Abgaben für Kinderlose: Ist das gerecht?

Füllen Abgaben für Kinderlose die Kassen?

Die Frage, wie man Deutschland zu einem kinderfreundlicheren Land machen kann, hat neuen Zündstoff bekommen: Einige Jungpolitiker haben vorgeschlagen, Kinderlose ab 25 mit einer Zusatzabgabe zu belegen – die in die Sozialkassen fließen soll. Die Diskussion, die daraufhin aufflammte, zeigt, wie schwierig das ganze Thema ist. Uns erinnert es bisschen an all die anderen Diskussionen, die sich um Kinder ranken.

Kinderlose Paare sollen zahlen
Kinderlose Paare sollen zahlen © Fotolia Deutschland

Von Ursula Willimsky

Klar sollen sie sich entfalten, Freiräume haben und sich austoben können – aber bitte nicht genau neben unserer Wohnung. Dann doch lieber ein Kindergarten irgendwo draussen am Stadtrand, wo das Kindergeschrei niemanden stört. Es ist toll, wenn die Begabung junger musikalischer Talente erkannt und gefördert wird – aber doch bitte nicht eine Stunde am Tag in der Nachbarswohnung. Es ist wichtig, dass die Kinder viel Sport treiben und sich draussen bewegen – aber wenn noch einmal der Fußball in mein Blumenbeet fällt, werde ich wirklich ungemütlich.

Und es ist generell nichts dagegen zu sagen, wenn Leute überhaupt Kinder bekommen. Ihre Ausbildung finanzieren, sich darum kümmern, dass sie etwas anständiges zu Essen bekommen und ordentliche Klamotten – aber doch bitte nicht von meinem Geld. Und wie so oft, haben irgendwie beide Seiten recht. Wenn man sich so umhört, klagen Familien, oder besser gesagt: Mütter und Väter, häufig darüber, dass Familien finanziell so schlecht gestellt sind. Und Kinderlose klagen häufig über das Anspruchsdenken von Familien und fühlen sich schon jetzt als finanzielle Melkkühe.

Zwischen diesen beiden Polen flirren zur Zeit auch die Argumente für und wider einen Vorschlag der sogenannten "Jungen Gruppe" der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Der Parlamentarier Marco Wanderwitz hatte in einem Interview vorgeschlagen, künftig Kinderlose mit einer Extraabgabe zu belegen. Jeder, der 25 Jahre und älter ist, solle etwa ein Prozent des Einkommens zusätzlich abgeben müssen – als solidarische Demografie-Rücklage. Mit der Anzahl der Kinder solle diese Abgabe schrumpfen – Ein-Kind-Haushalte zahlen nur noch die Hälfte, ab zwei Kindern soll man von der Abgabe befreit sein.

Abgaben für Kinderlose: Eine Bestrafung?

Ein Vorschlag, der natürlich sofort zu lebhaftesten Diskussionen führte. Werden damit – wie viele Internet-User meinen – die Kinderlosen bestraft? Wollen da die Politiker den Menschen in den Lebenslauf pfuschen? Immerhin sei es ja jedem selbst überlassen, wann und ob er Kinder bekommen wolle. Und besonders ungerecht sei dieser Gedanke den Paaren gegenüber, die ungewollt kinderlos bleiben müssen. Einige geben zu Bedenken, dass Familien ohnehin schon Sonderzuwendungen bekommen – zum Beispiel in Form von Kindergeld. Familienministerin Schröder steht dem Vorschlag ebenfalls eher skeptisch gegenüber: Sie findet "es vernünftiger, Kinderwünsche zu befördern statt Kinderlosigkeit zu bestrafen." Es müssten Anreize geschaffen werden – statt mit "Abschreckung" zu arbeiten. Hätte es schon genügt, den Vorschlag anders zuformulieren? Nicht von Extra-Abgaben für Kinderlose zu sprechen, sondern von "weiteren Vergünstigungen" für Menschen mit Kindern?

Die Befürworter, zum Beispiel die CSU-Politikerin Haderthauer, sehen den Vorschlag anders: "Derzeit gibt es in unserem Sozialversicherungssystem eine Gerechtigkeitslücke zwischen Menschen mit und ohne Kindern. Derjenige, der Zukunft baut und Kinder hat, darf nicht mit denselben Beiträgen belastet werden wie jemand, der das – egal aus welchen Gründen – nicht tut."

Was haltet Ihr von diesem Vorschlag? Falls Ihr keine Kinder habt: Wärt Ihr bereit, ein Prozent Eures Einkommens zusätzlich für Familien abzugeben? Falls Ihr Kinder habt: Findet Ihr diese zusätzliche Unterstützung gerechtfertigt? Oder müsste der Staat / die Gesellschaft an ganz anderen Punkten ansetzen, um Familien das Leben leichter zu machen?

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