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Abschiedszimmer für sterbende Kinder: Hier gehen kleine Kämpfer ihren letzten Weg

Ein Teddybär sitzt in einem Kinderkrankenbett zwischen den Beatmungsschläuchen.
Ein Abschiedszimmer für Eltern und ihre schwerkranken Kinder ensteht bald in der Kinderklinik in Hannover. © Getty Images/iStockphoto, ByczeStudio

Der Spendenaufruf ermöglicht das Sterbezimmer für todkranke Frühchen

Auf der Station 69 der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird es ein Abschiedszimmer für schwer kranke Babys geben, die keine Chance auf Überleben haben. Es wird ein Raum geschaffen, in dem sich Eltern in Ruhe verabschieden können und auch die Kleinen - die ihren Kampf gegen eine schwere Krankheit leider verloren haben - in Würde aus dem Leben scheiden können.  

Lennys Tod gab den Anstoß

500 bis 600 Kinder werden jährlich auf der Kinderstation 69, in Hannover versorgt. Dazu zählen aber nicht nur Frühchen. Auch schwerkranke Neugeborene, die zum errechneten Termin und völlig normal auf die Welt kommen, werden hier behandelt. Dabei schien für Lenny, wenn auch nur für wenige Sekunden nach der Geburt, alles gut zu laufen. Direkt nach der Entbindung ist er seiner Mutter auf die Brust gelegt worden. Lenny schreit - aber nur einmal. Dann war es still und das normale Leben für den kleinen Jungen und seine Eltern war vorbei. 

Lenny hat eine seltene Lungenerkrankung, er läuft wenige Sekunden nach der Geburt blau an. Das Neugeborene kann nicht alleine atmen, das Herz hört auf zu schlagen, der Junge muss wiederbelebt werden. Von Warstein geht es dann für Lenny in eine Kinderklinik nach Lippstadt. Zwei Tage später muss er mit einem Helikopter in die MHH nach Hannover geflogen werden. Als feststeht, dass die Ärzte nichts mehr für den Jungen tun können - Lenny niemals alleine atmen wird und nur noch wenige Monate zu leben hat - mussten die Eltern eine harte Entscheidung fällen: Lennys Geräte werden abgeschaltet.

Eltern starten Spendenaufruf

Wenn ein Kind sterben muss, dann geschieht das bislang oft inmitten des normalen Klinikalltags - in einem Vierbettzimmer auf der Station. Und wenn dann der Tod in das kleine Kinderbett kriecht, was schon schrecklich genug ist, haben die betroffenen Eltern und der Säugling noch nicht mal eine Privatssphäre. Eine Blase in der sie sich in aller Ruhe verabschieden können. Einen Raum nur für sich, in dem sie sich alle Zeit der Welt nehmen können - um loszulassen.

So etwas gibt es nicht. Eltern müssen ihr eigenes Kind auf dem Weg des Sterbens begleiten und sehen ein Bett weiter, wie das Leben weiter geht. Das eigene Glück gleitet aus den Händen und im gleichen Zimmer geht alles ohne Pause, völlig normal, als wäre nichts passiert, weiter.

Für Lenny und seine Eltern gab es ein provisorisches Abschiedszimmer. Das Bettchen des Jungen wurde in ein freies Zimmer geschoben. Hier konnten seine Eltern ihn in Ruhe auf seinem schwersten Weg begleiten. Wie wichtig das Abschiednehmen ist, weiß Lennys Vater jetzt. Und er weiß auch, wie wichtig es ist, das friedlich und außerhalb des Kliniktrubels tun zu können. Deshalb haben Lennys Eltern nach seinem Tod einen Spendenaufruf gestartet. Mit dem Geld soll in der MHH ein festes Abschiedszimmer eingerichtet werden.

40.000 Euro sind zusammengekommen

Zwei Stiftungen, Einzelspenden - unter anderem von betroffenene Eltern, ein Elternförderverein der MHH, viele Spenden sind zusammengekommen. Das Abschiedszimmer kann finanziert werden. Die Heinemanns sind glücklich, dass die Umsetzung des Sterbezimmers so schnell angegangen werden kann. Sie hätten niemals mit so einer großen Unterstützung gerechnet. 

Bereits Ende Oktober soll mit der Einrichtung des Raumes begonnen werden. In dem Zimmer ist eine Sitzecke geplant, eine Waschmöglichkeit, Bett und Schrank für die Eltern, sowie natürich auch alle erforderlichen Anschlüsse für die entsprechenden klinischen Geräte. Auch wenn das Sterben eines kleinen Menschen im Abschiedszimmer nicht unbedingt einfacher wird, es wird zumindest ein kleines Stückchen erträglicher.


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