' ist weit verbreitet

Als Kind hatte 'Deutschland sucht den Superstar'-Kandidat Kristof Hering Probleme in der Schule. Als ADHS bei ihm festgestellt wurde und sich das herumsprach, wurde der Superstar-Anwärter von Mitschülern gemobbt. Kristof ist kein Einzelfall. Denn Jungen sind offenbar anfälliger für die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als Mädchen.

Das zeigt der Arztreport der Krankenkasse Barmer GEK. Jeder zehnte Neunjährige geht mittlerweile zum Neurologen oder Psychiater (9,6 Prozent) - 60 Prozent davon mit der Diagnose ADHS. Zum Vergleich: Bei neunjährigen Mädchen sind es sechs Prozent, davon rund 40 Prozent mit ADHS-Diagnose.

Das 'Zappelphilipp-Syndrom' ist also gerade unter Kindern- und Jugendlichen weit verbreitet. Experten gehen davon aus, dass bis zu sechs Prozent aller Heranwachsenden ADHS-Symptome zeigen. Jungen sind offenbar drei bis neunmal häufiger betroffen als Mädchen. Es heißt also wohl zurecht 'Zappelphilipp'-Syndrom und nicht etwa 'Zappellisa'-Syndrom.

Ritalin-Einsatz bei Kindern seltener

Für die Eltern ist der Umgang mit hyperaktiven Kindern häufig extrem anstrengend. Und auch Ärzte wissen sich oft nur mit Medikamenten zu helfen. Allerdings erkennen die Experten der Barmer ein Umdenken bei der ADHS-Behandlung: Betroffene Kinder werden im Gegensatz zu Erwachsenen immer seltener medikamentös behandelt. Obwohl sich die Verordnungsrate zwischen 2004 und 2009 laut Barmer fast verdoppelt hat, ging der Einsatz von Ritalin & Co. bei Kindern in den vergangenen Jahren um bis zu 8,5 Prozent zurück.

Mediziner raten bei der ADHS-Behandlung zu einem Mix aus pharmakologischen, verhaltenstherapeutischen und erzieherischen Maßnahmen. "Wo vielfältige Therapiemethoden zum Einsatz kommen und die Eltern gezielt unterstützt werden, lässt sich auch der Einsatz von Arzneimitteln reduzieren", sagt Dr. Ursula Marschall von der Barmer GEK.

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