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Abtreibung: Ist ein Schwangerschaftsabbruch Frauenrecht oder Mord?

Ein heftig umstrittenes Thema: Abtreibung

Im Jahr 2013 trieben etwa 15 Prozent der Schwangeren in Deutschland ab. Diese offizielle Zahl vom Statistischen Bundesamt ist erschreckend - besonders für Abtreibungsgegner. Diese bezeichnen Frauen, die Abtreiben, nämlich als 'Mörderinnen'. Andere sind der Ansicht, es gäbe etliche Gründe, die für eine Abtreibung sprechen: Eine Frau kann sich das Kind nicht leisten oder das Kind würde mit einer Behinderung zur Welt kommen. Das Thema Abtreibung ist also noch immer heftig umstritten. Ist ein Schwangerschaftsabbruch Frauenrecht oder Mord? RTL-Reporterin Dorothee Dahinden hat Antworten auf die offenen Fragen gesucht.

Abtreibung: Ist ein Schwangerschaftsabbruch Frauenrecht oder Mord?
Es ist die wohl härteste Entscheidung im Leben einer Frau - abtreiben oder das Kind bekommen? © SyB - Fotolia

Es ist die wohl härteste Entscheidung im Leben einer Frau - abtreiben oder das Kind bekommen. Und obwohl jede Frau diese Entscheidung für sich fällen muss, gibt es viele Menschen, die sich als absolute Abtreibungsgegner gegen den Schwangerschaftsabbruch stellen. Sie sagen, "Abtreibung ist Mord." Sie empfinden die Abtreibung als einfachen Ausweg, als blutige Prozedur, bei der Menschenleben einfach weggeworfen werden.

Dieser Meinung gegenüber stehen jene Menschen, die ganz klar sagen: Abtreibung ist ein Frauenrecht. Jede Frau sollte selbst bestimmen, schließlich ist es ihr Körper und ihr Kind, so die Befürworter. Natürlich ist auch ihnen klar, dass eine Abtreibung keineswegs eine einfache Entscheidung ist - aber es ist eben eine, die nur die Frau selbst fällen kann. Dafür kann es viele Gründe geben.

Schwangere müssen vor einer Abtreibung zu einem Beratungsgespräch – das ist gesetzlich so festgelegt. Hier werden sie beraten, können die Hintergründe ihres Abtreibungswunsches erklären. "Die Ängste der Frauen sind dabei oft, die Entscheidung nicht gut genug getroffen zu haben", erklärt Kerrin Lorenz von der Beratungsstelle 'Pro Familia' in Kiel, "wir zeigen in jedem Gespräch auch Möglichkeiten auf – was wäre, wenn man sich für das Kind entscheidet?"

Der Eingriff ist keine leichte Entscheidung

Erst am vierten Tag nach dem Gespräch in der Beratungsstelle dürfen Frauen einen Schwangerschaftsabbruch straffrei bei einem Arzt vornehmen lassen. Und das bis zur 12. Woche nach der Empfängnis. Wenige Frauen sprechen über ihre Abtreibung – umso erschreckender ist die hohe Zahl in der Statistik. "Wir haben in Deutschland etwa 680.000 Geburten pro Jahr - und etwas über 100.000 Abtreibungen im Jahr 2013", erklärt Dr. Thomas Kunz, Chefarzt des Westküstenklinikum Heide.

Vor dem Eingriff wird die Schwangere über die Operation informiert und es wird noch einmal nachgehakt, ob sie sich der Entscheidung wirklich sicher ist. Nach den Hintergründen und der Motivation wird jedoch nicht mehr gefragt. "Es sei denn, wir erkennen, es ist ein Punkt da, dass man darüber sprechen sollte. Wir stupsen das durchaus an. Und in manchen Fällen kommen die Patienten auch nicht wieder", erklärt Dr. Kunz.

Menschen, die sich grundsätzlich gegen die Abtreibung stellen, können dafür ganz persönliche Gründe haben oder einfach dem Glauben ihrer Religion folgen. Am Ende ist es aber die Entscheidung jeder Frau für sich selbst, ob sie ihr Kind behalten möchte oder nicht. Und diese Entscheidung sollte jede Frau fällen können, ohne dafür verurteilt zu werden.

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