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Abnehmen durch Fasten: Mangelzustände können gefährlich werden

Das Fastenexperiment: Das passiert im Körper
Das Fastenexperiment: Das passiert im Körper Fastenexperiment: Fünf Tage ohne feste Nahrung 00:09:47
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Abnehmen durch Fasten? Nur langfristige Umstellung des Ernährungsverhaltens hilft

Fasten oder Heilfasten ist nicht als Diät geeignet. Abnehmen durch Fasten ist also keine ideale Methode, um schnell überflüssige Pfunde loszuwerden. "Wer wirkungsvoll und gesund abnehmen möchte, muss sein Ernährungsverhalten langfristig umstellen und sich viel mehr körperlich bewegen", erklärt die Ernährungsexpertin Silke Restemeyer. Die Fastenzeit könnte dafür einen Impuls geben.

Abnehmen durch Fasten: Mangelzustände können gefährlich werden
Abnehmen durch Fasten schadet eher, als es hilft © picture-alliance / beyond/Vladim, beyond/Vladimir Godnik

"Doch wer danach wieder in die alten Lebensgewohnheiten zurückfällt, wird die paar Pfunde, die er abgenommen hat, bald doppelt wieder draufhaben." Beim Fasten lernt man schließlich nicht, sich ausgewogen zu ernähren. Stattdessen stehen jedes Jahr im Frühjahr sogar viele Todesfälle im Zusammenhang mit Fasten, Heilfasten, Nulldiäten oder anderen gefährlichen Crashdiäten, warnt Sven-David Müller-Nothmann von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen.

Fasten führt neben Vitamin- und Mineralstoffmangelzuständen auch über den Proteinmangel zum Muskelabbau. Davon ist auch der Herzmuskel betroffen, was insbesondere bei Risikopatienten tödlich enden kann, berichtet Müller-Nothmann weiter. Während des (Heil-)Fastens greift der Organismus zur Deckung seines Proteinbedarfes auf das Muskelprotein zurück und baut es ab. Von diesem Raubbau ist auch der Herzmuskel betroffen und so sind die fastenbedingten Herztodfälle zu erklären. Langfristig macht Fasten dick und fördert zudem die Entstehung von Cellulite, formuliert Müller-Nothmann.

Fasten reduziert die Abwehrkraft des Organismus und Infektionskrankheiten finden in Fastenden leichte Opfer. Das ist besonders im Frühjahr dramatisch, da die Menschen von Grippe und Erkältungskrankheiten bedroht sind. Besonders schädigend ist Fasten, wenn es mit Darmreinigung durch Glaubersalz kombiniert wird.

Auch bei kurzzeitigem Fasten können Probleme auftreten

Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindelgefühl und Schweißausbrüche sind als ‚Fastenkrisen’ bekannt. Auch Blutdruckabfall oder ein akuter Gichtanfall können Folgen des Fastens sein. Bei derartigen Symptomen sollten Sie sofort mit dem Fasten aufhören und Ihren Arzt aufsuchen.

Sättigungszentrum liegt im Zwischenhirn

Die dominierende Rolle bei diesem Prozess spielt der sogenannte Hypothalamus, der Teil des Zwischenhirns ist. In ihm stehen zwei verschiedene Regionen miteinander in Kontakt: Die eine fungiert als Sättigungszentrum, die andere als Hungerzentrum. Ist das eine aktiv, wird das andere gehemmt - und umgekehrt. Langfristig versucht der Körper, seine Energiereserven konstant zu halten. Dazu misst er die Energiereserven und vergleicht sie mit der aktuellen Energieabgabe. Wer abnehmen möchte, müsste demnach das Hungerzentrum vorübergehend lahmlegen - oder satt sein.

Fasten mit Tee, (Mineral-)Wasser, Molke oder Säften bedeutet hungern und führt zu einer Unterversorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie lebenswichtigen Fettsäuren und Aminosäuren, sofern die Fastenphase über einige Tage hinausgeht. Sinnvoller ist es, im Frühjahr zur dauerhaften Umsetzung guter Vorsätze einfache Regeln wie mehr Gemüse und Obst zu essen, zwei Liter (Mineral-)Wasser zu trinken oder alkoholfreie Tage einzuhalten.

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