Abtreibungsschiff: Sichere Abtreibung, um Leben zu retten

Abtreibungsschiff: Sichere Abtreibung, um Leben zu retten
© picture-alliance/ dpa, epa efe Cardenas

Abtreibungsschiff bietet sichere Abtreibung

47.000 Frauen starben im Jahr 2008 an den Folgen einer unsicheren Abtreibung. 13 Prozent aller Todesfälle in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft resultierten im selben Jahr aus Komplikationen bei unsicheren Abtreibungen. Von diesen Schätz-Zahlen geht die Weltgesundheitsorganisation aus. In Ländern mit strikten Abtreibungs-Gesetzen bleibt Frauen, die sich aus unterschiedlichsten persönlichen Gründen zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheiden, oft nur der Weg in die Illegalität - und damit zu einer unsicheren Abtreibung.

Ursula Willimsky

Derzeit wird in einem Land besonders heftig über die Abtreibungs-Gesetzgebung diskutiert: Marokko. Dort sind Abtreibungen nur in Ausnahmefällen, wenn die Schwangerschaft das Leben der Mutter gefährdet, erlaubt. Die Frauenorganisation „Women on Waves“ geht deshalb aus, dass allein in diesem Land täglich über 600 Abtreibungen illegal durchgeführt werden – mit „dramatischen“ Folgen: „Ernsthafte körperliche und seelische Schäden, Verletzungen, die zum Tode führen“, wie es eine Aktivistin formulierte.

Um auf die Lage der marokkanischen Frauen hinzuweisen, hat „Women on Waves“ ein „Abtreibungsschiff“ an die marokkanische Küste entsandt. Dieses Schiff, das nach niederländischem Recht als Abtreibungsklinik betrieben werden darf, will ungewollt schwangeren Frauen die Möglichkeit bieten, unter sicheren Bedingungen abzutreiben. Der juristische Trick: Es muss die marokkanischen Hoheitsgewässer verlassen, denn sobald es in internationalen Gewässern fährt, unterliegt es dem niederländischem Recht.

Mit ähnlichen Schiffs-Aktionen hatte „Women on Waves“ bereits in den Jahren zuvor auf die Lage von Frauen aufmerksam gemacht: Die Aktivistinnen steuerten Spanien, Portugal, Polen und das katholische Irland an. Mit Marokko war erstmals ein islamisch geprägtes Land ihr Ziel. Nach Protesten musste das Schiff den Hafen von Smir unter Eskorte wieder verlassen, es gelang den Aktivistinnen aber nach eigener Darstellung, die Nummer einer Beratungshotline publik zu machen.

In einem Bericht kommt die WHO zu dem Schluss, dass kein Zusammenhang besteht zwischen Abtreibungsrate und Gesetzgebung. Andererseits gebe es einen Zusammenhang zwischen Gesetzgebung und Sicherheit für die Frauen. So sei zum Beispiel in Südafrika, wo 1997 das Abtreibungsgesetz gelockert wurde, die Sterblichkeitsrate um über 90 Prozent gesunken.

Das Abtreibungsschiff kommt nicht überall hin

In anderen Regionen müssen die Frauen nach wie vor illegal abtreiben, wenn sie sich zu einer Schwangerschaftsunterbrechung entschließen. Und oft entscheidet ihr Geldbeutel, wie sicher der Eingriff durchgeführt wird. Gerade in Entwicklungsländern, in denen viele Frauen aufgrund ihrer Armut wenig Chancen haben, an Aufklärungsprogrammen oder Verhütungskampagnen teilzunehmen, ein großes Risiko. Die WHO geht davon aus, dass in Afrika und Lateinamerika deutlich über 90 Prozent aller Abtreibungen (Stand 2008) unsicher waren.

In Argentinien zum Beispiel gibt es laut AFP nach Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen rund 700 000 illegale Abtreibungen jährlich – für etwa 100 Frauen ende der Eingriff tödlich. Auch in diesem Land wird derzeit über die Abtreibungsgesetze diskutiert. Ein Fall sorgt dort für Schlagzeilen: Eine Richterin untersagte einem 32-Jährigen Vergewaltigungsopfer die Abtreibung, an dem Tag, an dem der Eingriff durchgeführt werden sollte. Ihre Begründung: ein Unrecht könne nicht gutgemacht werden, in dem man ein noch schwereres und nicht umkehrbares Unrecht begeht. Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte im März entschieden, dass Schwangerschaften als Folge einer Vergewaltigung ohne richterliche Erlaubnis abgebrochen werden dürfen. Inzwischen hat die stellvertretende Bürgermeisterin von Buenos Aires angekündigt, in Berufung zu gehen.

Auch in Deutschland ist der Abbruch von Schwangerschaften in Folge einer Vergewaltigung legal. Straffrei bleiben Abtreibungen laut Bundesfamilienministerium, wenn nach der sogenannten Beratungsregel vorgegangen wird: die Schwangere muss mindestens drei Tage vor dem Eingriff in einer staatlich anerkannten

Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle eine Beratung erhalten haben. Ihr Arzt darf nicht an der Beratung teilgenommen haben. Der Eingriff muss innerhalb von 12 Wochen nach der Empfängnis stattfinden. Auch wenn für die schwangere Lebensgefahr oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der körperlichen oder seelischen Gesundheit besteht, darf abgetrieben werden. Im Falle einer medizinischen oder kriminologischen Indikation übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Insgesamt entschieden sich laut statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr 108.867 Frauen zu diesem Eingriff.

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