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Abtreibung bestatten lassen: Frauen in Texas laufen Sturm gegen Beerdigungspflicht

ARCHIV - Das undatierte Foto zeigt ein sieben Wochen alten Fötus in einer Fruchtblase. Foto: Peter Endig/dpa (zu dpa "Studie: Toxoplasmose bei Neugeborenen wohl oft unentdeckt" vom 04.03.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Fötus © dpa, Peter Endig

In den USA ist eine Abtreibung legal. In Texas wird es den betroffenen Frauen nun schwerer gemacht, ihr Recht zu bekommen: Ab sofort müssen sie die menschlichen Überreste beerdigen lassen. Das ist nicht nur emotional eine Belastung, auch die Kosten müssen sie selber tragen.

Von Jutta Rogge-Strang

Selbst wenn die Frau vergewaltigt wurde, muss sie das Kind nach einer Abtreibung beerdigen

Die Gründe für eine Abtreibung spielen im konservativen Texas keine Rolle. Für Frauen, die ihr Kind nicht bekommen wollen, wird eine Abtreibung jetzt aber noch härter: Sie müssen ihr Kind nun offiziell bestatten lassen. Ob eine Vergewaltigung zur Schwangerschaft geführt hat, ist egal. Das Kind muss beerdigt oder eingeäschert werden, die Kosten trägt die Mutter.

Seit 1973 hat jede Frau in den USA das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch. In den konservativen Staaten werden den Frauen aber Hürden in den Weg gelegt. In Texas müssen Frauen seit 2011 zwei Mal eine Abtreibungsklinik besuchen, bevor der legale Abbruch erlaubt ist. Ganz neu ist jetzt aber die Pflicht zur Bestattung. Während es für Mütter von tot geborenen Kindern oft eine Erleichterung ist, wenn sie ihr Kind bestatten können, ist das für Frauen, die sich bewusst gegen ein Kind entscheiden, der blanke Horror.

Bislang wurden die menschlichen Überreste von den Kliniken und Praxen als medizinischer Abfall entsorgt. Nun haben die Frauen die Pflicht zur Bestattung. Durchgesetzt hat dies der texanische Gouverneur Gregg Abbott als Auflage für die Gesundheitsbehörde. Damit soll die Gesundheit und die Sicherheit der Öffentlichkeit gewährleistet werden. Diese neuen Regelungen gelten unabhängig von der Dauer der Schwangerschaft und von den Umständen, also auch für Vergewaltigungsopfer. 

Abtreibungsgegner und -befürworter kämpfen hart

Die texanischen Frauen laufen Sturm gegen die neue Auflage. Auf Facebook rief eine Amerikanerin die Frauen dazu auf, ihre blutigen Tampons, Binden oder blutigen Unterhosen an Abbott zu schicken – es könnte sich ja ein Embryo darin befinden. Tausende teilten den Aufruf. In den USA wird der Kampf für Frauenrechte mit harten Bandagen geführt. Immer wieder kocht die Debatte zwischen Abtreibungsgegnern ("pro-life") und Abtreibungsbefürwortern ("pro-choice") hoch.

In Deutschland werden Kinder unter 500 Gramm Geburtsgewicht, die vor oder während der Geburt oder auch bei einem medizinisch angezeigten Schwangerschaftsabbruch versterben, Sternenkinder genannt. Für diese Kinder gibt es jedoch keine einheitliche gesetzliche Bestattungspflicht, je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Regelungen. Seit 2013 können Eltern jedoch bei einer Fehlgeburt ihr Kind beim Standesamt registrieren lassen. Für einige Eltern ist das ein wichtiger Schritt, um die Trauer verarbeiten zu können. Ein Grab kann helfen, den Schmerz zu lindern, viele Friedhöfe bieten dafür eigens Kinderbereiche an.

Deutschland ist allerdings weit entfernt von einer Bestattungspflicht im Falle einer Schwangerschaftsabbruchs. Und das ist auch gut so. Seit Donald Trumps Wahlkampf wissen wir, dass in Amerika mit sehr harten Bandagen gekämpft wird, auch in der Abtreibungsfrage und bei den Frauenrechten. Das ist ekelhaft!

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