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Abnehmen mit Magensonde: Wie weit gehen Abnehmwillige noch?

Diät extrem: Nichts mehr essen mithilfe einer Magensonde
Diät extrem: Nichts mehr essen mithilfe einer Magensonde © Principal, unknown

Proteinernährung über die Magensonde

Italienisch ist eine der schönsten Sprachen der Welt – und so hat auch der Ausdruck "Nutrizione Enterale Proteica" einen hübschen Klang. Dahinter verbirgt sich allerdings eine unschöne Sache, nämlich eine bizarre Diät, die in Italien entwickelt wurde. Essen ist bei der "Enteralen Protein Ernährung" verboten. Wie bei künstlicher Ernährung wird dem Patienten eine Sonde eingesetzt, die durch die Nase in den Magen führt, und ihn mit einer Flüssigkeit versorgt, die ausschließlich Proteine enthält.

Von Christiane Mitatselis

Erfunden hat die Magensonden-Diät der Chirurgie-Professor Gianfranco Capello von der Universität Rom im Jahr 2007, er ist Spezialist für künstliche Ernährung. Sein Konzept klingt erst einmal toll. Versprochen wird ein Verlust von bis zu zehn Prozent des Körpergewichts in einer Zehntages-Kur; das heißt, ein Mensch, der 100 Kilo wiegt, kann in zehn Tagen zehn Kilo leichter werden. Danach muss eine Pause eingelegt werden, bevor der zweite Zehn-Tage-Zyklus folgen kann. Nach einer weiteren Unterbrechung ist eine dritte Behandlung möglich.

Die Magensonde kann zu Verstopfung führen

Der Patient hat während der Diät angeblich keinen Hunger. Da der Körper weder Zucker noch Fett erhält, sollen sich so genannte Kentonkörper bilden, die das Hungergefühl senken. Dennoch befinde sich der Organismus durch die kontinuierliche Proteinzufuhr im Dauer-Fettverbrennungszustand. Und noch besser: Es soll tatsächlich nur Fett und keine Muskelmasse abgebaut werden. Außerdem könne man während der Diät sein normales Leben führen. Anders als bei der proteinreichen Atkins-Diät, die in den 70er Jahren in Mode war, behandeln die Mediziner auch Patienten mit Herzproblemen mit der Magensonden-Diät. Ausschlusskriterien sind nur Nieren-Insuffizienz und Allergie gegen Milch-Proteine.

Es ist klar, dass sich diese Methode an verzweifelte Menschen richtet, denen es einfach nicht gelingt, auf natürlichem Wege abzunehmen. Und die somit zu allem bereit sind, wenn nur Hilfe versprochen wird. Wer lässt sich sonst freiwillig eine Magensonde legen? Zusätzlich muss der Abnehm-Willige einen Beutel mit Flüssigkeit und einer Pumpe mit sich herumtragen - wie etwa ein Schlaganfall-Patient, dessen Schluckmechanismus nicht funktioniert. Man sollte auch einen Blick auf die Nebenwirkungen werfen, die die Diät-Erfinder zugeben: Verstopfung und heftiger Mundgeruch.

Abgesehen von Capello und anderen Ärzten, die seine Methode in einigen europäischen Ländern anbieten und damit gutes Geld verdienen, findet die Methode keine ernsthaften Fürsprecher. Ernährungs-Wissenschaftler sind sich einig, dass die Magensonden-Diät nicht zu empfehlen ist. Die Argumente liegen auf der Hand. Eine so einseitige Ernährung kann Nieren, Herz und Leber schädigen. Zudem sollte niemand, dem seine Gesundheit lieb ist, mehr als maximal ein Kilo pro Woche verlieren.

Die Magensonden-Patienten lernen nicht, sich besser zu ernähren. Damit ist das Risiko groß, dass sie nach der Diät in alte Verhaltensweisen verfallen. Somit droht der berüchtigte Jojo-Effekt. Man nimmt zehn Kilo ab - und danach im schlimmsten Fall zwölf wieder zu, was den Körper extrem belastet. Und außerdem unglücklich macht.

Es ist alles beim Alten: Wer dauerhaft dünner werden will, muss sich maßvoll und ausgewogen ernähren. Und sich bewegen, und zwar täglich. Dazu sind Ausdauer und Willen nötig. Und kein Schlauch durch die Nase.

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